Review

Die dekadente Oberschicht und ihre Vorliebe für Folter und Leid begann natürlich nicht erst mit der „Hostel“-Ära und wahrscheinlich bereits vor dem Niedergang Roms, doch da die Uhren in Taiwan ein wenig anders ticken, versucht man an dieser Stelle fadenscheinige Erklärungen für die kranken Triebe einiger Reicher abzugeben, was eher ins Lächerliche abdriftet.

Chauffeur Wade erhält eine Einladung von seinem Chef für einen Nobel-Club. Er solle sich als sein Cousin ausgeben und die Chance für Kontakte zur Oberschicht nutzen.
Doch gemeinsam mit den vier anderen Neuen findet sich Wade rasch hinter verschlossenen Türen, denn einer nach dem anderen soll vor Publikum auf verschiedene Art und Weise zu Tode gefoltert werden…

Da sich der Vorlauf ein wenig zäh gestaltet und die eigentliche Hauptfigur Wade recht austauschbar erscheinen lässt, wartet man eher ungeduldig auf die ersten Splatterszenen.
Bis dahin spielt man Roulette, landet im Bett mit Maria Ozawa und lernt, wie man Muscheln korrekt zu sich nimmt.
Als es dann endlich losgeht, kann man sich glücklich schätzen, wenn man die ungeschnittene Fassung vorliegen hat, denn es warten einige durchaus beachtliche Gewaltszenen auf den Genrefreund.

Das beginnt mit einem Kehlenschnitt, geht über eine große Schere in die Verse, impliziert eine mit dem Skalpell eingeschnittene Wange und endet noch nicht mit einem zertrümmerten Gesicht.
Die Effekte sehen durch die Bank sauber inszeniert aus, während die beiden Fieslinge, die sich zunächst hinter Masken verstecken, mit ihrer negativen Präsenz den Rest erledigen.

Leider fehlt dem Ganzen etwas Innovatives, denn zwischen Verstecken, Flucht und Gegenwehr in den zahllosen, fabrikähnlichen Räumlichkeiten sind die Abläufe überraschungsfrei nach den üblichen Strickmustern zusammengeschustert.
Immerhin sorgt Wades Leidensgenossin Hitomi für ein paar clevere Einschübe, indem sie Fluchtpläne im Monitorraum anfertigt, eine neue Abendgarderobe improvisiert oder einen Jäger auf die falsche Fährte lockt.

Spannende Auseinandersetzungen sind zwar vorhanden, doch in entscheidenden Momenten trübt die Wackelkamera den optischen Genuss merklich. Ob bei der Flucht über den Flur oder mit dem Ferrari auf regennasser Fahrbahn, - eine ruhigere Hand wäre an vielen Stellen wünschenswert gewesen. Auch der Score hält sich arg im Hintergrund, was sich besonders zum Finale bemerkbar macht, als es zu einigen Keilereien kommt und das Tempo noch mal merklich gesteigert wird.
Immerhin wirken mittelmäßige bis passable Darsteller mit und verschonen uns mit typisch asiatischem Overacting, was der Glaubhaftigkeit beider Parteien (Peiniger und Opfer) zugute kommt.

Die lapidare Kritik an der Zwei-Klassen-Gesellschaft wertet die Geschichte natürlich kaum auf und auch die Beweggründe der dubiosen Club-Betreiber wirken eher wie ein hilfloses Argument, ein wenig Folter auf die Menschheit loszulassen.
Die beklemmende Grundstimmung kann dabei phasenweise eher überzeugen und auch die Darstellung expliziter Gewalt kaschiert einige Mankos des ansonsten eher wenig ambitionierten Skripts.
Ist halt eine abgekupferte Variante von „Hostel“: Nicht ganz so derb in Sachen Folter, auch nicht ansatzweise so intensiv in Szene gesetzt, doch Genrefans dürften zumindest mit der Uncut-Fassung eine angenehm unangenehme Zeit erleben.
Knapp
6 von 10

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