Review

Neulich...im Weserbergland...
Endlich mal wieder Wandertag, im lichten Mischwald einen leerstehenden Gebäudekomplex gefunden und spontan in den Wald hinaus gerufen: Mann, hier könnte man prima einen kleinen Film drehen.
Wieder daheim die Ernüchterung: gibt es schon, die Japaner sind mir mal wieder zuvor gekommen...

Ich verspreche bis auf weiteres hoch und heilig: das ist erstmal der letzte Beitrag aus diesem Katalog schnell zusammengewichster Mangaverfilmungen, bei denen Cosplayern hektoliterweise die rote Suppe aus den Armstümpfen fontänt, während schnurrige Mädels in knappsten Kostümchen helfen, das heimische Lechzen zu perfektionieren.
All die "Zombie Killer" von der "Tokyo Gore Police" liegen schon hinter mir, aber eine Zelluloidleiche gibts immer noch, in diesem Fall die Samuraiprinzessin, die sogar die bisherigen Genrebeiträge unterbietet.

Diesmal durfte ich mir das Liebhaberstück sogar im Originalton anschauen, was zur Folge hatte, daß ich nicht mal über die saudämliche englische Synchro heiter ablachen konnte, sondern das konsonantenarme asiatische Geleiere zu ertragen hatte, während mich die Untertitel notdürftig bei der Stange hielten, nicht mit Faktor 32 vorzuspulen.

Was also ist los im Engerdinger Forst? Offenbar gibts da ganz dolle Banditen und Vergewaltiger und weils sowieso verboten ist, geht man halt da hin, wenn man sich einen Androiden zusammenbasteln will, vorzugsweise aus Leichenteilen.
Das sind doch mal Paralleluniversen, in denen die Figuren alle rumrennen wie aus dem 18.Jahrhundert importiert, aber dennoch munter mit Handy telefonieren - daher auch mein Gütesiegel, daß sich jeder motivierte Cosplayer auf den Kostümschneider hier über die volle Filmlänge einen abhobeln kann.

Im Plot gibts also einen depperten Wissenschaftler, der Androiden baut und eine schöne Holde, die nicht nur knackig drein schaut, sondern auch mal ihre Hupen abmontiert, um sie durch die Gegend zu schleudern - wer wollte da nicht gern sterben?
Hier offenbar ganz viele, denn zwei vollkommen durchgeknallte, absolut nervtötende und total arschige Serienkiller-Androiden sind auch unterwegs und zersägen junge Mädchen - einmal eine komplette Klasse, deren einziger Überlebender der "mad scientist" auf eigenen Wunsch hin die besten Teile ihrer Klassenkameradinnen implantiert - so entsteht dann die "Samurai Princess" (die mit den Schleuderhupen!). Derweil betet sich eine Nonne am Waldaltar filmfüllend einen Wolf und ein einhändiger Gitarrenspieler, dessen Prothese absolut kettensägenresistent ist, geht auf große Wanderung, weil er der Asia-Maus beistehen will.
Ja, das wars dann eigentlich auch schon mit Handlung, die in lahmen Rückblenden das alles ewiglich vor uns ausbreitet. Und das noch dazu nach dem üblichen Splatterstart mit einer Seelenruhe, daß gut 50 Minuten rum sind, bevor mal wieder das Hackebeil rausgeholt wird.
Prinzesschen murkst übrigens dann die Killer ab (das entsprechende Gematsche) und zieht dann (und hier mal ein seltenes Bild aus einem asiatischen Film) in einer Traumsequenz zur Kopulation brustwarzenblank. Anschießend kommen zwei depperte Mäuse von der Androidenkontrollaufsicht (oder so) endlich mal ihres Weges und klären formschön auf, daß Dr.Schnippler hier eigentlich der "bad guy" ist. Prompt begibt man sich in den leeren Gebäudekomplex (den im Weserbergland) und trifft dort auf ihn und seinen eigens konstruierten mechatronischen Lachsack, der einem "Borg" nach der dritten Wurmkur gar nicht mal so unähnlich sieht. Knorke!

An diesem Quäkkasper arbeiten wir uns dann die letzten 15 Minuten ab, scheitern glorios und bemühen dann die Kräfte der in Prinzesschen versammelten 11 Mitschülerinnen dank der FX-Abteilung, was aber nie so ganz undilletantisch abgeht.
Gorefreunde werden an diesem Geschlitze und Gesäge bestimmt ihren Spaß haben wie sowieso an die sehr spärlich gesäten, aber dann hocherfreut matschigen Splattereinlagen.
Das wars dann aber auch schon, denn der Plot lädt zum fröhlichen Schnarchen ein und die Figuren erinnern stark an einen haschgesättigten Kindergeburtstag, der außer Kontrolle geraten ist, aber möglicherweise halten Trashfans dies für crazy und lustig.
Soll mir recht sein, aber letztendlich taugt das alles außer zur privaten Hinterzimmerverwendung maximal für eine rein visuelle Ausstrahlung zu irgendwelchen Clubbeats, weil es der heiße Multimediascheiß ist, der postmodern die Jugend zum Wodka-E lockt. Insofern brauchbar, als Film warte ich dann doch lieber auf Mangaverfilmungen, die man auch ohne Drogen ertragen kann. Verschwendete Zeit, lieber auf in den Wald, wo des Jägers Hose schallt. (1/10)

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