Vorhang auf für einen der berüchtigtsten Exploitationkracher, den die Welt je gesehen hat, ausgezeichnet unter anderem mit einem der begehrten Video Nasty-Awards: Night of the Bloody Apes. Schon den wunderbaren Titel muß man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Da gibt die Phantasie gleich mal Vollgas und gebiert Bilder wie einen von oben bis unten mit Blut vollgespritzten Menschenaffen, der ausgelassen durch die Nacht tanzt und dabei jeden fröhlich zerfetzt, der in die Reichweite seiner Pranken gerät. Nun, ganz so wild geht es in diesem mexikanischen Heuler dann doch nicht zu, zumal hier auch nicht mehrere Affen durch die Straßen toben, sondern lediglich ein einziger Affe, und selbst der ist etwas anders geartet. "Der Schrecken mit dem Affengesicht" paßt hier wie die Faust aufs Auge. Immerhin wird genug geboten, daß sich die Gesichtsmuskeln des geneigten Fans zu einem zufriedenen Breitmaulfroschgrinsen verziehen, während zartbesaiteten Gemütern vor purem Entsetzen ob des Dargebotenen bestimmt das Gesicht einfriert. Aber langsam von Anfang an und der Reihe nach...
Dr. Krallman (José Elías Moreno) ist ein begnadeter Chirurg, der im städtischen Krankenhaus eine Führungsposition inne hat und von allen geschätzt wird. Aber ihn plagen Sorgen, denn sein an Leukämie erkrankter Sohn Julio (Agustín Martínez Solares) siecht vor seinen Augen dahin, ohne daß er zu helfen imstande ist. Es gibt nur noch eine Möglichkeit, das Ruder herumzureißen, und die gedenkt der Doktor auch zu ergreifen. Mit seinem treuen Diener Goyo (Carlos López Moctezuma) schleicht er sich nachts in den Zoo, betäubt den Gorilla in seinem Käfig und macht sich mit ihm aus dem Staub. Während die Polizei noch rätselt, wie der Affe entkommen konnte, macht sich der Arzt bereits an die Arbeit. Er transplantiert das Herz des Gorillas in die Brust seines Sohnes! Die Operation verläuft gegen jede Wahrscheinlichkeit gut, der Patient schlummert friedlich vor sich hin, der tote Affe wird eingeäschert. Alles paletti also. Doch dann kommt es plötzlich zu unangenehmen Komplikationen, was Dr. Krallman wie folgt kommentiert: "I was prepared for everything... but not for this!" Sein Sohn verwandelt sich nämlich in einen stämmigen Affenmenschen und büxt prompt aus. Wenig später fällt er wie ein Derwisch über eine junge Frau her, die gerade aus der Dusche steigt, und befördert sie brutal in den Zustand des Nicht-Lebens. Krallman betäubt hinterher den Wüterich und bringt ihn zurück in sein Labor.
Was tun? Der nette Onkel Doktor hat auch hier eine Lösung parat: Eine neue Herztransplantation soll es wieder richten. Doch bevor es soweit ist, wacht Julio auf, zerreißt seine dicken Fesseln als wären sie angefaulte Wollfasern, und haut abermals ab. Diesmal überfällt er ein auf einer Bank im Park knutschendes Pärchen und reißt dem Herrn der Schöpfung langsam den Hals auf. Die Frau rennt panisch kreischend weg, der Affe hinterher. Er holt sie ein, wirft sie zu Boden, sie wehrt sich mit Händen und Füßen, strampelt wie verrückt, kann aber nicht verhindern, daß er ihr die Kleider vom Leib reißt. Dann jedoch läßt er plötzlich von ihr ab und erkundet stattdessen die Umgebung. Die Überfallene sucht derweil Hilfe in einem nahegelegenen Geschäft, und sofort findet sich ein mutiger Freiwilliger, der nach dem Rechten sieht. Zum Dank wird er vom Affenmenschen blutig abgestochen. Des Monsters Amoklauf findet dann ein jähes Ende, als Dr. Krallman seinen Sohn wieder mal betäubt, allerdings erst, nachdem er einem zufällig vorbeispazierenden Passanten ein Auge aus der Höhle gequetscht hat. Dr. Krallman und Goyo wagen nun die nächste Herztransplantation. Spenderin ist die komatöse Wrestlerin Elena, die von ihrer Gegnerin Lucy Osorio (Norma Lazareno) bei einem Kampf unsanft aus dem Ring befördert wurde. Deshalb plagt Lucy auch das Gewissen, obwohl ihr Freund, der Polizist Arturo Martinez (Armando Silvestre), ihr immer wieder erklärt, daß es bloß ein blöder Unfall gewesen ist. Wird diese neue Transplantation also die ersehnte Rettung bringen? Ich würde nicht darauf wetten.
Der haarsträubende Schund, der hier mit Gusto und ohne falsche Scham zelebriert wird, entstammt zum Großteil aus den Köpfen der beiden Cardonas. René Cardona (8. Oktober 1906 – 25. April 1988) zeichnete in seiner langen, sich über mehr als ein halbes Jahrhundert erstreckenden Karriere verantwortlich für Filme wie Las luchadoras contra el médico asesino (Rock 'n' Roll Wrestling Women vs. the Aztec Ape aka Doctor of Doom, 1962), La mujer murciélago (The Batwoman aka Draculas Tochter und Professor Satanas, 1968), Santo en El tesoro de Drácula (Santo in 'The Treasure of Dracula', 1969) und Supervivientes de los Andes (Survive! aka Überleben!, 1976). Auf die Kappe seines Sohnes René Cardona Jr. (11. Mai 1939 – 5. Februar 2003) gehen wiederum solche Kaliber wie La noche de los mil gatos (Die Rache der 1000 Katzen, 1972), El valle de los miserables (Trommeln über dem Sklavencamp, 1974), Cyclone (Tornado, 1977), Guyana, el crimen del siglo (Guayana - Kult der Verdammten, 1979), Treasure of the Amazon (Das Geheimnis der blauen Diamanten, 1985) und El ataque de los pájaros (Beaks: The Movie aka Birds of Prey, 1987). Die Geschichte von Night of the Bloody Apes lehnt sich lose an Cardona Srs. Las luchadoras contra el médico asesino an, ist aber ein gutes Stück sleaziger und deftiger. Der Streifen wurde vom 6. bis zum 23. Mai 1968 in den Estudios Churubusco und an Originalschauplätzen in Mexiko City unter dem Titel La horripilante bestia humana gedreht. Da man auf eine hiesige Jugendfreigabe schielte, waren entblößte weibliche Brüste ein absolutes No-Go. Gleichzeitig filmte man aber für eine geplante Exportfassung - bekannt unter dem Titel Horror y sexo - die entsprechenden Szenen ein zweites Mal, nur diesmal wesentlich freizügiger. Ein schönes Beispiel dafür ist das Telefonat, das unser süßes Wrestlingteufelchen Lucy mit ihrem Freund führt. In der Mexikofassung sitzt sie verhüllt in einem Stuhl, während sie in der Exportfassung nackt auf einem Tisch lümmelt. Und auch in Sachen Blutgespritze ist La horripilante bestia humana ein völliger Blindgänger.
Für die amerikanische Veröffentlichung aus dem Jahre 1972 dachten sich die Verantwortlichen allerdings, daß es nicht schaden könnte, den Streifen noch ein wenig aufzumotzen. Diese Aufgabe übernahm ein gewisser Jerald Intrator (24. September 1920 – 28. Oktober 1988), der früher selbst eine handvoll unbedeutender Filme gedreht hatte. Und der werte Herr Intrator ließ es gewaltig krachen. Schon die Operationsszene peppte er auf, indem er Szenen aus einer echten Herzoperation dazwischen schnitt. Obwohl man ihm nicht absprechen kann, daß er sich generell Mühe gab und auf die Kontinuität achtete, passierte ihm hier gleich der erste Fauxpas. Während die Operation im Film von vier Händen (die von Dr. Krallman und seinem Assistenten Goyo) durchgeführt wird, werkeln im nachträglich eingefügten Footage sechs Hände herum (vier am Herzen, zwei - zwecks Narkotisierung - an der Atemmaske des Patienten). Später ergibt sich dasselbe Bild noch einmal, da es sich Intrator nicht nehmen ließ, auch die zweite OP mit etwas zusätzlichem Blut aufzufrischen. Des Weiteren drehte er die erste Attacke des Affenmenschen komplett neu. Im Original schnappt sich das Monster die Frau, wirft sie auf das Bett, und das war's dann auch schon. Intrator pfeift auf noble Zurückhaltung und läßt die Kreatur mit animalischer Wut über sein Opfer herfallen. Durch die Art, wie das gefilmt ist, wird recht eindeutig impliziert, daß der verwandelte Julio die Frau vergewaltigen will. Daß dies tatsächlich geschieht, ist jedoch kaum möglich, schließlich hat der Affe immer die Hosen an. Die restlichen Attacken wurden ebenfalls um diverse gorige Momente erweitert. Die Untaten in La horripilante bestia humana sind allesamt blutleer, da der mörderische Affe seine Opfer erwürgt. Nicht so in Night of the Bloody Apes, da geht es ordentlich zur Sache. Blutige Messerstiche, ein herausgequetschtes Auge, das Abreißen eines Kopfes und eine Skalpierung mit bloßer Hand lassen das Herz des Gorehounds höher schlagen.
Wenn man sich Night of the Bloody Apes zu Gemüte führt, so muß man ihm attestieren, daß er erstaunlich blutrünstig ist. Im Gegensatz zu heute war die Anzahl der Blut- und Beuschelfilme in den frühen Siebzigern noch sehr überschaubar. Sieht man mal von Herschell Gordon Lewis, dem Godfather of Gore, ab, so gab es damals nicht besonders viele, die dermaßen heftig über die Stränge schlugen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die Gore-Szenen aufgrund ihrer billigen Machart nicht wirklich überzeugen können. Wie bei Lewis jedoch ist das selbstzweckhafte Gekröse so detailverliebt und in-your-face inszeniert, daß es ordentlich Eindruck hinterläßt. Eindruck hinterlassen auch die stürmischen Affen-Attacken auf die sich wild wehrenden Frauen, die nicht nur sehr brutal rüberkommen, sondern auch einen enorm hohen Sleaze-Faktor aufweisen. Und ungemein trashig ist das alles noch dazu. Die Schauspieler, allen voran José Elías Moreno und Carlos López Moctezuma, agieren in ihren jeweiligen Rollen mit solch einem heiligen Ernst, daß Night of the Bloody Apes - so herrlich daneben er auch ist - im Minutentakt ins unfreiwillig Komische abdriftet. Besonders Moctezuma stiehlt als Goyo so ziemlich jede Szene, die er mit seiner Anwesenheit bereichert. Der arme Schlucker humpelt unendlich langsam durch die Gegend, tut alles, was sein "Meister" von ihm verlangt, und ist auch noch mit einer Narbenfresse und einem leichten Buckel geschlagen. Man hätte ihn ohne weiteres auch Igor nennen können, aber damit wären die Frankenstein-Anspielungen vielleicht zu weit gegangen. Fröhlich zitiert werden außerdem noch The Wolf Man und King Kong.
Im Grunde dreht sich hier alles um den verrückten Doktor, seinen eifrigen Helfer und die verschiedenen Schandtaten des Affenmenschen, wodurch die nominelle Heldin, Lucy Osorio, in eine undankbare Nebenrolle gedrängt wird. Zwar absolviert die in einem knallroten Spandex-Outfit mit sexy Teufelsmaske steckende Wrestlerin drei kurze Matches (alle in der ersten Hälfte des Filmes), aber ansonsten hat sie nicht wirklich viel zu tun. Ähnliches gilt für ihren Polizistenfreund, der ebenfalls an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt wird. Im Mittelpunkt steht halt das irre Affentheater, der Rest ist schmückendes Beiwerk. Beim Make-Up des Affenmenschen hat man sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Man schminkte lediglich das Gesicht zu einer häßlichen Visage, wobei die Transformation wie in den alten Werwolffilmen via Bildüberblendung realisiert wurde. Vom Hals abwärts sieht die Kreatur also aus wie der stämmige Gerardo Zepeda, von dem sie grunzend und knurrend gespielt wird. Leider gelingt es Cardona zu keiner Zeit, die tragischen Aspekte der Geschichte herauszuarbeiten, obwohl er am Ende noch einmal alle Register zieht, um Emotionen zu schüren. Aber es fällt halt schwer, einen Film ernst zu nehmen, wo der Affe im Zoo im einen Moment noch ein Orang-Utan ist, im nächsten jedoch ein Mann im Gorillakostüm, der nach erfolgter Betäubung theatralisch zu Boden sinkt. Und das ist nur einer von zahlreichen Goofs, die für Erheiterung sorgen. Sehr schön z. B. ist auch das Stück Rasen, das während eines Kampfes verrutscht, sodaß der Betonboden des Studios sichtbar wird.
Keine Frage, in Night of the Bloody Apes regiert Kokolores gepaart mit Wahnsinn. Und hin und wieder können die Regisseure René Cardona und Jerald Intrator auch belanglosen Leerlauf nicht vermeiden, wenn sie die berühmten drei "B"s aus den Augen verlieren. Blut gibt es reichlich, Brüste mehr als genug, und das Biest rockt trotz aller Unzulänglichkeiten. Aber zwischendurch wird es manchmal doch ein wenig öde, trotz einer gesunden Portion Lucha Libre, trotz haarsträubend schlecht synchronisierten Dialogen, und trotz des verrückten Arztes und seiner absurden Operationen. Wer einen guten Horrorfilm erwartet, ist hier so weit weg wie Kim Jong-un vom Friedensnobelpreis. Wer allerdings auf ein krudes Schlockfest von einigen Gnaden oder auf ein irrwitzig-trashiges Schundwerk hofft, der ist hier goldrichtig und sollte sich wohlfühlen wie eine hungrige Made im Speckparadies. Night of the Bloody Apes mag ein miserabler Film sein, aber er ist großes, deftiges, herzhaft serviertes Exploitationkino.