Review

Dieser Zombie-Schinken des spanischen Regisseurs Jorge Grau ist vor allem wegen seiner sehr frühen Entstehung (immerhin 4 Jahre vor "Dawn of the Dead") schwer zu beurteilen. Läßt man diesen Bonus außer Acht, kann er neben den später entstandenen Klassikern des Genres kaum bestehen. Jedoch weist er schon beachtlich viele Stilmittel der späteren Zombie-Hämmer auf.
Es geht darum, daß sich ein typischer 70er Jahre-Italo-Engländer mit einer häßlichen Statuette im Gepäck auf den Weg in die idyllische englische Provinz macht, um dort ein neuerrichtetes Haus zu besuchen. An einer Tankstelle wird sein Motorrad gerammt, und die Fahrerin nimmt ihn mit auf ihre Reise zu ihrer drogensüchtigen Schwester, die in eine Klinik verbracht werden soll. Leider wird die Wohngegend, in die sie fahren, gerade mit einer neuentwickelten hochatomaren Art der Schädlingsbekämpfung beglückt. Ab da wird es wie in den meisten Zombiletten-Streifen hanebüchener als die Polizei erlaubt, die hier von einem verbittert dreinschauenden Arthur Kennedy vertreten wird - Grau gibt zu, reale Züge dieses wohl ziemlich frustrierten Schauspielers in der Figur des Polizisten verarbeitet zu haben. Jedenfalls werden zunehmend Personen von auferstandenen Toten, z. B. dem verschiedenen Dorflandstreicher aufgesucht und teilweise um die Ecke gebracht. Das sorgt für eine Menge Hysterie und diese wiederum dafür. daß dieser Film mit zunehmender Dauer auf die Nerven fällt. Panisches Geschrei ist auf die Dauer kein Ersatz für handfesten Horror. Dabei fängt es ganz gut an, z. B. darf man sich an wunderschönen englischen Landschaftsbildern erfreuen, spürt aber durch die dumpf daherschwurbelnde Musik schon das nahende Grauen. Aber sobald die Zombies richtig loslegen, verliert der Film seinen Charme, weil hier vieles billig gemacht ist und Handlung und Dialoge ab und zu ins Lächerliche abgleiten, z. B. die Theorie, wie die Zombies entstehen: Tote leben nämlich prinzipiell als eine Art niedere Lebensform weiter, die Insekten ähnelt (aha??), und die wiederum werden ja von dem bösen Atomgift zum gegenseitigen Zerfleischen angeregt. Auch amüsante Dialogbeiträge wie z. B. Inspektor: "Wie kommen diese perversen Kiffer dazu, brutal unschuldige Tote zu verbrennen?" bleiben nicht aus. Warum z. B. der tote Landstreicher in einer Art Familiengruft gebettet ist, in der verschiedene andere Leichen in halb offenen Särgen gelagert sind, und warum das Heldenpärchen diese Särge auch noch unverfroren öffnet (wie blöd kann man sein?), erfährt man nicht so recht. Am Anfang sehen wir eine nackte Frau durch die Stadt rennen. Wiesu denn blus?? Am besten ist da immer noch das Krächzen der jungen Eule in dem Hotel "Die alte Eule".
Wir bekommen dann auch die typischen, hier aber noch ziemlich neuartigen Zombie-Typika wie Freßszenen mit ein wenig Eingeweidematscherei zu sehen, was für 1974 wirklich eine kleine Sensation ist. Vor dem Hintergrund von Filmen wie "Day of the Dead" überzeugt das heute allerdings nicht mehr so recht. Giannetto de Rossi, der im Bereich der blutigen Effektkunst bis heute eine Institution darstellt, hat hier zwar deftige, aber zum großen Teil etwas billig wirkende Tricks gezimmert. Diese kommen zu Beginn gar nicht, dann ab und zu und am Ende gehäuft zum Einsatz, aber funktionieren meist auf die billige Weise, daß die blutigen Verletzungen an einem Papp-Torso angebracht werden und die Identität mit dem eigentlichen Opfer durch Wechselschnitte zu suggerieren versucht wird. Das ist zwar nicht grundsätzlich falsch oder schlecht, aber hier wird es einfach zu auffällig. Wenigstens kommt in diesem Film dank seines Alters nichts aus dem PC.
Das Ende des Streifens vermag durch seine Unkonventionalität zu erfreuen und leistet sich eine Konsequenz, für die George A. Romero in seinem 1978er Werk leider zu feige war.
Letztlich ein einigermaßen ansehbarer Film, vorausgesetzt die Qualität des Bildtonträgers ist einigermaßen akzeptabel. Schöne Landschaftsbilder, eine hanebüchene Handlung, viel Hysterie und einige billige, wenn auch derbe Splättereien. Angesichts des Entstehungsalters anerkennenswert, gemessen an heutigen Maßstäben nicht gerade das Rosarote vom Ei.

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