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Mark (Heino Ferch): "Ich bin Deutscher! Ich bin nie zufrieden!"

Wirklich zufrieden kann man mit "Extreme Ops" nicht sein... und das nicht nur als Deutscher. Fernab von Genre-Vetretern wie "Cliffhanger" oder "Vertical Limit" versucht diese internationale Produktion übermäßig cool und temporeich zu sein. Das will aber nicht ganz so funktionieren, wie sich das Regisseur Christian Duguay (Art of War) ausgerechnet hatte. Viele bekannte Gesichter konnte der Mann für diesen Streifen versammeln, doch so ein Cast kann bekanntlich ein zweischneidiges Schwert sein. So auch hier, wo sich der Cast in positive und negative Darsteller aufteilt, wobei Letztere leider überwiegen...

Werbeclip-Regisseur Ian (Rufus Sewell) will in den österreichischen Alpen einen spektakulären Werbespot drehen. Zufällig gerät der serbische Kriegsverbrecher Pavlov (Klaus Löwitsch) ins Bild. Um sein Versteck in den Bergen weiterhin geheim zu halten, will er die Filmcrew ausradieren...

Fangen wir doch mal mit den positiven Darstellern an. Da wäre zum einen Rufus Sewell (Dark City), der ständig seine Alte an der Stripe hat, aber ansonsten recht sympatisch rüberkommt. Heino Ferch (Straight Shooter) macht als Quoten-Kraut einen soliden Job und muss den Bruce Willis für Arme abgeben, was man inzwischen aber von ihm gewohnt ist. In Ordnung geht auch noch Bridgette Wilson (Mortal Kombat) als Goldmedalliengewinnerin, auch wenn sie kaum aus dem restlichen Cast herausfällt. So, das wars eigentlich schon mit den positiven Darstellern. Gerade mal drei Stück kann "Extreme Ops" davon verzeichen. Ein Armutszeugnis, da der restliche Cast mit übertriebener Coolness und Klischees die Bemühungen von Sewell, Ferch und Wilson zunichte macht. Beginnend mit unserem Snowboard-Pack bestehend aus Devon Sawa (Final Destination), Jana Pallaske (Engel + Joe) sowie noch irgend einem anderen pseudocoolen Knilch versucht sich "Extreme Ops" als das Must-See für Jugendliche und Snowboard-Begeisterte zu vermarkten, was aber mit unseren drei debilen "Lords of the Boards" ein mächtiger Schuss in den Ofen ist. Ohne sie wäre das Fiasko nur halb so schlimm. Rupert Graves (V wie Vendetta) kann sich ihnen als profitgeiler Produzent anschließen. Bleibt noch Klaus Löwitsch (Peter Strohm), der einen sichtlich lustlosen Klischee-Schurken spielt und sich hier unter Wert verkauft. Hätte er gewusst, dass es sein letzter Film werden würde, hätte er sich entweder mehr Mühe gegeben oder hätte sich aus dem Staub gemacht.

Das er mit Action umgehen kann, konnte Christian Duguay uns ja mit dem passablen "Art of War" beweißen. "Extreme Ops" sieht hingegen so aus, als hätte er nur aus Vertragsgründen oder wegen einem dicken Scheck auf dem Registuhl Platz genommen. Dementsprechend unmotiviert verrichtet er hier auch sein Werk, was sich nicht nur im Actionbereich abzeichnet. Den auffallend simpel können unsere Heros on the Boards die fiesen Serben auschalten. Entweder ballern sich die Serben nämlich gegenseitig über den Haufen oder stellen sich anderweitig blöd an. Mit der finalen Heli-Explosion versucht Duguay den schon verärgerten Actionfan milde zu stimmen, was wegen der Vorarbeit nicht funktionieren will und kann. Und unglaublich gelassen nimmt die Filmcrew die Konfrontation mit den Serben auf. Da hat man noch Zeit, den einen oder anderen pseudocoolen Spruch zu klopfen, und nachdem der Serben-Heli am Berg zerschrottet wurde, nutzt man die dadurch verursachte Lawine für eine Kameraaufnahme. Natürlich... man hat ja auch grad nix anderes zu tun, wenn man soeben fiese Serben grillen konnte und man nun eine tödliche Lawine am Arsch hat. Hört mir doch auf. Dann gibt es auf der Filmcrew-Seite keinerlei Todesopfer (den Fremdenführer schließe ich da mal aus) zu verzeichnen, da nur die finsteren Serben über den Jordan gehen. Humor kommt nur selten auf, wenn z.B. Heino Ferch einen witzigen Dialog mit der Hotelrezeption hat, ehe unsere Möchtegern-"Lords of the Boards" brontal durchs Hotelfenster gejumpt kommen, was schließlich auch der Grund ist, weshalb man in einen Verschlag am Berggipfel umziehen muss. Dort haben sich schon die Serben in bester Osama-Manier versteckt, da man den geliebten Führer Pavlov ja für tod halten soll. Gibt es eigentlich was Positives in "Extreme Ops"? Überraschenderweise ja! Die gute Alpenaufnahmen sowie die Snowboard-Sequenzen könne hier einiges aufwerten, auch wenn Erstere noch keine "Vertical Limit"-Qualitäten aufweisen können. Trotz mangelnder Action kann das Finale einen immerhin etwas bei Laune halten, da Duguay anscheinend mit begrenzten Mitteln retten wollte, was noch zu retten war. Viel war das leider nicht, weshalb der Showdown recht halbgar daher kommt, wenngleich nicht komplett für die Tonne. Die Musikuntermalung kann man hingegen komplett vergessen - genauso wie den Schluss im Ami-Land, wo man noch ein letztes Mal zeigen will, wie cool, crazy, funky und duffte unsere "Lords of the Boards" doch sind. Beknackt, bescheuert, hirntot und zurückgeblieben würde jedoch eher passen.

Die wenigen positiven Aspekte machen "Extreme Ops" zwar nicht zu passabler Durchschnittsware, doch im Endeffekt ist der Film so dermaßen scheiße, dass er wieder halbwegs gut ist. Wenn man den Film nicht ernst nimmt, überhaupt nichts erwartet und im Gehirn den Denkmodus deaktiviert kann er durchaus Laune machen. Denn komischerweise hab ich mich oftmals besser unterhalten gefühlt als bei "Art of War"... wahrhaft seltsam, oder?

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