Holt die Tassen raus - endlich mal wieder ein klasse Zombiestreifen, noch dazu einer der ältesten überhaupt.
Dieser italienisch-spanische Bastard schlich sich lange vor der großen Zombiewelle, aber sechs Jahre nach "Night of the Living Dead" in unsere Kinos und, jungejunge, die Mischung aus Landschaftsgothik, Suspensegrusel und Eingeweidegematsche hat's in sich.
Nun aber mal rein ins Vergnügen: wir haben auch hier mal wieder eine pseudowissenschaftliche Erklärung parat, warum die Leiche lebt, Herr Doktor. Die Jungs vom Umweltamt testen die große Ungeziefervernichtungsmaschine, die Organismen auf schmaler geistiger Basis angreift, diese agressiv macht und aufeinander losgehen läßt. Ja, die englischen Behörden habens drauf, die merzen gleich sämtliche Insekten weg, die rumliegen und wundern sich vermutlich nächstes Jahr, warum nichts wächst, da ja die Bestäubung ausbleibt. Weg die Bienen, alle der Honig, Maja muß sich warm anziehen. Dazu passend die ofenknusprige Erklärung, es sei alles ungefährlich, nichts Chemisches, alles auf der Basis von Kernenergie. Da darf man schon mal johlend in die Chips fallen.
Unser Held der Story ist ein zotteliger Stadtjüngling, der ein gepflegtes Wochenende auf dem Ländle verbringen will, weil es in London so stinkt. Jupp, wir und die Umwelt, wir passen nicht zueinander. Kaum aus der Stadt raus, fährt ihm ein Blondie das Maschinchen kaputt und von nun an bilden die beiden eine Fahrgemeinschaft directly nach Zombietown. Blondie will nämlich ihre Schwester in die Klapse weiterreichen, weil die an der Nadel hängt. Da kann auch deren Männe nichts mehr ausrichten, er fällt eh bald dem untoten Dorfgammler zum Opfer, der zwar schon vor fünf Tagen ertrunken, aber immer noch schön naß ist.
Die liebe Polizei, in Gestalt von Arthur Kennedy, kommt dann anti-hippie-gemäß auch erzkonservativ und stinkreaktionär daher, schön voll mit Vorurteilen nach äußerer Ansicht und Schlußfolgerungen, die kaum besser sind, als lebende Leichen logisch, aber trotzdem hinhauen. Unsere Helden sind also bald unter Verdacht und siehte da, tatsächlich wirkt die Strahlung auch auf den bereits toten Organismus der frisch Verstorbenen und läßt diese frechweg losmarschieren. Eine kleine Blutzufuhr hilft auch den schon länger toten Kameraden auf die Sprünge (NICHT logisch begründen wollen!) und als unser Pärchen den dicken Beweis antreten wollen, daß der Dorftrottel im Holzkasten liegt, stehen sie bald in einer geschlossenen Gruft mit sabbernden Leichen.
Mehr zu verraten wäre ja schon fast ein Verbrechen, aber in der letzten halben Stunde geht es dermaßen ab, daß die Hose brennt. Da nehmen die kühlen Jungs dann herbe ein ganzes Krankenhaus auseinander und meucheln blutigst drauflos. Überhaupt können die Effektfreunde hier eine Runde schmeißen, denn nach verhaltenem und extrem atmosphärischen Beginn (die ganze einsame Gegend ist dermaßen unheimlich eingefangen, es ist herrlich) fliegen hier die Körperteile und werden reichlich Eingeweide gemampft. Mein persönlicher Favorit ist ein Axthieb am Ende in den Kopf, der hat Kultfaktor, ohne zu spritzen.
Faszinierend ist die wirklich unangenehme Wirkung der Bilder, die beinahe ohne Score auskommen, allein das Orgeln der Strahlung an der unteren Hörgrenze sorgt für Unbehagen. Natürlich kann man sich auch über manches aufregen, wie über die planvolle "Dagegen!"-Haltung des Hauptdarstellers, der nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, mal verbindlich zu reagieren und zu handeln. Ebenso ausgetreten sicher auch die Vorurteilsschiene des Polizisten, den Arthur Kennedy jedoch mit grimmiger Würde rettet. Schön lustig die Drehortwahl: der Hauptteil spielt zwar tatsächlich in England, aber die meisten Darsteller sehen eben wie Italiener aus. Die Beschädigung des Motorrades geschieht dann auch überdeutlich an einer südlichen Tanke, wobei allerdings die erlesene Drehortwahl darüber hinwegtröstet.
Sicherlich sind wir von "Dawn of the Dead" Heftigeres gewöhnt als diesen Streifen, der schon fast Retro-Charme hatte, als er rauskam, aber die Leichen sehen verdammt ansehnlich aus und ihre Auftritte kommen spannungstechnisch exakt gesetzt, nicht zu langsam, nicht zu schnell. Herb und gut, ich bin zufrieden. (7/10)