In einer nicht allzuferner Zukunft: Im Jahre 2025 hat "The Union"-Firmen-Boss Frank (Liev Schreiber) es geschafft, mit künstlichen Organen ein längeres Leben für kranke Menschen zu ermöglichen. Lukrativ ist dieses Geschäft jedoch nur durch horrende Zinsen, die die meisten Kunden nicht zahlen können. Nach drei Mahnungen kommen die sogenannten Repo Men ins Spiel, die den Kunden aufspüren und das "nicht bezahlte" Organ entnehmen, was meistens den Tod mit sich bringt, wenn es mal keine zweite Niere ist. Zu der Niere jedoch später.
Die zwei besten Repo Men sind der völlig auf die Arbeit fixierte Jake (Forest Withaker) und Familienvater Remy (Jude Law), die beide um die goldene Krone kämpfen, wer denn mehr eintreibt und wer der bessere ist. Man kann sie beste Freunde nennen, da sie sich seit ihrer Kindheit kennen, zusammen auch beim Militär Elite-Soldaten waren und dort schon lernten, dass ein Job eben nur ein Job ist. Remy (heißen so eigentlich nicht nur Hunde oder schwule Franzosen?) hadert eh mit seinem Job. Sein Familienleben leidet darunter und er will lieber einen Schreibtisch-Job, bei dem er nur noch die Organe als "Makler" verscherbelt. Leider läuft sein letzter Auftrag schief, Remy bekommt von seiner Firma ein neues Herz und kann die Knatter natürlich nicht locker machen. Nun wird der Jäger zum gejagten der anderen Repo Men...
Nun ja, wenn man einen düsteren Zukunfts-Science-Fiction-Stoff verfilmen will, sollte man vorallem darauf achten, dass das zahlende Publikum sich solche Visionen auch vorstellen kann (ich erinnere mal an "Zurück in die Zukunft II") - künstliche Organstransplation um Leben zu verlängern, OK.
Aber wenn man um den Kernpunkt eine komplett bescheuerte Handlung samt Charaktere aufbaut, kann man die verfilmten 8 mm auch wieder verbrennen.
Ich gebe zu, die Schauspieler(innen), sowie Kamera, Schnitt, Action, Spannung, Atmosphäre und selbst der nett eingestreute, ironische Humor (der wohl am stärksten punktet) sind alle Zutaten, die einen guten Film ausmachen, im grünen Bereich. Auch die visuelle Härte schrammte wohl ganz knapp an einer 18er Freigabe vorbei...
Aber was bringt mir das bei einer Zukunftsvision (aus der man hätte echt viel rausholen können), wenn man sich bei dem Drehbuch im Minutentakt die flache Hand wegen Blödheit an die Stirn klatschen muss?
Nach den fünf Minuten guter Einführung ist eigentlich schon Essig. Remy ist kein guter Mensch, sondern ein beschissener Auftragskiller ohne Gewissen, da fällt schon mal die Identifizierung schwer. Die Gattin hat Probleme mit seinem Job - jedoch nicht, weil er täglich mehrere Menschen auf dem Gewissen hat - sondern die Arbeitszeit ist der springende Punkt. Na Prost Mahlzeit.
Zudem muss ich mir heutzutage andauernd die Werbung im Fernsehen ansehen, in denen (leicht) glückliche Menschen sagen, dass sie dank der forschenden Pharma-Industrien, kein Pflegefall sind. Das Geld für die Werbung muss natürlich irgendwie wieder reingeholt werden, sei es momentan noch durch Medikamentenpreiserhöhungen oder steigender Krankenkassenzahlungen, ist es in Zukunft wohl legitim, Leute abzumurksen, wenn sie ihre Ware nicht bezahlen können. Das ist scheinbar keine Straftat, zumindest greift "Repo Men" dieses gesetzliche Thema zu keiner Zeit auf.
Ein weiterer Punkt wäre, dass man den Kunden vorgaukelt, dass insolvente Kunden eine ganz geringe Ausnahme wäre.
Das wird alles von den Medien geschluckt, auch hier wird in den knapp zwei Stunden Laufzeit nichts hinterhergefragt, als wenn der "The Union"-Konzern die Weltmacht erlangt habe. Hat er aber nicht.
Und wenn wir auch in heutigen Zeiten dank durch Google-StreetView vielleicht mal den bärtigen Osama bin Laden finden, höre ich schon wieder an meiner Stirn das Klatsch-Geräusch, dass trotz Zerstörung einiger Häuser bei der Jagd auf "Organ-Sünder" nada in den Medien zu hören ist.
Kommen wir nun an die "Nieren"-Szene: Ziemlich jeder geht drauf, außer das Opfer, das während der Grill-Party im Garten per Taxi vor das Haus geliefert wird, um ihm die Niere rauszuschneiden. Er lebt ja weiter, da er noch eine andere funktionierende Niere hat. Jawoll. Und das Klatschen und das Verabschieden meiner Hirnzellen geht weiter... Welcher Mensch, der klar im Kopf ist, lässt sich wohl auf einen solchen Deal ein, eine zweite Niere sich anzuschaffen, die unbezahlbar ist (wenn ja die andere Niere funktioniert)? Diese Szene, ohne jetzt die Moralschwuchtel raushängen zu lassen, soll die Repo Men wohl in einem ehrenwerten Licht stehen lassen. Das soll mal einer dem Steinmeier klar machen. Also ein fettes Luxus-Auto oder ein Duftzerstäuber auf der Toilette wären auf jeden Fall besser mit dem Zaster angelegt.
Die Reihe kann man endlos weiterführen, aber auch in sonstigen Bereichen versagt der Film auf ganzer Linie: Remy verliert Familie, verliebt sich (wie auch immer?!?) in die zusammengebastelte Crack-Hure Beth (Alice Braga), verwandelt sich vom eiskalten Killer zum moralischen Rächer und häxelt den ganzen Konzern nach und nach nieder.
Kurz gesagt, wenn man das Hirn nicht auf Stand-By stellt, ist der Film trotz des flotten Erzählens, den wirklich gelungenen Gags und der Action eine Beleidigung an den menschlichen Verstand. Wenn man hier was positiv erwähnen kann sind es die ersten fünf und auch die letzten fünf Minuten, die den Film überraschend enden lassen und gerade vor dem Prädikat "Vollgrütze" retten.
Lassen wir es mal so stehen: Anschauen tut nicht weh, nur darüber nachdenken sollte man keinesfalls.
Knappe 3/10