In einem schäbigen Stundenhotel einer amerikanischen Kleinstadt in den 1970ern lebt Obermacker Lobo (Peter Tahoe) mit Freundin Marla (Ivet Corvea) und Faktotum Clint sowie wechselnden Nutten. Die im Überfluss vorhandene Freizeit vertreibt man sich nicht nur mit herumvögeln, sondern auch mit Gras rauchen und Koks verschieben. Als Marla eines Tages aus nichtigen Gründen einen fettleibigen Kunden ersticht, nutzt eine andere Bordsteinschwalbe das kurzzeitige Chaos und klaut ein Tütchen Stoff, was Luden-Lobo mit einem Kopfschuss belohnt. Kurz danach läuten Rebecca (Christina DeRosa) und Catherine (Cheryl Lyone), zwei junge Mädchen die ihre Bibeln verkaufen wollen, an der Tür: Kurzerhand werden sie als Geiseln genommen und zum Gaudium der Bewohner gequält, während Lobo und Clint später mit deren Wagen die ersten beiden Leichen verschwinden lassen. Währenddessen erschießt Marla eher aus Versehen Rebecca beim russisch-Roulette spielen, sodaß gleich wieder eine Leiche zu entsorgen ist - diesmal im Wald, was das perverse Trio noch für diverse Spielchen mit der verbliebenen Catherine nutzen will, bevor diese ebenfalls verscharrt werden soll - doch dann kommt es anders als geplant...
Anhand dieser Einleitung mag der geneigte Leser bereits vermuten, daß es sich hier um Exploitation-Kino handelt - und genauso ist es auch: Regisseur Joseph Guzman hat mit Run! Bitch! Run! eine Hommage an diverse Schocker der Siebziger vorgelegt. Mittels eines entsprechenden Scores, einem etwas grobkörnigen Bild und einem angemessen dreckigen Setting gelingt es ihm nahezu perfekt, die Atmosphäre der Siebziger auf die Leinwand zu zaubern - der große Unterschied zu den Vorbildern wie Last house on the left (1972) oder Day of the woman (1978) besteht jedoch darin, daß die Originale seinerzeit tatsächlich schockieren wollten (durch Tabubrüche und explizite Gewalt in Wort und Bild), während sich diese 2009er-Hommage nicht recht ernst nimmt, was gleich in der ersten Szene mit dem schwabbelbäuchigen Freier klargestellt (und auch später im weiteren Verlauf des Films immer wieder angedeutet) wird.
Folglich sind auch die anschließenden Scheußlichkeiten, statt sie vom moralischen Standpunkt her klar zu verurteilen, eher mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Zwar ist das Gezeigte auch unter diesen Voraussetzungen stellenweise schwer erträglich (weil beispielsweise eine Vergewaltung nie ein Spaß sein kann), dennoch übertreibt das Drehbuch an keiner Stelle, blendet das eine oder andere Mal gnädig ab oder verkürzt das Geschehen mit einem trockenen (Um-)Schnitt.
Während die Exploiter der Siebziger bezüglich der Gewaltdarstellungen oftmals Schwierigkeiten hatten, beispielsweise abgeschnittene Gliedmaßen technisch sauber darzustellen, wäre dies im CGI-Zeitalter kein Problem mehr - dennoch greift Regisseur Guzman auch hier auf die alte "Handgemacht"-Technik zurück. Dort, wo es zu aufwendig wird, arbeitet er dann mit dem bewährten Gegenschnitt (z.B. auf blutbespritzte Gesichter), ohne die eigentliche Verletzung zeigen zu müssen (in diesem Fall: zeigen zu wollen). Dieses Stilmittel setzt er auffallend häufig ein, sodaß schnell der Eindruck entsteht, hier sei bewußt entschärft worden - allerdings seitens der Regie, nicht der Zensur. Während die Gewaltexzesse zumindest graphisch also deutlich zurückgefahren wurden, nimmt ein anderes Exploitation-Merkmal dafür erheblich mehr Raum ein: Blanke Brüste, die man in Run! Bitch! Run! zuhauf zu sehen bekommt, teilweise auch länger als nur ein paar Sekunden lang - dem voyeuristischen Effekt wird hier zur Genüge Rechnung getragen.
Auch die Darsteller machen ihre Sache gut: Der geistig retardierte Clint, der stets lässig wirkende Lobo, die reichlich abgefuckt auftretende Marla oder Racheengel Christine in Schwesterntracht - sympathisch ist zwar keiner von ihnen, aber sie alle verkörpern durchaus authentisch einen Mesokosmos an Misanthropie in der Kleinstadt Moseley.
Und diese spezielle Mischung aus (erkennbarer) Hommage, einem zwar wenig spannenden, da voraus zu ahnendem Handlungsverlauf mit allerdings jederzeit überzeugenden Darstellern vor einer wirklichen dreckigen Kulisse gepaart mit gitarrenlastigem Beat macht das Besondere dieses Films aus, der ohne Happy-End genauso unvermittelt endet, wie er begonnen hat: Beste Unterhaltung für Exploitation-Freunde: 8,51 Punkte.