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Traumata von Soldaten nach Auslandseinsätzen werden in der Bundeswehr angeblich tabuisiert. Auch in den Medien blieben die psychischen Leiden von Afghanistan-Heimkehrern lange Zeit unbeachtet. Dies hat sich in den letzten Monaten aber geändert; die Problematik ist zum öffentlichen Gesprächsthema geworden.

Natürlich ist es richtig und wichtig, einen Film zu machen, der den posttraumatischen Stress und seine Auswirkungen auf das eigene Leben und das der Familie thematisiert und dem Publikum verständlich macht, was in so einem Soldaten vorgeht. Ändert aber nichts daran, dass "Brothers" gequirlte K***e ist, weil er sich erzählerischen und filmischen Konventionen bedient, welche diese real existierende Problematik unfreiwillig banalisieren.

Ist man nicht auf den Kopf gefallen, bräuchte man nur die ersten zehn Minuten zu sehen, um das Drehbuch selbst zu Ende zu schreiben. Alles bis ins Detail vorhersehbar. Nicht nur die Wendungen, sondern einfach alles. Vorhersehbar nicht unbedingt deshalb, weil der Film akkurat die Realität widerspiegelt, sondern weil hier auf erbärmliche und respektlose Weise reale Probleme von realen Menschen in althergebrachte Erzählmechanismen gezwängt werden.

Ebenfalls die Inszenierung (und damit meine ich alles von Bild-, Ton- und Musikgestaltung, über Pacing, Schauspiel bis hin zur Schauspielerführung) stinkt zehn Meilen gegen den Wind nach American Arthouse. Oder präziser: Das stinkt nach jenen Konventionen, die sich in den letzten Jahren etabliert haben und den American Arthouse zum Mainstream abseits des Mainstreams machten, wo vier von fünf Filmen aussehen wie Jacke wie Hose.

Das Resultat ist ein banaler und langweiliger Film -- auch wenn hier ein relevantes Thema (seitens der Filmemacher womöglich gar mit hehren Intentionen) behandelt wird.
Die wichtigste Frage ist jedoch, ob "Brothers" plastisch und verständlich macht, was in so einem traumatisierten Menschen vorgeht. Doch bei der Besetzung der Rollen wurde gehörig ins Klo gegriffen. Nicht genug, dass eine hochnäsige Schnepfe bar jeder Persönlichkeit wie Natalie Portman hier eine leidende Lower Class Hausfrau spielt, dass es der Sau graust.

Vor allem Tobey Maguire ist ein Störfaktor. Dabei zeigt er durchaus ein gewisses darstellerisches Talent. Und natürlich braucht es gewisses "Over Acting", um einen Menschen darzustellen, der irgend wann seine Emotionen und sein Verhalten nicht mehr wirklich kontrollieren kann und explodiert. Dafür braucht es aber einen Schauspieler, der das ausbalancieren kann und nicht in unfreiwillige Komik abgleitet. Aber wie der mit einer Milchbubi-Visage ausgestattete Maguire hier grimassiert und gestikuliert... Bei Szenen wie der beim Abendbrot mit dem Luftballon muss man lachen. Als Maguires Figur im Vorgarten wütet und Selbstmord begehen will muss man lachen.

Seine Darstellung wird der Rolle nicht gerecht. Und schon gar nicht jenen, die traumatisiert von Auslandseinsätzen wiederkehren.
Vielleicht sollte der Bube sich auf Parts wie in "Spiderman 2" beschränken, wo er im Cafe sitzend mit Dackelblick und weinerlicher Kindergarten-Stimme hirnrissige Sätze wie "I had thought I had something to do, but then I realized I didn't" an Ms. Dunst richten kann.


Susanne Biers dänisches Original habe ich noch nicht gesehen. Ich vermute aber, dass dort die Darstellung von posttraumatischem Stress und (sich ändernder) Familiendynamik viel eindringlicher und besser dargestellt wird als in diesem amerikanischen Remake. Zumindest lässt mich Susanne Biers Film "Nach der Hochzeit" das stark annehmen. 

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