Review

Nach einer Wagenpanne in einer Wüstengegend bekommt es eine Familie mit einer in den Hügeln hausenden degenerierten Sippe zu tun.

Fünf Jahre nachdem Wes Craven in seinem "Das letzte Haus links" die Gewalt über eine Familienidylle hereinbrechen ließ, drehte der Regisseur "Hügel der blutigen Augen", im dem es erneut eine Familie mit finsteren Gestalten zu tun bekommt.
Genauer gesagt handelt es sich um die Familie Carter bestehend aus Mama und Papa mit Sohn und Tochter im jugendlichen Alter und Schwiegersohn und Tochter mit Baby, die zusammen mit zwei Schäferhunden bei ihrer Reise mit dem Wohnwagen in einer Wüstengegend liegen bleiben. Dies ist der Beginn einer schlimmen Nacht für die Familie, denn in den Hügeln der Wüste haust eine Sippe von durch in der Gegend durchgeführten Nukleartests Degenerierten, für die Menschenfleisch eine gelegene Abwechslung auf dem Speiseplan darstellt. Kleiner skurriler Einschub: Die alte deutsche Synchronisation machte aus den Degenerierten einfach mal Außerirdische, wodurch der Film in eine ganz andere Ecke gedrängt wird und was nicht wirklich funktionieren mag.
Was funktioniert ist auf jeden Fall die Charakterisierung innerhalb der typischen Durchschnittsfamilie, die mit dem Hereinbrechen der Gewalt eine Wandlung durchlebt, welche von den Schauspielern glaubhaft dargeboten wird. Die Hügelhauser bestehen dagegen nur aus ekligen und gewalttätigen Rednecks, die auf Planetennamen wie Mars, Merkur und Jupiter hören (daher auch eventuell die Idee der damaligen Synchronisatoren zur Abänderung in Außerirdische) und sich mit Knochen und Fellen schmücken. Lediglich die Tochter Ruby zeigt menschliche Wesenszüge, hat der Sippe beigebracht, dass es nicht immer Menschenfleisch zum Mittag geben muss und pflegt freundliche Beziehungen zu Menschen. In den Reihen der "Außerirdischen" lassen die schauspielerischen Leistungen wegen teilweisen Overactings etwas zu wünschen übrig, wobei Michael Berryman auf Grund seines Charakterkopfes eine ideale Besetzung für einen Degenerierten ist.
Die Stimmung, die der Film erzeugt, erinnert teilweise an "Blutgericht in Texas" ohne jedoch vollends dessen Qualität zu erreichen. So weicht hier in ähnlicher Weise die hitzige Wüstenstimmung dem kalten Gewalthereinbruch und auch die Musik besteht zum größten Teil aus einer Aneinanderreihung von Melodiefetzen und verschiedenen Frequenztönen.
Die höchste Spannung erzielt der Film meiner Meinung nach in der ersten Hälfte, wenn anfangs nur angedeutet wird, dass in den Hügel finstere Gestalten lauern und sich die Gefahr stetig steigert bis es zur heftigen Entladung bei dem Überfall auf den Wohnwagen kommt. Als die Überlebenden danach versuchen, dass Baby aus den Fängen der Unholde zu befreien, flacht die Spannung deutlich ab und das Ende ist auch nicht wirklich überzeugend.
Bei der Darstellung der Gewalt geht es verhältnismäßig gesittet zu Werke, da die meisten Morde nur angedeutet werden. Effektetechnisch am deftigsten ist dann der von einem Hund angeknabberte Fuß des von Michael Berryman verkörperten Pluto. Aber es muss ja nicht immer aus allen Ecken und Enden splattern, denn die Szene in der der Papa zur Ablenkung gekreuzigt und verbrannt wird und die Tochter im Wohnwagen vergewaltigt, Mama und Tochter angeschossen und das Baby entführt werden, sind äußerst eindringlich inszeniert und bleiben im Gedächtnis hängen.

Insgesamt ist "Hügel der blutigen Augen" stimmig inzenierter Backwoodhorror mit guten Momenten jedoch auch ein paar Längen und Unterbrechungen im anfangs stetigen Spannungsaufbau, so dass die Einreihung bei den ganz großen "Kann man sich immer wieder angucken"-Klassikern nicht passt.

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