Meine teuflischen Nachbarn(1989)
Nachbarn. Gibt es etwas interessanteres oder seltsameres? Wer schon mal in einem Dorf oder einer kleineren Stadt gelebt hat, kann bestimmt zwei oder drei ganz besonders denkwürdige Geschichten zum Besten geben. Gerüchte, Stille Post, wer mit wem, dieses junge Luder, komisches Hobby, bestimmt schon wieder schwanger, der betrügt sie doch oder eben kleinere Gruppen in einer Siedlung, die sich gegen den einen, ganz besonderen EVIL NEIGHBOR verschworen haben. Da gibt es heimliche Anzeigen, weil jemand sein neues Gartenbauwerk nicht angemeldet hat oder da wird schon mal mit dem Luftgewehr auf Nachbars Katze geschossen, weil die ständig auf den hübschen Autos herumeiert und ihre hässlichen Tapser überall verteilt. Am Neujahrstag gibt es schon mal Beschwerden von "besorgten" Siedlungsbewohnern, weil die Knallerei ja nicht so umweltfreundlich ist. Das sind dann auch genau die, die im April auch mal einen gelben Sack verbrennen um Insekten und Ungeziefer fernzuhalten. Kopfschüttel. Das sind ein paar kleinere Auszüge aus meiner Jugend und so dämlich sich das alles anhört, so wahrhaftig ist es geschehen. Als ich dann in eine größere Stadt zog, war das alles (beinahe) vorbei. Aber immer wenn ich meine Eltern besuche, amüsiert es mich köstlich, den Geschichten und Mythen über Leute zu hören, die eigentlich ein Produkt ländlicher Langeweile sind.
Und genau darum geht es in "The Burbs" (OT). Eine wunderbar zeitlose Komödie, die in unserer westlichen Welt wohl noch so lange aktuell bleibt, wie es Materialismus, Wohlstand, Besitzgeilheit oder Konsumwahn gibt. Ein Film, der Komödie und Farce so meisterlich mit einem Hauch schräger Gruselei vermischt, dass ich den Film über Jahre nicht vergessen habe. Durch Zufall beim örtlichen E-Markt entdeckt und rein ins Körbchen. Sehr schön auch, dass man diesen Heidenspaß nun auch im englischen Originalton genießen kann. Gerade die "bösen" Nachbarn kommen im Original noch besser rüber als in der Synchronfassung. Die Darsteller haben alle durch die Bank verstanden, um was es Regisseur Joe Dante hier ging. Überspitzte Klischees, herrliche Momente am laufenden Band und eine Pointe (Tom Hanks Ansprache gegen Ende), die besser kaum sein könnte.
Dass Joe Dante und seine Drehbuchautorin am (tatsächlichen) Ende die Bösen doch böse sein lässt, mag zunächst etwas verwirren und macht einen Teil der Sozialkritik am sinnlosen "NachbarschaftsWACHdienst", dessen Augen besser nicht auf einen selbst abzielen, wieder etwas zunichte.
Aber es handelt sich hier ja auch nicht um ein Oscar schielendes Drama oder die äußerst bitteren Nachrichten von google News und Co. Der lockere Ton des Filmes zeichnet genug "Spiegel vor's Gesicht" Qualitäten ab, ganz ohne "...fanden sie im Keller...", "...von den eigenen Eltern..." oder "...in Müllbeuteln vergraben..." Meldungen.
So, ich muss dann mal. Die alte verschrobene Lady geht gleich wieder mit ihrem Köter spazieren. Mit der stimmt doch was nicht.
9/10