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"Ich trete nicht auf Füße, Littlejohn. Ich trete in den Arsch."

Aufgrund dessen, dass der 2. Teil, das Prequel von Lance Hool trotz kurzer Zeitspanne und frischer Wirkung zum vergleichsweise erfolgreichen 'Vorgänger' nur die Hälfte eingespielt hat, und Teil 3 noch weniger Geld an den Kinokassen holte, während die Budgets (hier auf 9 Mio. USD) anwuchsen, war es kein Wunder, dass hier aufgrund spürbarer Abnutzungserscheinungen der ursprünglichen Anziehungskraft die Trilogie beendet wurde und eben eine Trilogie, die Geschichte des von Chuck Norris verkörperten Colonel Braddock während und nach dem Vietnamkrieg blieb. Übernommen hat diesmal das Ruder der Führung und nach Ablöse des ehedem geplanten, aber Red Scorpion (1988) bevorzugenden Joseph Zito und des zwischenzeitlich angedachten Jack Smight sowie auch der Überlegung durch Menahem Golan und dies als Regiedebüt Chucks jüngerer Bruder Aaron Norris, der sich zuvor und danach als Stunt Coordinator einen Namen gemacht hat, nur blieben die Zuschauer aus, das Geld wird man dennoch über Vorverkäufe, die Einnahmen im Heimvideomarkt und andere Rechteverwertung geholt haben, nur nicht im Erstanlauf; die Bruchlandung ein ungünstiges Zeichen für die Firma, die auch andere Baustellen hatte und langsam, aber sicher ihrem Ende naherückte:

Colonel James Thomas Braddock [ Chuck Norris ] erfährt von dem Missionar Reverend Polanski [ Yehuda Efroni ], dass seine Frau Lin Tan Cang, die lange als tot galt, am Leben ist und dass er einen zwölfjährigen Sohn namens Van Tan Cang [ Roland Harrah III ] hat. Misstrauisch gegenüber dem Versuch des CIA-Beamten Littlejohn [ Jack Rader ], die Behauptung zurückzuweisen, kehrt Braddock nach Vietnam zurück, um zu ermitteln, wobei er auf General Quoc [ Aki Aleong ] stößt.

Musikalisch hat man dabei wohl die beste Eröffnung, ein eher sentimentaler, melancholischer, aber passender Song, über die Beendigung des Krieges und der Anfang von allem Anderen, von der oft gescheiterten Rückkehr, von dem Verlust und dem Verlieren, hier zu Chaos auf den Straßen, ein zerstörtes Land, ein oft zerstörtes oder gar genommenes Leben, ein Sterben für Nichts. Die Bilder dazu wirken erst wesentlich größer als in den beiden anderen Filmen, Massenszenen, hier auch eine narrative Mitwirkung von Norris, welcher die Filme sowieso seinem 1970 in Vietnam verstorbenen Bruder Wieland gewidmet hat, die eingebundene persönliche Anteilnahme ist dabei durchaus ersichtlich. Dass man hier eine etwas andere Geschichte erzählt als die beiden Vorgänger: geschenkt. Hauptsache, die Handlung wirkt überhaupt, sie involviert, es geht auch um die Kameraden, es geht aber noch um mehr, um die Liebe des Lebens, um die Ehefrau, die man während der stürmischen Zeiten gefunden hat, um die Explosionen der Gebäude und des Herzens, um tragische Zufälligkeiten, zusätzlich zur Action, die hierzu falschen Annahmen führen, um teils grausige Aufnahmen, um einen gebrochenen Mann, der seine Hoffnung erst verliert und dann zurückfindet. Die Norris-Brüder, hier vereint vor und hinter der Kamera dabei als treibende Kraft des Projektes, eine Eröffnung vom Abzug aus der Hauptstadt, Helikopter über der Botschaft, gesprengte Fahrzeuge, zurückgelassen Verzweiflung und Zerstörung, mehr Flucht als geordneter Abzug, schauspielerisch eher gediegen. Blutige Einschüsse noch beim Abflug, der Krieg ist zu Ende, das Sterben geht weiter, ein Drehen im Kreise, Apocalypse Now hat man studiert und versucht zu kopieren, beim B-Picture ist es geblieben. Zweifel werden gestreut, wieder die Diplomatie unter Beschuss genommen, die Politiker und ihr Zögern und Zaudern und die falschen Entscheidungen, Braddock bekommt zu Beginn schon zweimal Besuch, beides unterschiedlicher Art, beides mit gleichem Anliegen, das zweite Gespräch ein Fehler, die Geschichte wiederholt sich im Grunde zum Erstling, wieder der Einstieg über Bangkok, rein in das 'Schweineviertel' mit den Nackedeis, erneut das Aufsuchen eines Freundes und die Besorgungen, dazu eine erste Barschlägerei, der patentierte Roundhousekick.

Observationen und Verfolgungen hier wie dort, eine Amokfahrt durch den Slum, diesmal mit viel Polizeiaufgebot, mit mehr Einsatz und Aufwand als zuvor, das Budget sichtlich höher, ein Remake im Geiste, mehr Kollisionen, mehr Bestreben. Statt zu Wasser geht es hier durch die Lüfte nach Vietnam, man ist auch schneller im Lande, es ist alles gesagt, jetzt wird nur noch gehandelt, es beginnt ein neuer Tag. Aufgrund der Übernahme wichtiger Positionen wie Kamera und Musik schon von 1984 trifft man automatisch einen ähnlichen Ton, es geht etwas schneller voran, es wird mehr auf Tempo gegangen, man lässt auch den Sidekick dort, wo er hingehört, auf den Nebenschauplatz, der Auswechslungsbank. Eine Familienzusammenführung wird geboten, der Glaube war verlassen, er kommt wieder, eine Verbindung von Vater und Sohn, eine intime Installation, "In meinen Augen bist du immer hübsch.", man ist zur Abreise bereit, aber eine Ausgangssperre verhängt. Der Trubel geht los und weiter, das Land wird hier immer noch als im Ausnahmezustand befindlich gezeichnet, die Wirren der Alltäglichkeit, zudem braucht man auch einen respektablen Bösewicht, ein Feindbild sondergleichen, etwas blanker Mord und Folter, sonst funktioniert die Geschichte mit der Rache nicht.

Einiges eingefallen lassen hat man sich als Tortur, die Antagonisten bar der Mitmenschlichkeit, bestehend nur aus Skrupellosigkeit und der Freude an Qualen. Eine spezielle Probe, ein Test aufs Exempel, ein Hinauszögern des Todes, selbst dem feindlichen General dauert die Zähigkeit des Protagonisten zu lang. In dusteren Gefilden tummelt man sich für eine Weile, ein nächtliches Gruselszenario, der Feind nah und überall, der Kriegsheld muss nochmal erneut ran, Vetsploitation par excellence. An Kindern und Priestern wird sich hier vergriffen, die Antwort folgt auf dem Fuße, trotz des Gegners in Überzahl und mit besserer Bewaffnung. So wird erneut ein Kriegsgefangenenlager zerstört, erst infiltriert, dann auseinander genommen und gründlich demoliert, vorher ein Versteckspiel, dann die offene Konfrontation, mit einer großkalibrigen Wunderwaffe, einem Maschinengewehr, einer Bazooka, einem Granatwerfer samt Bajonett in einem, in Zeitlupe gestorben und die Explosionen formuliert, eine Orgie brennender Gebäude und in die Gegend verstreuter Opfer, selbst die vietnamesische Flagge hat ihre Einschusslöcher abbekommen, hinzu kommt bald noch Hubschrauberbeschuss, das Geld in die Actionszenen investiert. Die Kamera ist zuweilen dichter dran beim Geschehen als beim Zito, mehr die Details eingefangen, die Erfahrung des Spektakulären, dazu auch ein paar Panoramen, das letzte Drittel als Kleinkriegsfilm, zuvor eher Aufbau, hinten raus das Dschungelmilieu; das Hineinkommen war das eine, das Hinauskommen ist das, was zählt, die Körperlichkeit des Ganzen, die Genickbrüche nehmen zu, die Schergen mit Hand und Fuß attackiert, am Ende eine Gefechtsstellung mehrerer Hubschrauber, direkt an der Grenze, Rambo hätte es schneller erledigt, war zu der Zeit aber woanders beschäftigt.








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