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In einer Kleinstadt wird eine Prostituierte von einem Freier schwer misshandelt. Ihre Kolleginnen beauftragen den Outlaw Clint Eastwood, die Täter zu töten. Zusammen mit seinem alten Freund Morgan Freeman und einem kurzsichtigen Revolverhelden macht sich dieser auf den Weg. Allerdings versucht der brutale Sheriff Gene Hackman die Rachetat zu verhindern und schreckt dabei selbst nicht vorm Töten zurück.

Die Story ist gut. Clint Eastwood verwendet wirklich alle Klischees des Genres und variiert diese hervorragend miteinander. Die Charakterkonstruktion ist dabei natürlich ebenfalls sehr klischeehaft. Eastwood darf mal wieder den brutalen Antihelden spielen und einen guten Freund mit auf seinen Feldzug nehmen und natürlich darf auch der brutale und sadistisch veranlagte Sheriff dabei nicht fehlen. Erbarmungslos ist damit sicherlich eine Art zynischer Abgesang auf die Western-Ära, ist aber auch nicht als Parodie zu verstehen. Würde man sich die Story durchlesen, ohne sie in Bezug zum Genre zu stellen, würde man das Werk für einen normalen Durchschnitts-Western halten. Hier und da werden natürlich ein paar neue Ideen eingebaut, aber vom gängigen Muster des Genres wird dennoch nicht abgewichen. Trotzdem baut Eastwood ein paar kleine, aber geniale Ideen ein, die den Film im Endeffekt doch wieder zu einem revolutionären Western machen, der bis heute von keinem anderen Film des Genres übertroffen, ja nicht einmal erreicht wurde. Mir persönlich gefällt vor allem das Ende sehr gut, dass den Film überaus dramatisch beendet. Darüber hinaus wird der Kreislauf der Gewalt hervorragend verdeutlicht.

Spätestens jetzt sollte ich vorwegschicken, dass mich persönlich diese Entmythologisierung des Westerns kaum angesprochen hat. Es ist sicherlich ein guter Nebeneffekt und macht den Film zu etwas Außergewöhnlichem und war vermutlich auch der Auslöser dafür, dass der Film von allen Kritikern hoch gelobt wurde und 4 Oscars gewinnen konnte. Aber auch ohne diesen Aspekt zu betrachten, ist Clint Eastwoods "Erbarmungslos" ein beachtliches und spannendes Werk, zumal dem unerfahrenen Zuschauer dieser Aspekt vermutlich gar nicht auffällt.

Eastwood setzt den Film hervorragend um. Einmal mehr muss man sich vor Eastwood, dem vielleicht wichtigsten Filmemacher aller Zeiten verneigen. Er setzt den Film für einen Western ziemlich düster um und achtet die ganze Zeit sorgfältig darauf, dass diese gespannte Atmosphäre über die volle Laufzeit des Films aufrechterhalten wird. Hinzu kommt noch sein langsames Erzähltempo, das den Film ebenfalls sehr spannend gestaltet und ihn wesentlich gewaltiger und getragener wirken lässt. Die Musik und die Kulisse wählt Eastwood natürlich routiniert und macht "Erbarmungslos" somit zu einem wirklich monumentalen Western-Epos. Selbstverständlich verzichtet er dabei nicht auf heftige Gewalt-Darstellungen. Darüber hinaus kann er auch die Dramatik zum Ende hin steigern und erzielt vor allem mit dem Ende des Films eine sehr verstörende Wirkung. Nachdem er mit "Für eine handvoll Dollar", "Für ein paar Dollar mehr" und "Zwei glorreiche Halunken" das Genre revolutionierte und mit "Dirty Harry" einen weiteren Kult-Film liefern konnte, vollendet Eastwood nun sein Werk und bringt ein ganzes Genre zum Abschluss.

Der Unterhaltungswert ist ebenfalls hoch. Cineasten werden den Film allein schon wegen der Entmythologisierung des Genres lieben, aber auch der 0815-Zuschauer, der lediglich unterhalten werden möchte, wird bei diesem Werk voll auf seine Kosten kommen. Durch die hervorragende Kulisse hat der Film allein optisch schon viel zu bieten. Darüber hinaus ist der Film durch seine düstere Stimmung, seine hohe Dramatik und sein hervorragendes Erzähltempo die ganze Zeit überaus spannend. Außerdem enthält "Erbarmungslos" die üblichen Schießereien und Action-Szenen, die ebenfalls bestens unterhalten können. Nur den Zynismus hätte Eastwood etwas offensichtlicher darlegen können. Der Film ist für wirklich jeden Zuschauer zu empfehlen, da er einem einfach gefallen muss.

Der Cast ist ebenfalls hervorragend. Clint Eastwood stellt unter Beweis, dass die Qualität seiner Darstellung offensichtlich nicht unter seiner Doppelbelastung als Schauspieler und als Regisseur leiden muss. Einmal mehr präsentiert er sich in der Rolle des sympathischen Anti-Helden hervorragend. Darüber hinaus ist auch seine Entscheidung, selbst die Hauptrolle zu übernehmen hervorragend. Er spielt einen abgehalfterten Revolverhelden und beendet mit diesem Film damit auch seine ganz persönliche Western-Karriere, nachdem er in seinen anderen Filmen noch wesentlich jünger und frischer fungierte. Auch Morgan Freeman spielt einmal mehr hervorragend und bereichert den Cast um eine weitere herausragende Darstellung und einen weiteren großen Namen. Gene Hackman spielt jedoch am besten. Unsympathische Rollen liegen dem Oscar-Preisträger bekanntlich sehr gut und das zeigt er auch hier erneut. Seine knallharte Darstellung wurde absolut zu Recht mit dem Oscar prämiert. Auch der übrige Cast ist gut.

Fazit:
Erbarmungslos ist endgültig das letzte Kapitel des Westerns, denn eigentlich kann nichts Neues mehr kommen. Eastwood variiert alle Western-Klischees hervorragend und baut sie zu einer perfekten Story zusammen, deren Vielschichtigkeit man erst auf den zweiten Blick erkennt. Aber auch für den normalen Zuschauer bietet der Film durch eine spannende und dramatische Umsetzung hervorragende Unterhaltung und zum Ende hin atemlose Hochspannung. Die herausragenden Darsteller, die nicht besser sein könnten und Eastwoods perfekte Umsetzung runden den Film endgültig zu einem unvergänglichen Meisterwerk ab, dass auch Western-Skeptiker voll und ganz überzeugen dürfte. Den Film kann ich besten Herzens jedem weiterempfehlen.

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