Moses: "There are some commandments that are not written in stone."
Sister Wrath: "And what are those, oh mighty Moses?"
Moses: "Thou shall not fuck with nuns!"
Ein Leben als Nonne stelle ich mir ehrlich gesagt nicht sonderlich aufregend vor. Da kann ich mich noch so sehr anstrengen, das will einfach nicht funktionieren. Aber möglicherweise täusche ich mich da ja gewaltig, denn wenn man verschiedenen Filmen Glauben schenken darf, geht es im Leben der oft liebevoll als Pinguine bezeichneten Frauen bisweilen ausgesprochen abenteuerlich und turbulent zu. Werfen wir nur mal einen Blick auf Richard Griffins Nun of That. Dort verläuft das Leben der im Mittelpunkt der Geschichte stehenden Nonnen so dermaßen cool und aufregend, sündhaft und gefährlich, verrückt und kompliziert ab, daß selbst James Bond sein geschüttelter Martini vor Schreck aus der Hand fallen würde. Ich bin ja kein Fan von Nunsploitation-Flicks, werde mit diesem Subgenre einfach nicht warm. Nun of That bildet da die Ausnahme, geht dieses launige Machwerk doch ab wie ein Zäpfchen mit Düsenantrieb. Allerdings ist Nun of That auch weit mehr als bloße Nunsploitation.
Kelly (Sarah Nicklin) ist eine junge, resolute Nonne mit Prinzipien, die in gewissen Situationen zur Überreaktion neigt. Will man ihr ein lesbisches Techtelmechtel aufzwingen, gibt's was auf die Fresse. Wird sie mit einem kinderschändenden Priester konfrontiert, ist erst Schnauzenpolitur angesagt, bevor es hochkant die Treppe runtergeht. Nein, mit ihr ist nicht zu spaßen, was Mutter Oberin, die auf Anpassung und ein harmonisches Miteinander Wert legt, natürlich ein Dorn im Auge ist. Deshalb soll Kelly in ein weit abgelegenes Kloster strafversetzt werden. Doch bevor es so weit ist, wird sie beim Schlendern durch die Straßen von drei üblen Punks überfallen, die Schreckliches im Sinn haben. Tja, Pech gehabt. Noch bevor die geilen Lumpen ihre Dödel auspacken können, liegen bzw. hängen sie schon tot in der Gegend herum. Just als sich Kelly vom Acker machen will, stehen vor ihr plötzlich drei Nonnen, die sie ohne mit der Wimper zu zucken wegpusten. Kelly findet sich daraufhin in einer Art himmlischen Trainingszentrum wieder, wo sie von Gandhi (John Joseph Gomes) ausgebildet wird, gegen dämonische Ninjas kämpfen muß und auf Jesus (Michael Reed) trifft. Ihr wird offenbart, daß sie nun Teil eines geheimen, Jahrhunderte alten katholischen Ordens ist, dem Order of the Black Habit, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Verbrechen mit so drastischen wie unorthodoxen Mitteln zu bekämpfen. Als Sister Wrath wird sie zurückgesandt, um zusammen mit Sister Pride (Alexandra Cipolla), Sister Gluttony (Ruth Sullivan) und Sister Lust (Shanette Wilson) das Geschwür namens Verbrechen auszumerzen.
Nun of That ist der beste, coolste und unterhaltsamste Streifen, der mir von Indie-Filmemacher Richard Griffin (Creature from the Hillbilly Lagoon) bislang untergekommen ist. Ja, der ist tatsächlich noch ein Stückchen besser, cooler und unterhaltsamer als Atomic Brain Invasion. Die Vorgeschichte ähnelt der von Machete. Für das beliebte 48 Hour Film Project drehte Griffin innerhalb von 2 Tagen einen etwa vierminütigen Trailer namens Nun of That, der dann so gut ankam, daß man sich entschloß, die Idee zu einem Spielfilm auszubauen. Viele der bereits im Trailer agierenden Darsteller kamen für den Film zurück, aber auch neue Schauspieler wurden engagiert, da die Geschichte komplexer wurde und es wesentlich mehr Figuren gab. Ganz wichtig für ein gelungenes B-Movie ist ja das richtige Casting, und hier wurde diesbezüglich ganz ausgezeichnete Arbeit geleistet. Sämtliche Figuren sind zwar äußerst dürftig und recht eindimensional gezeichnet, aber den blendend aufgelegten Aktricen und Akteuren gelingt es, die vorgegebenen Schablonen mit Leben auszufüllen. Sarah Nicklin, die eine sehr sympathische Girl-Next-Door-Ausstrahlung hat, ist phantastisch in der Hauptrolle, aber auch Alexandra Cipolla, Ruth Sullivan und Shanette Wilson laufen zur Höchstform auf, wobei letztere mit ihrem ganz goldigen Afro für einen Hauch Blaxploitation sorgt. Ich denke, die Schauspielerinnen hatten bei den Dreharbeiten eine Riesenhetz, und dies überträgt sich eins zu eins auf das Publikum. Es macht einfach ungeheuren Spaß, dem quirligen Quartett dabei zuzusehen, was auch immer es gerade tut. Außerdem haben ihnen Griffin und Co-Drehbuchautor Ted Marr herrliche Worte in die Münder gelegt. Den besten Monolog hat wohl Sister Lust, den ich unbedingt zitieren möchte:
"Dear Lord, this is your humble servant Sister Lust. Now, I haven't asked much from you Lord, but can you please send me some cock pronto!? White cock, brown cock, yellow cock, it doesn't matter. Five inches, six inches, I don't need some John Holmes motherfucker to be happy. Now, every day I risk my ass for you Lord... the least you can do is give me something to put in it!"
Ob ihr Wunsch in Erfüllung geht, sei an dieser Stelle nicht verraten. Verraten darf ich jedoch, daß Richard Griffin so ziemlich alle ihm zur Verfügung stehenden Register zieht, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Die wilde, temporeiche Geschichte erfreut uns nicht nur mit dem einen oder anderen Twist sondern punktet auch mit witzigen Ideen (Troma-Chef Lloyd Kaufman hat z. B. ein Cameo als Papst, und Jesus legt eine flotte Musical-Nummer aufs Parkett), coolen Sprüchen ("You're so unlucky that you could fall into a barrel of tits and come out sucking your thumb!") und krasser Action (wie z. B. die gelungene Eröffnungssequenz im Strip-Club). Die diversen Fights sind - für einen Film dieser Preisklasse - erstaunlich gut choreographiert, und die Shootouts geizen nicht mit deftigen Gewalteinlagen, wobei in Sachen Gore manchmal praktische Effekte und manchmal CGI zum Einsatz kommt. David Lavallee Jr. gibt als jüdischer Nonnenhasser Viper Goldstein ("I like killing nuns!") einen memorablen Antagonisten ab (dem noch dazu ein denkwürdiger Abgang spendiert wurde), und die häßliche Chefin der Mafia-Organisation, Momma Rizzo, wird passenderweise von einem Mann (Rich Tretheway) in Drag-Kostümierung gespielt, der sich offensichtlich Shelley Winters (Bloody Mama) zum Vorbild nahm. Als Gangster Richie Corbucci ist Brandon Luis Aponte mit von der Partie, der im Folgefilm Atomic Brain Invasion zum King, Elvis Presley, befördert wurde. In einer Doppelrolle als Jesus und Satan brilliert Michael Reed, und in einer kleinen Nebenrolle macht Debbie Rochon eine gewohnt gute Figur.
Der überwiegend in Rhode Island gedrehte Nun of That erinnert von der Machart her stark an das Exploitationkino der Siebziger-Jahre, wobei der Film selbst ein sehr schöner und vor allem gelungener Mix aus Huldigung, Persiflage und Genreupdate ist. Griffin, der für Stephen Romano Presents Shock Festival den Fake-Trailer Dark Night of the Demon House beisteuerte, inszenierte den Streifen mit der exakt richtigen Dosis an charmantem Augenzwinkern, ohne daß der ungute Eindruck entsteht, die Macher würden sich für ach-so-cool und unwiderstehlich toll halten. Des Weiteren glänzt der Streifen mit einer verspielten Lockerheit; auch wenn verdammt viel geflucht wird und genug blasphemische Spitzen verteilt werden, um die Kirche nachhaltig zu verärgern, so erscheint das Ganze doch niemals verkrampft oder erzwungen. Billig, blutig, cool, sexy, sympathisch, trashig und ziemlich verrückt, voller Leidenschaft, Ideenreichtum, funky music und mit einem gewissen (Retro-)Stil, Nun of That ist ein kultiger Camp-Spaß, der mir neunzig äußerst vergnügliche Minuten bereitet hat und definitiv Lust auf mehr macht. Also, Mr. Griffin, worauf warten Sie noch? Nun of That was awesome... now I want More of That!