Das Ensemble, der Regisseur, das Sujet, Grund genug, sich auf „The Royal Tenenbaums“ zu freuen. Und wenn sich dann die Filmfans noch überschlagen des Lobes, dann nichts wie ran.
Um so kniffliger, wenn es dann nicht klickt.
„Tenenbaums“ ist für mich keine Enttäuschung, nicht wirklich, nur kann ich ihm insofern keine Brillianz konstatieren, wenn mich sowohl Figuren als auch die erzählerische Seite des Films weder ansprechen, noch sonstwie berühren.
Aber bleiben wir erst mal ehrlich: das Ensemble spielt wunderbar, zwar sparsam und nicht übertrieben engagiert, aber genau passend für so skurile Rollen. Eine Familie voll von vorgefertigten Genies, die mit ihrer Bestimmung nicht klar kommen und an kleinen, fast unerheblichen Problemen scheitern.
Wes Anderson hat das alles so meisterhaft durchkomponiert, daß es eine Freude zu sehen ist, wenn man nur das tut. Immer den gewissen Schritt neben der Spur, sei es bei den Dialogen, dem Tempo, dem Verhalten, der Stimmung.
Gewohnte Komödie sollte man hier nicht erwarten, auch keine bissige Satire, sondern feiner, fast unmerklicher Humor, der die Figuren ummantelt, während sie eigentlich mit den tragischen Seiten ihrer Persönlichkeiten ummantelt sind.
Das führt dazu, daß die komischen Szenen irgendwie ernst sind, die ernsten traurig und die traurigen fast furchtbar komisch. Das ist schon bemerkenswert.
Lob muß man auch für Farbkomposition (rote, bräunliche und ausgebleichte Töne dominieren) und einem hervorragenden Soundtrack spendieren.
Präsentiert wird das als eine Art Lesung des Drehbuchs in Romanform, die in Filmbilder hinübergleitet, ein schöner Einfall und vor allem zu Beginn noch stark bei der Stange haltend.
Aber der Funke will trotzdem nicht zünden, so gefühlvoll die Charaktere geformt sind, ans Herz gehen sie trotzdem nicht.
Die Geschichte, die hier erzählt wird, mag in der Grundsubstanz interessant klingen, aber sie tritt auf der Stelle. Alle Probleme, die die Figuren bis zur letzten Szene mit sich herumschleppen, sind schon im Prolog (der in ihrer Jugend angesiedelt ist) deutlich für den Zuschauer erkennbar. Die stellen sich dann als relativ simpel und wenig aufregend dar und der Film benötigt die volle Länge, um alle zu den Erkenntnissen kommen zu lassen, die für den Zuschauer schon von Anfang an klar sein können, wenn er aufmerksam zusieht.
Ein Überraschungsmoment weist der Film damit nicht auf, so daß die Interessekurve arg einbricht, wenn man sich an den Inszenierungsstil gewöhnt hat.
Wer ein Faible für abstruse Charaktere hat, wird sicher dutzendweise fündig, doch alle übrigen werden kaum eine Verbindung finden, die ein Kennenlernen wertvoll machen.
Hackmans Bemühungen um seine Familie sind brüchig motiviert, Anjelica Hustons Mutter schwimmt ebenso im Nichts der Bedetungslosigkeit wie Danny Glovers höflicher Galan.
Die Paltrow ist schon im Film unzugänglich, Luke Wilson wirkt wie ein komplett introvertierter Isolationspatient (was er natürlich auch ist, aber die investierte Geduld wird kaum belohnt), Owen Wilsons Rolle ein ständiger Fremdkörper, Ben Stiller ein agressiv-verquerer Fremdkörper.
Möglicherweise ist Andersons Komposition zu perfekt, um mehr als einer kleinen, aber intensiven Fangemeinde zu gefallen, zu speziell, zu abgedreht. Das kann man als integer werten, aber auch als riskant, zumindest wenn man latent kommerziell sein will.
Nicht einmal der vielgerühmte Selbstmordversuch Wilsons zu „Needle in the Hay“ sticht heraus, alles fügt sich so perfekt zusammen, dass es schon monochrom wirkt, pardon monoton.
In den USA ist so eine Kreation eher ungewöhnlich, so daß die Massen und die Kritiker sich schwer tun, wenn sie damit ungehen müssen. Die einen lieben ihn, andere wenden sich schnell verständnislos ab.
Ich persönlich richte auf technischem und schauspielerischem Terrain beste Glückwünsche aus, muß aber zugeben, daß ich erzählerisch enttäuscht bin, ein zäher, auf der Stelle tretender Plot, der angeblich seine Figuren am Ende läutert, es aber nicht visualisieren kann, produziert über die volle Länge nicht selten Langeweile, die man sich wegen der schönen Bilder im ersten Moment vielleicht nicht zugestehen will. (6/10)