Review
von Leimbacher-Mario
Noch immer ein Schocker
In den 70ern war Wes Craven das Maß aller Dinge was den erbarmungslosen Horrorschocker angeht. Durch seinen 1-2-Punch mit dem letzten Haus links und diesen Hügeln mit Augen, war der Mann wirklich on fire und nie besser, härter, fieser. Zudem noch sehr bissig was Gesellschaftskritik angeht. „The Hills Have Eyes“ ist ein Klassiker des Terrorkinos, der nichts von seiner Wirkung verloren hat. Trotz dem ebenfalls sehr guten, noch viel saftigeren Remake und einigen Filmen (wie dem texanischen Kettensägenmassaker, „Straw Dogs“ oder „Deliverance“), denen er Respekt zollt und auf deren Motiven er aufbaut. Der Ritt ist noch immer ein Brecher - voller Staub, Blut und Gegensätzen. Es geht um eine weiße, typisch amerikanische (und irgendwie auch gruselige) Grossfamilie, die mit ihrem Wohnmobil durch einen abgelegen Winkel des US-Wüstengebiets zieht. Außer Kakteen, Schlangen und atomarem Testgelände ziert kaum etwas den Horizont. Ach, und die degenerierten Kannibalen, die hätte ich beinahe vergessen...
„Die Hügel der blutigen Augen“ hat aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr die realistischsten Darsteller (bis auf John Steadman, der sich den Hintern abspielt!) oder einen außergewöhnlich hohen Gewaltgrat, doch ansonsten liegt das Ding immer noch schräg im Magen. Für seine Zeit war das echt brutalstes Neuland. Ein Duell der zwei Gesellschaftsextreme - bis aufs Blut, bis auf die Knochen, bis auf die Gedärme. Und dabei nähern sich die Städter den Wüsteninzuchtlern immer weiter an, bis sie selbst zum animalischen Kern vorgedrungen sind. Die Schocks sitzen, das Tempo lässt kaum Atempausen zu und die Anspannung ist konstant hoch. Zudem ist „Beast“, der Teufelshund, einer der härtesten Vierbeiner in der Geschichte des Horrorfilms, Michael Berryman wurde für diese Rolle geboren, ist nicht umsonst das „Gesicht des Films“ und die dauerkreischende, hilflose, vergewaltigte Blondine ist unangenehmer als Fingernägel auf einer Tafel. „The Hills Have Eyes“ ist gut gealtert und völlig zurecht ikonisch. Nur am besten nicht in der ulkigen deutschen „Außerirdischen“-Synchro. Ein verstörender Kampf ums Überleben. Survival of the fittest über alle Grenzen hinaus. Craven in voller Blüte. Verdrängte Schichten des menschlichen Wesens und der amerikanischen Gesellschaft, die mit aller Gewalt ins Bewusstsein drängen.
Fazit: Wes Craven lässt die Wüste bluten. Dreckig. Brutal. Rau. Und gesellschaftlich relevant. Auf Augenhöhe mit dem noch härteren und (natürlich) rasanteren Remake. Doch Original bleibt eben... erraten. Relevant wie damals. Manche Dinge, ändern sich wohl nie...