Wäre da nicht der Titel, so würde man beim Betrachten von Jorge Graus Zombiefilm in den ersten Minuten kaum glauben, überhaupt einen Horrorfilm zu sehen. Allenfalls das Gemälde des Kunsthändlers George, das zu Beginn die Leinwand bzw. den Bildschirm ausfüllt, lässt noch in diese Richtung schließen. Während des Vorspanns gibt sich Graus Beitrag zum Subgenre nämlich noch wie ein Ökothriller bzw. -drama im Stile von "Soylent Green" (1973): George besteigt sein Motorrad und macht sich auf, sein neues Sommerhaus aufzusuchen. Während seiner Anreise schneidet Grau immer wieder unübersehbar auf qualmende Schornsteine, Dreck auf den Straßen, Passanten, die ihren Mund mit Schutzmasken bedecken, die gequält aufhusten, während sie in lebloser Routine ihrem Alltag nachgehen. Nur eine Passantin, die sich auf offener Straße plötzlich nackt aus ihrem Mantel schält und mit zum Peace-Zeichen erhobener Hand durch die Autoreihen rennt, verleiht einem kümmerlichen Rest von Protest Ausdruck - eine letzte Geste der ausklingenden 68er Bewegung, die bei allen Verkehrsteilnehmern auf Verständnislosigkeit stößt, gleichwohl die nackte Haut auch das eine oder andere Begehren erweckt. Grau kehrt bereits hier ein Kernthema des Films hervor, der seine Zombiethematik beinahe schon dahinter zurückstellt.
Der Halt an einer Tankstelle hat schließlich fatale Folgen [Achtung: Spoiler!], denn eine übermüdete junge Dame plättet beim Zurücksetzen sein Gefährt. Da sie jedoch in dieselbe Richtung fahren, kommt man überein, dass George seine neue Bekanntschaft bei ihrer Schwester absetzt, mit ihrem Wagen sein Sommerhaus aufsucht, wo Edna - so ihr Name - es später abholen will. Die Fahrt dient dabei sehr der Charakterisierung Georges, der unentwegt als umweltbewusster Naturliebhaber präsentiert wird, dem zunächst nur der zynische Radiomoderator gegenübergestellt wird, welcher die Thematik der Umweltverschmutzung als Übertreibung herabspielt.
Bei einem kurzen Zwischenstop - um den Weg in Erfahrung zu bringen - tritt dann schließlich die Personifizierung dieser Einstellung des moderators auf, als George Zeuge wird, wie ein Landwirt mit zwei Forschern eine kernkraftbetriebene (!) Maschine zur Insektenvernichtung präsentiert, die chemiefrei und daher vermeintlich sauber zu kannibalistischen Akten unter den Schädlingen führen soll. Derweil wird Edna im Wagen von einem heruntergekommenen Landstreicher attackiert, den der Genrefreund schnell als lebenden Toten entlarvt.
Nach dieser Unterbrechung wird die Reise zu Ednas Schwester fortgesetzt. Diese - drogenabhängig, und kurz vor der Einweisung durch ihren Mann stehend - muss nach einem Streit mit diesem ansehen, wie er von dem Landstreicher ermordet wird, der zuvor Edna attackiert hatte. Als diese mit George eintrifft, machen die Umstände Georges geplante Weiterreise zunichte. Gravierender wird die Situation als ein erzkonservativer, rechter Gesinnung nicht ganz abgeneigter Inspektor eintrifft, der generell Rauschgiftsüchtige (und damit automatisch Kriminelle), langhaarige (und damit automatisch ungewaschene) Hippies und Schwule unter Generalverdacht zu stellen - und sie zudem auch noch alle in einen Topf zu schmeißen - scheint und der am langhaarigen antiautoritären George freilich einen Narren gefressen hat. Ihn und Edna verdächtigt er, Ednas vermeintlichen Mord (unter Rauschgiftwirkung) an ihrem Gatten zu decken und hält den mittlerweile mehr als entnervten George im Ort fest.
Bei dem angestrengten Versuch, schnell die eigene Unschuld zu beweisen, erkennt George, dass der Angreifer von Edna und dem Mörder ihres Schwagers identisch ist mit dem vor kurzer Zeit ertrunkenen Landstreicher Guthrie. Rätselhafter wird die Gesamtsituation, als er bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt Zeuge der Geburt eines überaus agressiven Babys wird, das eine Schwester schwer verletzt - ein originelles Element, das ziemlich exakt zeitgleich von Larry Cohen in "It's Alive" (1974) auf Spielfilmlänge behandelt wird. Da bereits am Vortag zwei solcher Babys entbunden worden sind, argwöhnt George, dass die Strahlung der Insektentilgungsmaschine für die Vorkommnisse verantwortlich ist. Seine Untersuchungen bleiben erfolglos, dafür führt der Versuch weiter, Edna davon zu überzeugen, dass sie nicht vom toten Guthrie attackiert worden ist: denn beim Besuch des nahegelegenen Friedhofes, finden beide nicht nur einen leeren Sarg vor, sondern werden bald darauf von Guthrie und zwei weiteren von ihm infizierten Toten attackiert - Offenbar beeinträchtigt die Maschine zur Schädlingsbekämpfung die körperlichen Vorgänge Neugeborener und frisch Verstorbener.
Ein Polizist, mit dem der Inspektor die beiden bespitzeln lässt, kann ihnen zwar zur Hilfe kommen, wird dabei jedoch von den Untoten im wahrsten Sinne des Wortes ausgeweidet. George kann daraufhin die Zombies in Brand setzen und mit Edna fliehen, der Inspektor fehlinterpretiert jedoch die Lage und sieht in beiden nun satanistische Grabschänder und Polizistenmörder. Während George nun versucht, eine beginnende Zombieinvasion zu verhindern, stempelt ihn der Inspektor derweil in Folge seiner Vorurteile zu einem Charles Manson Verschnitt ab und macht unbarmherzig Jagd auf ihn.
Nach einem recht kruden Finale (in dem zig Körperteile ausgerissen, gespalten und verbrannt werden) kann George zwar den Zombies (zu denen mittlerweile auch Edna gehört) entkommen, bevor er jedoch die verantwortliche Ursache zerstören kann, knallt ihn der Inspektor über den Haufen - sicherlich auch eine kleine Hommage an Romeros "Night of the Living Dead" (1968), der hier unübersehbar Pate gestanden hat.
Ein böses "Happy End" ist dem Zuschauer dann aber doch noch halbwegs vergönnt, als der Inspektor nach Verkündung seiner Methode vom harten Durchgreifen und vom kurzen Prozess schließlich vom untoten George tödlich angefallen wird. Und im letzten Schlussbild arbeitet die Schädlingsbekämpfungsmaschine - nun mit erhöhter Reichweite - emsig weiter.
Sicherlich sind einige Aspekte des Films doch arg dem Zeitgeist der ausklingenden 60er und frühen 70er Jahre verhaftet und die Einteilung in entweder leicht vertrottelte oder aber diskriminierende, grenzfaschistoide Polizisten (die Grau, der sich als uniformfeindlichen Pazifisten bezeichnet[1], tatsächlich immer unsympathisch waren) und einen umweltbewussten wie sozialen Helden kann sicherlich nicht ernst genommen werden und überzeugt allenfalls als übersteigerte Karikatur zur humoristischen Auflockerung des Ganzen. Interessanter ist da schon der angedeutete Generationskonflikt, der George die Vorurteile einiger deutlich älterer Mitmenschen entgegenbringt.
Bei aller Sympathie für diese stellenweise arg überzeichneten Charaktere muss sich Grau jedoch den Vorwurf gefallen lassen, neben antiautoritären 68er Vorstellungen in der Figurenkonstellation auch eine gehörige Portion an Macho-Attitüden eingebaut zu haben, die die beiden größeren Frauenfiguren zu weitestgehend hilflosen Accessoirs verkommen lässt, die dem Inspektor als hysterisch kreischende "Weibsbilder" ein Dorn im Auge und dem Helden ein beschützenswerter Zeitvertreib sind.
Hoch anzurechnen ist es Grau allerdings, dass er das von insgesamt vier Drehbuchautoren (Juan Cobos, Sandro Continenza, Marcello Coscia, Miguel Rubio) zusammengeschriebene Drehbuch, das den Produzenten Edmondo Amati und Manuel Pérez in erster Linie bloß ein "Night of the Living Dead" Plagiat (in Farbe!) liefern sollte, nach eigenem Gutdünken hier und da etwas variierte und somit eigene interessante Aspekte einbrachte: so wurde aus dem Auslöser der Vorlage ein landwirtschaftliches Mittel zur Schädlingsbekämpfung, das - so lächerlich es als Ursache für eine Zombieinvasion auch erscheinen mag! - stellvertretend für den im Film präsentierten Polizeiapparat steht: Schon bei der ersten Begegnung mit dieser unheilvollen Maschine stellt sich George instinktiv auf die Seite der Schädlinge, denen er die natürliche Existenzberechtigung zuspricht, und wettert energisch gegen das umweltzerstörende Wunderwerk der Technik, welches in seinen Augen die eigentliche Gefahr darstellt. Und wie auch diese Apparatur vermeintliche Schädlinge ausrottet und dabei selbst erst das eigentlich Unheil hervorruft, wendet sich auch die im Film ausgesprochen agressiv, autoritär und vorurteilsbelastete Polizeigewalt mehrfach gegen die Falschen und leitet dabei unwissentlich die eigentliche Katastrophe ein. Aus dieser naiven wie amüsanten Gleichung wird immerhin noch eine haltbare Aussage, wenn man hierin keine Schilderung allgemeiner Polizeipraktiken sieht, sondern eher die Schilderung eines bestimmten Gedankengutes (eben eines agressiven, autoritären und vorurteilsbelasteten und damit schließlich auch eines faschistoiden - deutlich angesprochen wird dies in der Szene, in der George den Inspektor mit einem zackigen "Heil Hitler" grüßt).
Damit bleibt der mittlerweile nahezu vergessene Grau seiner Arbeit als Regisseur in den 60er Jahren treu, während derer er als Filmemacher einer neuen Welle in bestimmten Kreisen der Gegenkultur einige Anerkennung verbuchen konnte wie etwa mit "Actéon" (1965), ein Zeitbild im Gewand griechischer Mythologie - langfristige "Bekanntheit" (wenn man das so nennen will) sicherten ihm dann aber doch seine konventionelleren Genrearbeiten "Non si deve profanare il sonno dei morti" und die Bearbeitung der Blutgräfin Bathory "Ceremonia sangrienta" (1973), auch wenn Graus Zombiefilm von zeitgenössischen Kritikern arg zerrupft worden ist.
Auf formaler Seite überzeugt Grau ebenfalls: Der Zuschauer muss sich zwar damit anfreunden, dass die Zombies noch nicht ganz den strengen Genreregeln angepasst sind (die ja eher mit "Dawn of the Dead" (1978) und "Zombi 2" (1979) festgelegt werden sollten) und noch über gewisse Restbestände an Erinnerungen, Emotionen und Intelligenz verfügen, visuell kommen sie den Ansprüchen des geneigten Zuschauers allerdings sehr entgegen: liebevolles und detailliertes Make Up sorgt in Verbindung mit den Kontaktlinsen für überzeugende Leichname und Fernando Hilbeck geht in seiner Rolle als erster Untoter sichtlich auf. (Was Darstellerleistungen betrifft sind besonders noch Ray Lovelock (George) und Arthur Kennedy (der Inspektor) zu nennen, die sich ebenfalls voll in ihre Rollen hängen.)
Erstaunlich ist zudem der einheitliche Gesamteindruck dieses Film, der in Spanien, England und nach Entziehung einer Drehlizenz auch in Italien (in den Cinecitta Studios) entstanden ist. Abgerundet wird der positive Eindruck durch eine originelle Musikuntermalung, die sich überwiegend aus Seufzern und Gestöhne zusammensetzt und sich dabei als äußerst effektiv erweist. (Die Musik von Giuliano Sorgini, der später nichts vergleichbares mehr abgeliefert hat, ist bei einigen DVDs als verstecktes Extra enthalten.) Die wenigen Splattereinlagen sind kurz, hart und sorgsam umgesetzt worden, der Spannungsbogen wird zügig aufgebaut und - nicht zuletzt durch den Angriff auf gewisse Urängste und standardisierte Alptraumsituationen - durchgehend bis zum Ende gehalten.
Zudem erweist sich diese italienisch-spanische Co-Produktion trotz der Anleihen bei Romeros Startschuss des modernen Zombiefilms als recht eigenständig und innovativ: Wie erwähnt schlägt Grau neben Larry Cohen in "It's Alive" sehr früh in die Kerbe monströser, gefährlicher Neugeborener, der ökologische Aufhänger nimmt Jean Rollins "Les Raisins de la Mort" (1978) in Grundzügen vorweg (gleichwohl auch Romero mit "The Crazies" (1973) schon in eine ähnliche Richtung gearbeitet hat), die Restbestände von Gefühlen und Erinnerungen sind ein interessanter Einfall der Entwicklungen vor allem bei Romero bereits vorwegnimmt und die expliziten Ausweidungen sind - gerade auch wegen der Tatsache, dass der Film farbig ist - weniger mit denen in "Night of the Living Dead" zu vergleichen als vielmehr mit den Splattereinlagen in "Dawn of the Dead" und Fulcis Zombieklassikern "Zombi 2", "Paura nella città dei morti viventi" (1980) & "L'Aldila" (1981); was nicht verwundert, wenn man bedenkt, dass Giannetto De Rossi hier bei Grau sein Debut gibt und Jahre später bei Fulci seine großen Erfolge als Effekte-Künstler feiern konnte.
Insgesamt einer der besten Zombiefilme überhaupt. Sehr gute 7/10 mit der Tendenz nach oben.
1.) Vgl. dazu das Interview mit Jorge Grau unter der Regie von Robert A. Ferretti im Bonusmaterial der dt. Bootleg-Versionen und der Anchor Bay DVDs.