Mittlerweile gehört es beinahe zum guten Ton, nicht mehr über Zombies zu sprechen, sondern über die Seuche und die Infizierten.
So ist diese französische Variante von „28 Days Later“ auch recht sicher im Umgang mit der Bedrohung der Menschheit, findet aber zu selten die ausgewogene Balance zwischen Action und Liebesdrama. Dadurch geht dem Stoff eine Menge Potential flöten, denn allein die Optik beweist, dass da durchaus mehr drin gewesen wäre.
Ohne Vorgeplänkel wird man sogleich mitten ins Geschehen geworfen, als Krankenschwester Sonia, ihr Freund Marco, eine Soldatin und ein Schwerverletzter auf der Flucht mit dem Ambulanzwagen sind. Irgendwo in der Nähe soll es ein sicheres Militärlager geben, doch neben den Infizierten kann man auch der Soldatin nicht trauen. Kurz darauf wird Marco gebissen und die gegen die Seuche immune Sonia muss nicht nur gegen die fortschreitende Mutation ihres Geliebten ankämpfen…
Zunächst fokussiert sich die Handlung stark auf die Verletzten und Infizierten und lässt die Bedrohung durch die Angreifer eine Weile außen vor. Dabei wird Hauptfigur Sonia allerdings nur oberflächlich charakterisiert, was im Verlauf zum Problem wird, da es zwar nicht unbedingt an Interaktionen mangelt, der hastige Einstieg jedoch eine Distanz zu den Figuren aufbaut, die später schwer zu durchbrechen ist.
Sonia ist eine Kämpfernatur, als Krankenschwester mit Hingabe aktiv, weiß aber auch in entscheidenden Momenten Prioritäten zu setzen, was das Überleben in einer verseuchten Umgebung ja bereits ungemein erleichtert.
Nur die intimere Beziehung zu Marco wird besonders während des Einstiegs sträflich vernachlässigt.
Auf der anderen Seite kann das Setting von Beginn an eine dichte Atmosphäre vermitteln.
Die verschneite Winterlandschaft, die Einsamkeit der schlichten Gegend, dazu die kühle Farbgebung mit beinahe isolierendem Blaustich und eine Sounduntermalung, welche fast latent in ruhigen Sphären schwebt, - das ist zwar nicht so wuchtig, wie menschenleere Straßen in London, reicht aber aus, um die Bedingungen des Sujets glaubhaft erscheinen zu lassen, ohne dass Hintergründe der Seuche eingehend erläutert werden.
Stark und eindringlich ist der Stoff besonders während des Zusammenspiels zwischen Sonia und Marco, primär im Zuge seiner Infektion. Szenen erinnern teilweise an „Wenn der Wind weht“, als ihm Zähne ausfallen und die Haare immer weniger werden.
In dieser Phase konzentriert sich die Handlung ausschließlich auf diese beiden Personen und lässt die Außenwelt (als man sich in ein abgelegenes Sanatorium zurückziehen kann) völlig außen vor.
Danach kommt es jedoch zum Break, der nachfolgend zu sehr Genrekonventionen bedient und die eher emotionalen Momente hinter sich lässt.
Denn um etwas Action kommt man nicht herum, lässt hier und da gewaltig Blut spritzen und Gedärm durch die Gegend verteilen, auch im Zuge einiger Einschüsse, insbesondere deutlicher Kopf-Treffer. Ferner kommt es zu einigen durchaus spannenden Zweikämpfen, während ein paar Personen etwas verspätet in die Handlung integriert werden, damit nicht alles auf Sonias Schultern lastet.
Dabei fällt die solide Maske ins Auge, aber auch die Kamera, die, wenn sie nicht gerade unbarmherzig während einer Verfolgung wackelt, ein paar gelungene Perspektiven bietet.
Auf visueller Ebene gibt es in der Tat keine nennenswerten Kritikpunkte.
Für sich betrachtet sind auch die beiden wesentlichen Schwerpunkte der Erzählung ordentlich in Szene gesetzt, - nur harmonisieren sie nicht besonders gut miteinander.
Denn als die Zweisamkeit des Paares von weiteren Personen unterbrochen wird, kommt die Action zwar ordentlich zur Geltung, doch der angefangene Part wird nicht konsequent zu Ende geführt, auch wenn ein paar der finalen Einstellungen aufgrund von Körpersprache noch einmal Emotionalität ins Spiel bringen können.
Insofern auch schade, als dass die Darstellerriege einige markante Gesichter impliziert, welche durchaus glaubhaft bei der Sache sind.
Dennoch zählt dieser Streifen nicht zum Einheitsbrei fast wöchentlich erscheinender Gurken, die mit wenig Budget nur auf Suche nach lechzenden Splatterfreunden sind.
Zwischen den Zeilen gibt es da schon ein paar denkwürdige Szenen, einen überzeugenden visuellen Stil und fast poetisch anmutende Nuancen.
Nur leider ist die Mixtur etwas unausgegoren, die im Gesamtbild zwar einen positiven Eindruck hinterlässt, gleichermaßen aber aufzeigt, dass mit der verstärkten Konzentration zweier Schicksale deutlich mehr drin gewesen wäre.
6,5 von 10