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DER TEXANER

Farmer Josey Wales verliert durch im amerikanischen Bürgerkrieg umherziehende Outlaws seine Familie und er wird selbst ein Bandit. Nach dem Sieg der Nordstaaten bietet man ihm und seiner Räuberbande eine Amnestie an und bis auf Josey nehmen alle dankbar das Angebot an. Doch es ist eine Falle, alle werden getötet. Im letzten Moment rettet Josey noch einen verwundeten Halbstarken und macht sich mit ihm auf die gefährliche Reise nach Mexico. Gejagt von Soldaten und Kopfgeldjägern sind sie nirgendwo sicher und, von den Strapazen der Flucht entkräftigt, stirbt der Junge schließlich. Josey zieht allein weiter. Auf seinem aussichtlosen Ritt zieht er allerhand Bedürftige an, die ihm folgen werden, zwei Indianer, zwei Farmersfrauen und einen Hund. Auf einer Ranch endet Joseys Reise schließlich, aber die Vergangenheit holt ihn wieder ein und Josey muß sich entscheiden...

"The Outlaw Josey Wales" ist kein herkömmlicher Western, das ist mal klar. Die Actionszenen ergäben zwar zusammengerechnet einen ganzen "richtigen" Western ab, verteilt auf 130 Minuten (!) wirken sie aber nicht als hauptsächlicher Träger des Films und das sollen sie wohl auch nicht. Der Film ist, und das ist nicht als Wertung zu verstehen, eher eine Vorstufe zum realistischeren Western a la "Erbarmungslos" oder "Open Range". Regisseur und Hauptdarsteller Eastwood hat wohl erkannt, daß der klassische Western im Sterben liegt, der zeitliche Hintergrund aber dennoch genug Stoff für eine gute Geschichte hergibt. So ist der Film denn auch mehr als ideologischer Western zu verstehen, genauer: eine anarchistische Parabel: Am Anfang sehen wir Josey Wales an der Menschheit verzweifeln und sie hassen lernen. Er gibt alles auf, Moral, Menschlichkeit, Glauben. Doch schließlich hat er es geschafft, ist ein freier Mensch geworden. Aber diese Freiheit ist kein Dauerzustand, das merkt er bald, ist nur Zwischenstation, notwendiges Mittel um sich wieder zu binden, sich in Abhängigkeiten, in Gefangenschaften zu begeben. Wo er sich selbst misstraut und nicht glaubt, hilft er anderen wo er kann und hat am Ende einen ganzen Zirkus an Leuten um sich. Sehr schön ist das Gespräch mit Ten Bears, dem Comanchen-Häuptling, wenn er über die Lügen und das Nichtfunktionieren von Regierungen polemisiert -- der Mensch kann sich nur selbst regieren. Das ist es auch was Ten Bears meint, als er Josey auseinandersetzt, daß es gut sei, wenn einzelne Krieger über Leben und Tod zu bestimmen hätten. Ein furchtbarer, viele Hunderttausende das Leben kostender Bürgerkrieg ist das Ergebnis von Herrschern, mit zuviel Macht; einzelnen Kriegern wäre das nicht passiert.
Eine schöne Metapher gegen den Kapitalismus als einziges Lügengebilde zeigt Eastwood uns in Form eines in weiss gekleideten fahrenden Händlers, der den Leuten sein Wunderelexier andrehen will und jedesmal wenn Josey ihm über den Weg läuft, wird seine ach so weisse Weste schmutzig, bekommt von Josey einen gut durchgekauten Priem Kautabak verpaßt oder landet ganz in der Scheiße.
Die Figuren des Films wirken alle durchweg glaubhaft und sind von den jeweiligen Schauspielern überzeugend dargestellt. Dazu haftet dem Film ein ruhiger und lakonischer Witz an, der nicht zu schlagen ist (die Running Gags mit dem zivilisierten Cherokee-Häuptling z.B.). Die Kameraarbeit ist ebenfalls mehr als passabel, die wunderschönen Wälder (am Anfang, das Eingeengte des Helden symbolisierend) und menschenleeren Prärien (zum Schluß, für die Befreiung stehend) sind gut eingesetzte Metaphern. Dazu gewinnt der Film durch seine Länge, den Road Movie-haften Charakter und die Wandlung des Helden vom blutdürstigen Outlaw zum kosmopolitischen Philantropen schnell epischen Charakter. Und daß Eastwood 130 Minuten lang den Film zu tragen in der Lage ist, bezweifelt wohl Niemand.

Fazit: Sehr schöner, teils brutaler Spät-Western mit lehrhaftem Charakter. Für mich einer der besten Eastwood-Filme.

10 von 10 Punkten

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