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Das Ende einer Ära: Mit dem sechsten und letzten Teil seiner äußerst langlebigen Zombie-Reihe - angefangen bei der Urmutter aller modernen Zombiefilme, „Night of the living Dead" - verabschiedete Genre-Legende George A. Romero sich endgültig von seinem filmischen Hauptthema. Leider gerät sein Vermächtnis arg oberflächlich und klischeehaft: In „Survival of the Dead" geht es um einige mehr oder minder brutale Gruppen, die sich einen blutigen Kampf um eine einsame Insel vor der US-Küste liefern, um hier in relativer Sicherheit vor den Festland-Zombies ein neues Leben zu beginnen.

Wie eigentlich immer bei Romero gibt es auch hier einige durchaus gute Grundideen: Etwa die rivalisierenden Ansichten darüber, wie man mit den Zombies umgehen sollte - sie erbarmungslos erschießen, um die Sicherheit der Lebenden zu erhöhen, oder sie anketten und zum Konsum von Tierfleisch umerziehen, bis eventuell ein Gegenmittel entdeckt wird? Dieses Duell zweier Insel-Clans, das auch noch um familiäre Rivalitäten ergänzt und von zwei sturköpfigen Patriarchen geführt wird, böte durchaus Raum für spannende Moralüberlegungen und dramatische Konflikte.

Leider wird davon so gut wie gar nichts umgesetzt. Dafür fallen Drehbuch und Inszenierung viel zu plump aus: Die zentrale Gruppe, die in den Kampf hineingezogen wird - eine Gruppe ehemaliger Soldaten, die sich mit Überfällen durch die postapokalyptische Welt schlagen und schon im Vorgänger „Diary of the Dead" aufgetaucht waren - besteht aus nicht sonderlich sympathischen, weil brutalen und zynischen Klischeefiguren, etwa ein desillusionierter Soldat, der permanent behauptet, rücksichtslos und böse zu sein, dies in seinen Handlungen aber nie nachweist, oder eine knallharte Frau, die ihre Homosexualität wie eine Flagge vor sich herträgt. Wirklich ernst nehmen kann man keine dieser Figuren, dafür bleiben sie allesamt zu platt und willkürlich gezeichnet. Echte Sympathien oder Antipathien entstehen so nicht, und letztlich bleibt es einem ziemlich gleich, wer von Zombies angefallen oder von den Gegnern erschossen wird. Das ist der Todesstoß für jeden Survival-Streifen, denn damit fällt jedes theoretische Quäntchen Spannung von vornherein in sich zusammen.

Allerdings verhindert auch die plumpe Inszenierung, dass es zu echter Spannung oder Grusel kommen kann. Von Anfang an herrscht ein eher satirischer Ton im Umgang mit den Zombies - ihre Auftritte haben selten etwas mit Erschrecken zu tun, sondern viel mehr mit müdem Zynismus. Das könnte auch ein interessanter Aspekt sein, wenn nicht jede einzelne Gewalt- und Actionszene so schnell und problemlos abgehakt werden würde, dass sich keinerlei dramatische Entwicklung daraus ergibt. Bis zum Schluss stellen die vor sich hin schlurfenden Zombies keine echte Bedrohung dar; wer sich beißen lässt, ist meist selbst Schuld, und das Ausschalten der Monster wirkt eher wie ein Sport als wie ein Kampf ums Überleben. Auch bleiben Setting, Ausstattung und Effekte - vor allem die eher miesen CGI-Splattereffekte - überwiegend so billig, dass man sich nicht wirklich in die Szenerie hineinversetzen kann.

Und auch Splatterfans werden hier kaum etwas Neues entdecken. Wer die bisherigen Filme der Reihe gesehen hat, vor allem die alten Klassiker, wird die echten Blutbäder vermissen, von denen es hier nur noch Andeutungen gibt. Mit durchschnittlichen Darstellern, miesen Dialogen, allerlei Logiklöchern und Unwahrscheinlichkeiten sowie überschaubaren Action- und Gewaltszenen hat Romero mit „Survival of the Dead" leider den schlechtesten Film seiner legendären Zombie-Reihe gedreht. Das traurige Ende einer wahrhaft unsterblichen filmischen Legende.

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