Der morbide Faustschlag in die Utopie - Bacterias of the dead
George, ein Antiquitätenhändler und auch überzeugter Feind von radioaktiven Mitteln ist auf der Reise in seine naturgelegene Waldhütte, als sein Motorrad von Edna's Mini zu Schrott gefahren wird. Gezwungenermaßen muss er Edna zu ihrer heroinsüchtigen Schwester begleiten. Weil sich die beiden verfahren, fragt George bei einem Bauernhof, auf dem gerade Tests mit radioaktiven Mitteln zur Schädlingsbekämpfung stattfinden, nach dem Weg. Doch Edna's Schwester steht beim Ankommen unter Schock, denn das zombieartige Wesen, Garthrie, ein kürzlich verstorbener Landstreicher, hat ihren Mann getötet. George und Edna werden fortan verdächtigt, doch selbst nur sie wissen, dass die Toten von den Insektentötungsmitteln auferstehen, während George bei den Polizisten als Wahnsinniger gilt. Es kommt zu einem blutigen Massaker.
(Spoiler)
Wow. Was für ein gut durchdachtes und wohl gesponnenes Drehbuch. Reichlich komplex für einen Zombiefilm, der 6 Jahre nach Night of the living dead wohl noch in den Kinderschuhen steckt und selbst heute noch als Exot in dieser Richtung geht.
Gut, die Kritik an unserer Gesellschaft, die mit allen Mitteln versucht, die Landwirtschaft zu gewinnmaximieren in Bezug auf die Verwendung eines radioaktiven Mittel, dass Ameisen und Bakterien abtötet, scheint zwar weit dahergeholt sein, aber ist in diesem Falle mehr als konsequent. Wenn der Regisseur in den Anfangsszenen Autoabgase, Fabrikrauch und heruntergekommen Bauten im Wechsel zu schönen vegetativ ausgebreitenen Landschaften zeigt, dann weiss man ohnehin den Grundtenor, den dieser Film geht.
Die anfänglichen Konflikte zwischen dem Hippie George und den Wissenschaftler und Polizisten, der schonbald als schwuler, ungepflegter Sündenbock tituliert wird, zeugt von der damals vorherrschenden Anfeindung und Missverständnisse damals herrschender zweier Parteien. Eine Zeit eines Aufbruchs, des wirtschaftlichens Umschwungs, als man Hippies, insofern Gegner, als die Verrohung bzw. Parasiten der Kultur und des Lebens ansah. Das wird insofern deutlich, als der angeblich, in den Augen des Polizisten, für Unordnung gewillte George, rabiat und zynisch den Polizisten mit "Heil Hitler" grüsst.
Also sogesehen sicher kein schäbig, minimalistisch produzierter Zombieklopper, der sich an stark aufgesetzten sozialkritischen Anleihen bedient, weil es eben aufgrund Romeros NOTLD Pflicht war, dem Zombiegenre hintergründliche Paralellen zu verleihen. Aber dieser gut durchdachte Faktor, dieses fest gesponnen Netz von psychischer Komplexität ist nicht der einzige Faktor, der diesen wunderschön gefilmten und durchdachten Früh 70er Zombiefilm zu etwas besonderem werden lässt. Nicht nur, dass die Darsteller allesamt durch die Bank weg überzeugen und Glanztaten verbringen, so ist die Atmosphäre dieses Films durchweg düster, aber dennoch realitätsnah.
Eben sehr greifbar, wenn zb. der kürzlich verstorbene Garthrie scheinbar untot am Flussufer umherwandelt und der Hofsgutbesitzer recht makaber verkündet das er das immer tat, obwohl er so realitätsnah ist und weiss, dass er tot ist. Der Film wird dadurch nicht nur schrecklich lebendig, weil man sich nicht nur Mühe gibt extreme Seitenhiebe aufzufahren, sondern auch trotz des unsagbar bösen Grundtenors noch schafft Humor miteinzubringen, so als wären die Menschen eben Menschen, deren Charakter und Leben greifbar wären. Oder eben so weit entfernt, wie sich die Missverständnisse zweier Parteien hier auftun.
Wen das alles natürlich nicht interessiert, der bekommt aber immerhin wirklich erschreckend morbide und vorallem, für diese Zeit, sehr blutige Szenen geboten. Wenn George und die wunderschöne Etna in die Friedhofsgruft absteigen, um nachzusehen, ob Garthrie wirklich im Grab liegt, dann sind das Szenen, die in ihrer Intensität selbst Filme wie Woodoo (1979) oder Ein Zombie hing am Glockenseil (1981) in Sachen Grausamkeit in den Schatten stellt. Alles ungemein düster und morbide, vorallem die Ausstrahlung der finster und böse röchelnden und stöhnenden Zombies, die zwar mit ihrem minimal weiss bemalten Makeup noch recht menschlich aussehen, aber in Sachen Gestik herrlich altmodisch sind.
Da werden beispielsweise Erinnerungen an den Hammerklassiker "Nächte des Grauens" von 1966 wach, vorallem, wenn man sie in der wirklich schönen englischen Landschaft latschen sieht. Ein Bild, dass man so erst wieder in "Dead Meat (2003)" bewundern konnte. Klasse, auch die Szenen, in denen der Zombie mit dem Grabkreuz die Tür rammbockieren möchte und daraufhin lichterloh verbrennt.
Effektmäßig ist dieser Film ohnehin, für sein Alter, über allem Erhaben, da kann man als geneigter Splatterfreund auch mal Bausteine glotzen, wenn in Gedärmen, mit Körperteilen, in diesem zuerst recht seriös wirkenden Film, rumgewühlt und rumgespielt wird. Der Film verliert dabei aber nie seinen Charakter, auch wenn er sich wohl selbst als Schundfilm ansieht.
Und hier mal wieder ein Verweis, auf einen Dialogteil, als ein Polizist zu seinem Unverständnis hinzufügt:
Lebende Tote? Das bekommt man vielleicht in einem drittklassigen Schundroman zu lesen. Also bitte."
Die sich langsam anbahnende Beziehung und Freundlichkeiten von George und Etna, die anfänglich durch ein ungewolltes Schicksal zusammengeschweist wurden, bietet hier und da für vermeintliche Dramatik, vorallem wenn man gegen Ende, das klägliche Leid und Ende Edna's miterleben muss, die dort selbst zum Zombie mutiert. Aber das alles wäre nur halb so interessiert, weil man das gerade nicht will, weil Edna in ihrer Charakterausarbeitung genau den meisten Raum für Symphatie, neben George, bietet. Und wer am Ende doch kein Happy - End erwartet, weil George auch irgendwann getötet wird, der hat den Sinn von Zombiefilmen nicht verstanden.
Der untote Faustschlag - ins kleinkarierte Gesicht, der Stumpfsinn, die Unlogik der Gesellschaft - Rache der Lebenden.
Fazit:
Gut durchdachter, wunderschöner aber genauso morbider, düsterer und atmosphärisch beklemmender Zombiefilm mit, für seine Zeit, recht überzeugenden Effekten. Extrem blutig und in seiner inhaltlichen wie persönlichkeitsbezogenen Entwicklung exzellent. Ein Exot im Zombiegenre, der reichlich unterbewertet ist.
98%
Atmosphäre: Zum anfassen
Grusel: Zum erdrücken
Gesellschaftskritik: Zum spüren
Optik: Zum verlieben
Vergleichbar:
Foltermühle der gefangenen Frauen (1977)
Ein Zombie hing am Glockenseil (1981)
PS: Pflichtkauf (!!!)