Organleasing scheint im Kino heuer ein Thema zu werden, nach „Repo!“ nun also „Repo Men“, der allerdings unabhängig von dem Rockmusical entwickelt wurde.
Von der Prämisse her ähneln sich beide Filme natürlich schon: In der Zukunft ist die Herstellung künstlicher Organe möglich und in folgerichtiger Kapitalismuslogik kann sich der herz-, nieren- oder sonstwaskranke Bürger ein Ersatzogran kaufen – notfalls auf Pump. Wie beim Leasen von Autos gibt es allerdings Repomen, die bei wiederholter Nichtzahlung mit dem Gut davonziehen – und ohne Auto kann man leben, ohne Herz nicht. Die Polizei interessiert der Quasimord einen Dreck und die Frage der Repomen ihren betäubten Opfern gegenüber, ob sie einen Krankenwagen rufen sollen, ist eine hohle Floskel.
Die waschechte Sci-Fi-Heroengeschichte braucht aber den Zweifler, der trotzdem top in seinem Job ist – hier wäre das Remy (Jude Law), Repoman deluxe. Für Frank (Liev Schreiber) und dessen Company ist er im Wiederbeschaffungsbusiness, im Gegensatz zu seinem Partner Jake (Forest Whitaker) beginnt er des Tötens müde zu werden, will lieber in den Organverkauf. Interessant wird die handelsübliche Konstellation dann erst dadurch, dass Jake und Remy alte Freunde sind, von der Schulzeit über den Militärdienst bis hin zum Repojob alles gemeinsam getan haben.
Wirklich problematisch wird es erst, als Remy nach einem Unfall selbst ein neues Herz braucht. Er ist weder dem Repo- noch dem Verkaufsjob gewachsen, kann die Raten nicht zahlen – doch im Gegensatz zu anderen Schuldnern ist er wehrhaft…
Am Ende des Tages muss man sich fragen, was „Repo Men“ nun sein soll: Oberflächliches Actionfest, Dystopie, was dazwischen oder beides? Mit klarer Linie ist nicht viel, wobei die erste Hälfte noch vergleichsweise reflektiert mit dem Thema umgeht: Frank kann Sofortzahler nicht gebrauchen, Geld kommt erst über die Zinsen bei Ratenzahlung rein, Kundentode werden verschleiert und der Job der Repomen wird meist toleriert, sofern man selbst nicht viel davon mitbekommt. Rabenschwarz und doch alles andere als undenkbar.
Doch irgendwann werden die Gedankenspiele weniger und machen der handelsüblichen Einer-gegen-das-System-Geschichte platz, die leider extrem konventionell daherkommt. Zusammen mit neuem Love Interest Beth (Alice Braga) wird Remy gehetzt, wobei der Film nie klärt, warum die beiden sich nun verlieben (das bisschen Faszination durch Beths Gesang reicht da nicht als Grund), und jede Standardsituation dieser Konstruktion wird durchgespielt: Da gibt es das erste Einschleichen in den Komplex der Fieslinge (hier lächerlich simpel), da gibt es das Beinahe-Erwischtwerden in einem Flüchtlingslager, da gibt es das finale Abräumen – alles hat man schon zigmal gesehen und oft auch spannender. Und wenn man zum Schluss dann noch in dreistem Recycling der „Brazil“-Schlussgag geklaut wird, dann ist auch das alles andere als eine Offenbarung, sondern wirkt nur gewollt.
Wer nun hofft, „Repo Men“ könne seine Schwächen mit Action kompensieren, der wird eher enttäuscht. Längere Konfrontationen sind Mangelware, einige davon recht unübersichtlich (z.B. das anfängliche Ausheben eines Kriminellennests), einzig und allein der Endfight, bei dem Remy mit allem, was die Werkzeugkiste hergibt, gegen ehemalige Kollegen kämpft, der ist wirklich denkwürdig. Die sonstige Action ist OK, der Härtegrad mit seinen Amputationen, Operationen und Einstichen nicht ohne, doch originelles Wundenkreieren ist nicht mit originellem Filmemachen gleichzusetzen.
Jude Law als Actionhero ist sowieso so eine Sache: Den agilen Watson aus „Sherlock Holmes“ nimmt man ihm ja ab, den gewalttätigen Repoman nicht, dafür ist er dann zu blass und zu soft. Forest Whitaker als Gewaltfreak mit großem Freundschaftsgefühl überzeugt da schon mehr, Liev Schreiber als Oberschurke ist herrlich fies und Carice van Houten als Remys Ehefrau bietet guten Support. Blass dagegen Alice Braga in der weiblichen Hauptrolle, sie ist Staffage, die kurz nach Filmende beinahe schon wieder vergessen hat.
Mit seinem Versuch einen kritischen Sci-Fi-Actionthriller zu schaffen, erinnert „Repo Men“ an „Gamer“, denn er ist ähnlich konventionell und zusammengeklaut. „Gamer“ hatte mehr und bessere Action, bei „Repo Men“ funktioniert die Gesellschaftskritik wesentlich besser – aber vor der Mittelmäßigkeit rettet dies keinen der beiden Filme.