Round 3 – Fight! Der Abschluss der „Missing in Action“ – Trilogie ist leider der schwächste Teil, was vor allem am schwachen Drehbuch liegt. Dabei ist die Einführung in den dritten Teil, auch dank der atmosphärischen Musikbegeleitung der Siebziger, schon ein kleiner Glanzpunkt der Reihe – denn so nah war man selten am Niveau einer A-Produktion. Diese letzte Flucht aus der amerikanischen Botschaft in Saigon hat etwas Endgültiges an sich. Die Amerikaner sind geschlagen, Braddock auch – aus seinem Haus trägt man eine verkohlte Leiche. Ist es seine Frau?!
Unter der Regie von Bruder Aaron („Delta Force 2: Operation Stranglehold“, „The Hitman“) liefert Chuck Norris im Rahmen seiner beschränkten Fähigkeiten weitestgehend eine ordentliche Leistung ab. Schade, nur dass den Drehbuchautoren hier der größte Fauxpas überhaupt unterläuft. Man verpasst dem unbequemen Heroen ein Herz, eine Familie und zu allem Überfluss auch noch Gefühle. Als er in der Heimat vor sich hin säuft, nimmt ein Pfarrer mit ihm Kontakt auf und klärt ihn darüber auf, dass seine Frau nebst Sohn noch am Leben ist und in Vietnam ein jämmerliches Dasein fristet. Nun ratet mal, wohin es Braddock bald verschlägt.
Mit Action ist zunächst erst mal essig, denn „Braddock: Missing in Action III“ braucht so seine Aufwärmzeit, bis er auf Touren kommt. Natürlich verhält die Regierung sich wieder unkooperativ und engstirnig, so dass die Ein-Mann-Armee sich vor Ort mit Hilfe eines alten Kumpels rüstet, um den Anhang nach Amerika zu schaffen. In Vietnam hat sich derweil nichts geändert. Die dortigen Einwohner sind immer noch die Klischee beladenen Bösewicht, die selbst den friedlichsten Menschen eins auswischen.
Einzig und allein die Inszenierung rettet den Film vorm Abrutsch ins Mittelmaß. Was Aaron Norris hier in seinem Regiedebüt hinlegt, ist optisch nämlich vom Allerfeinsten und lässt kaum Möglichkeiten zu irgendwelchen Klagen. Bruder Chuck wird wie üblich, auch gern in Zeitlupe, zum zweiten Rambo stilisiert. Nur bei den gefühlsduseligen Szenen hat er sich gar arg verzettelt. Die stören nicht nur, weil gleich zentimeterdick Emotionen aufgetragen werden, sie sind auch höllisch schlecht gespielt.
Neben den obligatorischen Foltereien und ganz bösen Kommandanten, die Braddock grundsätzlich persönlich kennen (War er der einzige Ami damals dort?), nervt dann die zweite Hälfte mit seiner Idee gleich eine ganze Rasselbande aus Vietnam zu schleusen und Braddock an den Kampfanzug zu kleben. Der erledigt die Schergen zwar gewohnt intensiv, ausführlich und körperbetont, muss sich aber auch immer wieder mit den Plagen herumscheren.
Dafür entschädigen dann aber die groß angelegten Zerstörungsorgien Chucks. Wieder dürfen die Pyrotechniker sich austoben und die feindlichen Statisten im Dutzend in den staubigen Sand beißen. Das ist im dritten Anlauf zwar nichts Neues mehr, macht deshalb aber nicht weniger Laune. Braddock rodet mit seinem Multifunktionsgewehr wieder ein ganzes Lager im Alleingang, ohne einen Kratzer abzubekommen. Die gibt es erst später beim finalen Showdown an der Brücke. Doch Sohnemann ist ja auch noch da.
„Braddock: Missing in Action III“ ist inszenierungstechnisch eindeutig der Höhepunkt der Reihe. Die Zeitlupenspielereien, die Stunts, die Shootouts – das sieht alles klasse aus. Enttäuschend war nur, dass solche witzigen Ideen, wie das Raketenboot, keinen weiteren Einsatz erfahren durften. Bemerkenswert nehmen hier die rassistischen Tendenzen ab, denn so wirklich widerlich ist hier nur der böse Obermotz. Ansonsten beschränkt man sich auf ein paar Klischees und holt erst zum Schluss den Patriotenknüppel heraus.
Fazit:
Auch im abschließenden Teil wird auf vietnamesischer Seite wieder blutig und ausführlich gestorben. „Braddock: Missing in Action III“ besticht durch Aarons Norris Inszenierung, krankt aber an der schwachen Drehbuchidee und dem Versuch Braddock mittels der ablehnenden Haltung seines Sohns so etwas wie Emotionen zu verpassen. Alles ist im Vergleich zu den Vorgängern etwas spektakulärer, ausufernder und schicker. Dank dicker Explosionen, einem hohen Munitionsverbrauch und dem Wissen, dass heute Filme dieser Art nicht mehr gedreht werden, darf der B-Action-Fan sich eingeladen fühlen.