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Das schöne an den Siebzigern ist, daß technisch bedingt kaum ein Kindskopf die Möglichkeit hatte, seine Liebe zum Film durch ein eigenes Low Budget Werk auszudrücken und tendenziell andere damit zu belästigen. Wer also mit Filmequipment und ein paar Leuten in die Einöde fuhr, um sich amüsiert und ungezwungen mit einem Dreh auszutoben, der mußte nötiges Kapital mitbringen, um dieses wieder einzuspielen möglichst auch einen halbwegs guten Film machen und wie bei Hügel der blutigen Augen eben auch auf Schauspieler setzen, die schon etwas Erfahrung mitbringen, aber bezahlbar sind.

Ein halbwegs guter Film ist Hügel der blutigen Augen auch geworden, nur hatte Wes Craven selbst schon 1972 Maßstäbe mit dem Terror Movie Das letzte Haus links gesetzt und Tobe Hooper schließlich den Backwood Terror schlechthin 1974 mit Blutgericht in Texas gedreht, so daß die Ansprüche in die Höhe schnellen. Viel Abwechslung verspricht das Szenario einer mit dem Wohnwagengespann in der Wüste strandenden Familie ja schon mal nicht. Um auf Spielfilmlänge zu kommen, zieht sich die Handlung zunächst bedeutend, so daß man mit gutem Willen zwar das Schicksal nachvollziehen mag, das eigene Leid der Langeweile aber zu überwiegen beginnt.

Die Bedrohung geht natürlich nicht von fleischfressenden Landerhebungen aus, wie man es dem deutschen Titel fälschlich entlehnen könnte, nein, die klassischen Hinterwäldler als moderne, allesfressende Neandertaler sind es, unter ihnen der sympathische Eierkopf Michael Berryman, der Genrefreaks unter anderem auch aus Ruggero Deodatos Cut and Run in Erinnerung geblieben ist. Dieser Haufen will nun nicht nur der Familie an den Kragen, sie tun dies auch mit einem ausgeprägten Hang zum Sadismus, was derart schmal angelegtem Exploitationkino sehr gelegen kommt.

Trotzdem empfand ich Hügel der blutigen Augen im Vergleich zum Vorgänger Das letzte Haus links eher als kleinen Schritt rückwärts, obschon er dem direkten Konkurrenten Blutgericht in Texas auf Seiten der Terrorelemente mehr als ebenbürtig ist. Nur leider kann sich Wes Craven hier weder mit einer überzeugenden Spannungskuve noch einem runden Gesamtbild rühmen, so daß Hügel der blutigen Augen zwar ein nennenswerter, sperriger Nasty ist, sich als Referenztitel jedoch nicht anbietet.

Wer sich also nur aufgrund eines aufgebauschten Kultes für den Film interessiert sollte eher die Finger davon lassen. Craven Fans, die über den Nightmare und Scream Rand hinwegsehen wollen, greifen aus der Frühphase lieber erst zu Das letzte Haus links. Ausgesprochene Terrorfans dürfen bedenkenlos zugreifen, diese haben vermutlich auch schon ein ausreichend dickes Fell erarbeitet um die Leerläufe zu überstehen und die vorhandenen Momente am Hügel der blutigen Augen zu genießen. Denn solche hat der Film gegenüber fast jedem x-beliebigen heutigen Amateurstreifen aufgrund vorhandenen Talentes im spärlichen Gesamtpaket immer noch.

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