Review

"Als zuletzt jemand nachgezählt hat, starben jährlich 53 Millionen Menschen. 150.000 täglich, 107 pro Minute. Und das gilt für normale Zeiten."

Kurze Zeit nachdem ein Virus den Großteil der Menschen in Zombies verwandelt hat, sind Colonel Crocket (Alan Van Sprang) und ein paar Soldaten auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht. Auf einer Insel erhoffen sie sich vor den Untoten Ruhe zu haben. Doch auch dort ist der Übergriff der Zombies bereits geschehen. Zudem geraten sie zwischen die Fronten zweier Gruppierungen, deren fanatische Anführer Patrick O’Flynn (Kenneth Welsh) und Seamus Muldoon (Richard Fitzpatrick) bereits seit Jahren zerstritten sind. Die zusätzliche Bedrohung lässt den Streit nun eskalieren.

2007 kehrte Altmeister George A. Romero zu seinen Independent-Wurzeln zurück und drehte mit einer Schar unbekannter Schauspieler für 2 Mio. US-Dollar ein Videotagebuch über den Kampf von Filmstudenten mit den schlurfenden, blutdürstigen Kreaturen. Romero's fünfter Zombiestreifen "Diary of the Dead" wurde jedoch in mehrfacher Hinsicht eine Enttäuschung.
Zwei Jahre später präsentiert er den nunmehr sechsten Teil seiner Reihe wieder im klassischen Gewand und setzt lose an die Gegebenheiten aus "Diary of the Dead" an. Der Prolog von "Survival of the Dead“ baut eine Brücke zum Vorgänger, indem das vertraute Team der Filmstudenten auf die neuen Protagonisten trifft. Eine belanglose Sequenz, die später nicht mehr aufgegriffen wird.

Romero versucht mit Elementen des Westerns und seinen beliebten ethischen Fragen die schlichte Geschichte abwechslungsreich zu gestalten. Das dafür gewählte Szenario und der Konflikt erinnern jedoch stark an Romero's Eigenkreation "Day of the Dead". Nur die Personengruppen und die Umgebung der Insel täuschen einen Wechsel zu den Themen Zusammenhalt, Solidarität und dem einbrechenden Bruch durch Interessenkonflikte sowie dem Dauerthema, dass der Mensch nicht in der Lage ist selbst in einer Notlage über seine Interessen hinweg zu sehen, vor.
Zudem erhalten Romero's Zombies ein intelligentes Handeln und ein Erinnerungsvermögen, so wie auch schon in "Land of the Dead". Allerdings überzieht Romero deren Intelligenz so weit, dass sie nicht mehr in das Zombiegenre passen mag, stattdessen eher belustigt. Ohnehin enthält "Diary of the Dead" durchweg eine ironische Grundstimmung sowie überzogene Splattergags, durch die sich die bedrohliche Stimmung nie wirklich offenbart.

Ein großes Problem des Films ist seine fehlende Dramaturgie. Immer wieder zerstört Romero jeden Anflug von Spannung durch Sinnfreiheiten und seine schablonenhaften Figuren. Die schlichte Aufmachung kann eine gewisse Trägheit nicht verhehlen, die sich über die gesamte Laufzeit zieht.
Verwunderlich ist insbesondere die sehr schwankende Qualität bei den plakativen Splattereffekten, die teils sehr künstlich geraten, ihre digitale Herkunft verraten. Selbstverständlich wird nicht an Kopfschüssen, Bluteffekten, zerrissenen Körpern und herumliegenden Innereien gespart. Der Eindruck, dass diese Effekte bereits von dem gleichen Regisseur wesentlich besser bearbeitet und präsentiert wurden, hinterlässt jedoch einen bitteren Nachgeschmack.

Nur mäßig fällt die Leistung der vorwiegend unbekannten Schauspieler aus. Zugegeben, die fragwürdigen Drehbucheinfälle und lustlosen Dialoge machen es Alan Van Sprang ("Saw III"), Kenneth Welsh ("Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer"), Julian Richings ("Cube"), Richard Fitzpatrick und Kathleen Munroe nicht gerade einfach. Von keinen von diesen ist jedoch auch nur ein Quentchen Eigeninitiative sichtbar.

"Survival of the Dead“ ist berechenbarer Zombie-Horror ohne wirkliche Höhen. Zwar enthält auch Romeros sechster Film seiner Zombie-Reihe sozialkritische Anmerkungen, diese sind jedoch weit weniger intelligent und zunehmends verbraucht. Am beängstigendsten ist aber die schwankende Qualität der Effekte. Für Romeros ist es wohl langsam an der Zeit die Toten endgültig zu Grabe zu tragen.

Knappe 4 / 10

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