So nun, die 70er....
Was soll man dazu noch sagen...
Auch filmtechnisch wurde versucht, neue Wege zu beschreiten.
So auch im Western.
Nachdem die kurze Italowestern-Welle abgeebt war, gab es im Mutterland des Western in den 70ern ein paar Western, die anders waren als alle bisherigen, besonders hervorzuheben sind hierbei The Wild Bunch und Pat Garret jagd Billy the Kid, beide von Sam Peckingpah.
Dieser neue Western verklärte diese Zeit nicht mehr, stilisieren tat er auch nicht mehr so sehr, dass es cool wirkte, sondern nur um die Häßlichkeit des Tötens oder der Machtmechanismen und der Hilflosigkeit des Individuums gegenüber dem System aufzuzeigen. Der lonesome Cowboy war eine aussterbende Gattung.
Ähnlich wie der Western selbst. So kam es nicht von ungefähr, dass der Western mittlerweiel schwermütig und absolut nicht mehr locker wirkte.
Hinzu kam der Aspekt, dass man sich ganz langsam auch seiner Verantwortung zu stellen begann und dem gemeinen Indianer nunmehr ein wahrhaftsgehaltvolleres Bild des Indianers entgegenzustellen begann.
Außerdem hatte man gerade in Vietnam verloren und war schon, zumindest was die Position im Weltgeschehen anging, orientierungslos.
In diese Ära fällt auch der Texaner.
Er ist schwermütig, er ist geprägt von einer Art Multikultiaussage in der Art, dass man mit den Indianern, und allen anderen Menschen in Frieden leben kann und muß.
Gleichzeitig ist sein Protagonist entwurzelt verloren, desillusioniert, braucht neuen Halt, um sich im Leben zurecht zu finden.
Schwermütig und sehr langatmig zieht sich der Film hin bis zum obligaten Showdown, den Eastwood in ähnlicher Form in mehreren Western abliefert. Bis dorthin hat Eastwood zwar ein paar nette Überraschungen und Wendungen parat, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass man extrem viel Sitzfleisch benötigt, um den Film durchzustehen.
Schlecht ist der Texaner nicht, im Gegenteil er ist verdammt gut, nur er ist ein bißchen zu unspektakulär inszeniert. Er nimmt sich zu viel Zeit, die diversen Nebencharaktere liebevoll aufzubauen, was einem Charakterfilm absolut gerecht würde, aber einem Western? Er wird immer dann richtig großartig, wenn Eastwood sich selbst als coolen Killer in Szene setzen kann, aber das kann den Film nun mal nicht so ganz retten.
Für Filmkomplettisten muß man dennoch sagen: Es gibt einen Dialog, der fast 1:1 übernommen wird im späteren Meisterwerk Erbarmungslos, mit einer gewissen nuancierten Änderung: Es geht um die Reihenfolge des Tötens von mehreren Gegnern...
Dennoch, zu düster, zu langatmig, zu gemächlich, um wirklich zu fesseln.
Und doch, zu gut, zu ambitioniert, zu cool, um wirklich nur mittelmäßig zu sein.
Ein richtig ambivalenter Film, den ich persönlich nicht so gerne schaue, aber dem ich seine Qualitäten nicht absprechen kann oder mag.
Hier wird aber auch mit zum ersten Mal mehr als nur deutlich, was Eastwood eigentlich als Regisseur zu leisten in der Lage ist...
Prinzipiell kann man diesen Film als seinen virtuellen ersten Teil von Erbarmungslos ansehen.
Dessen Klasse erreicht dieser Film jedoch zu keiner Zeit.
Besser als vieles andere zu diesem Thema ist er dennoch: 7 Punkte