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"Gone to Texas" von Forrest Carter musste als Vorlage für diesen Western herhalten. Philip Kaufmann (Die Wiege der Sonne, Indiana Jones - Jäger des verlorenen Schatzes) schrieb das Drehbuch und war auch als Regisseur geplant. Doch ziemlich zu Beginn der Dreharbeiten übernahm dann Clint Eastwood (Gran Torino, Dirty Harry) diesen Posten und liefert mit "Der Texaner" seine fünfte Regiearbeit ab. Neben "Pale Rider - Der namenlose Reiter" zählt diese zu seinen schlechtesten Werken, wie durch ein Wunder erhielt der höchstens brauchbare Score von Jerry Fielding sogar eine Oscar-Nominierung.

Nachdem einige Redlegs-Guerillas unter Captain Terrill (Bill McKinney) Frau und Kind von Josey Wales (Clint Eastwood) grausam ermordeten und seine Farm zerstörten, schwört er ihnen Rache und wird zum Outlaw. Er verweigert sogar die Amnestie, welche man den Gesetzlosen anbietet und macht sich so zu einer der meist gejagten Männer des Landes. Nicht nur Terrill ist plötzlich hinter ihm her, sondern auch sein alter Weggefährte Fletcher (John Vernon). Doch Josey erhält bei seiner Flucht unerwartet Hilfe vom Indianer Lone Watie (Chief Dan George) und rettet Laura Lee (Sondra Locke) und ihrer Mutter (Paula Trueman) das Leben. Vielleicht der Auftakt für einen Neuanfang, doch Josey hat immer noch seine Häscher im Genick.

Eastwood fackelt hier nicht lange und lässt den Überfall auf die Farm seines Charakters schon in den ersten drei Minuten passieren. Captain Terrill steht von Anfang an als Täter fest, doch dieser nutzt die Amnestie und steht nun auf der Seite des Gesetztes. So schließt sich Josey nach einigen Schießübungen einer Gruppe von Gesetzlosen an, so kommt auch Fletcher ins Gespräch, der diese Gruppe leitet. So gibt es storytechnisch nicht viel zu berichten, im Endeffekt zählt Joseys Rache an den Mördern seiner Familie. Nachdem er die Amnestie verweigert, steht Josey natürlich ganz oben auf der Suchliste der Truppen, aber auch Kopfgeldjäger machen ihm das Leben schwer. Spannung will dabei höchst selten aufkommen, denn Josey hat stets alles im Griff. Seine Gegner halten lieber lange Reden, oder benehmen sich derart dilettantisch, dass Josey einfaches Spiel hat. Doch zwischen den kleinen Jagden oder Shootouts, hat "Der Texaner" alle Mühe den Zuschauer bei der Stange zu halten. Unterstützt durch ein paar zynische Onliner oder die Einführung sympathischer Charaktere reicht es trotzdem nicht aus, um die zahlreichen Lücken zu stopfen, wer hier einen straighten Rachewestern erwartet, dürfte ziemlich enttäuscht sein.

Man reitet von Ort zu Ort, gabelt unterwegs noch eine Indianerin auf, im letzten Drittel tauchen dann Laura und ihre Grandma auf, welche die Farm eines toten Verwandten übernehmen wollen. Eine Lovestory wird nur angedeutet und nicht zelebriert, das hätte diesen gut zweistündigen Beitrag noch mehr in die Länge gezogen. Schließlich legt sich Josey noch mit ein paar Banditen an, die kurzen Schusswechsel sind dann erfreulicherweise sehr kompromisslos in Szene gesetzt. Richtige Höhepunkte gibt es dabei nicht zu bestaunen, Eastwoods MG-Einsatz ziemlich zu Beginn kann sich sehen lassen, das Finale ist aber zu unspektakulär. Clint Eastwoods Performance geht dabei in Ordnung. Er gibt den Outlaw Josey Wales, der sich den Kautabak massenweise in die Schnauze schiebt und trotz seiner kompromisslosen Art das Herz am rechten Fleck hat. Doch die Gegnerseite bleibt mit John Vernon (Curtains - Wahn ohne Ende, Space Invaders) und Bill McKinney (The Green Mile, Pink Cadillac) recht blass.

Ein harter und zweitweise auch recht düsterer Western, der jedoch schlichtweg zu lang geraten ist. Die Story ist schnell erzählt, offenbart keine Überraschungen, höchstens Eastwoods Zynik vermag zu gefallen. Zwischen den Schusswechseln ist das Geschehen nicht durchweg interessant und die Darsteller haben deutlich mehr auf dem Kasten, als sie hier zeigen.

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