Review

Der Tod der Menschlichkeit

„Come & See“ ist einer der absoluten Russlandklassiker und das wahrhaftigste aller Antikriegsmanifeste. Unter Cinephilen längst unsterblich und Pflichtprogramm - selbst wenn man ihn bestimmt nicht allzu oft in seinem Leben sehen muss oder will. Manche Filme lassen nach ihrer (vor allem ersten!) Sichtung die Welt nicht mehr wie die wirken, die sie zuvor gewesen schien. Und genau ein solches Grosskaliber ist „Come & See“ - über einen Jungen im Weißrussland des Jahres 1943, der sich recht bereitwillig für den Widerstand und Krieg gegen die besetzenden Nazis meldet und dann zu einem unfassbaren Spielball der Unmenschlichkeit und Kriegsgeschehnisse wird, denen er nichts ausser Leiden, Stummheit und Fassungslosigkeit entgegenzusetzen hat…

Gesichter, die Bände sprechen

Nach „Come & See“ ist nichts mehr, wie es war. Man sieht Krieg anders. Man sieht das Leben anders. Unser Erbe anders. Man sieht Deutschland anders. Man sieht Menschen, unsere Spezies, anders. Man sieht Gewehre anders. Man sieht Filme anders. Man sieht Kriegsfilme anders. Man sieht vor allem (wesentlich weichere, heroischere!) amerikanische Kriegsfilme anders. Man sieht Leid, Tod, Schmerz, Schmutz und Altern anders. Man sieht Jugend und Unschuld anders. Man sieht Hitler anders. Man sieht Tarnmuster anders. Man sieht die Farbe Grün anders. Man hört Flugzeuge anders. Man sieht Russland anders. Man fühlt Feuer anders. Man denkt über Invasionen und heutige Angriffskriege anders. Man sieht Scheunen anders. Man spürt Explosionen anders. Man riecht anders. Man fühlt die kalte Luft anders. Man sieht Mut anders. Man sieht Männer anders. Man sieht Memmen anders. Man sieht Vergangenheit anders. Man sieht Europa anders. Man weiß nicht, ob man „Come & See“ nochmal in seinem Leben sehen will oder muss. Man sieht Waffen anders. Man sieht Falten anders. Man sieht Kinder anders. Man sieht Historie anders. Man sieht unsere Welt anders. Man sieht sich selbst anders. Man sieht anders. 

Fazit: der ziemlich sicher ultimative und (erst recht für uns Deutsche) schmerzhafteste Antikriegsfilm aller Zeiten! „Come and See“ ist ein Brecher aller Brecher. Meisterhaft. Unvergesslich. Bitter. Völlig desillusionierend. 

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