Review

Wer kann es unserem Sly schon verdenken, dass er sich zu dieser Rolle hinreißen lies? Zielsicher auf die 50 Lenze zulaufend, war er Mitte der Neunziger darum bemüht sein Image zu variieren, weil sein standesgemäßer Typus im Kino nicht mehr gefragt war. Ich an seiner Stelle hätte damals jedenfalls auch nicht lange gefackelt, wenn mir die Chance offenbart worden wäre mit der seinerzeit heißesten Blondine Hollywoods, nämlich Sharon Stone, die vorweg in „Basic Instinct“ und „Sliver“ stolz ihre Berge und Täler präsentierte, heiße Duschszenen und Stellungskriege zu fabrizieren.
Auch wenn „The Specialist“ für Stallone der Beginn einer Serie höchst mittelmäßiger Filme (es folgten „Judge Dredd“ und „Daylight“) war, so sehe ich ihn hier immer noch lieber, als in seinen reinen Comedyausflügen der Marke „Oscar“ oder „Stop! Or My Mom Will Shoot“. Dennoch kommt man als Fan hier nur marginal auf seine Kosten, weil abseits der bombastischen Explosionsorgien, die vor allem im Finale gefallen und von den „Blown Away“ – Pyrotechnikern durchgeführt worden sind, nur ein in höchstem Maße schwülstiger Thriller bei herauskommt.

Regisseur Luis Llosa („Sniper“, „Anaconda“) müht sich zumindest, innerhalb seines beschränkten Talents den verkorksten Stoff, basierend auf den Romanen von „The Crow“ – Schreiberling John Shirley und adaptiert von Alexandra Seros, der mit „Point of No Return“ vorweg ein ähnlich belangloses Drehbuch ablieferte, einen attraktiven Anstrich zu verpassen und lässt Vorzeigekameramann Jeffrey L. Kimball („Top Gun“, „Wild Things“) im Stil von „Miami Vice“ schalten – alles schön farbenfreundlich, hell und hochglänzend, als wären wir in der Werbung von unserer „German Kleinigkeit“ (*hüstel*), auch Raffaelo genannt.

Da trifft es sich natürlich günstig, dass in Miami Ray Quick (Das hört sich irgendwie nach Pornodarsteller an...) seinen Dienste anbietet. Der ehemals im Dienste der C.I.A. seine Arbeit verrichtende Zündelmeister konnte den Job nicht mehr mit seinem Gewissen in Einklang bringen und verdingt sich deswegen nun als freischaffender Künstler, der sich für seine Sprengaufträge bezahlen lässt. Seine aktuelle Klientin May Munro (Stone) ist eine verbitterte Frau, die die Mörder ihrer Eltern zur Rechenschaft ziehen will. Die sind zufällig Unterweltgrößen von Miami, werden von einem mies spielenden Rod Steiger („The Amityville Horror“, „Modern Vampires“) als Papa und Eric Roberts („Runaway Train“, „Best of the Best“) als dessen Nachwuchs verkörpert und halten sich neben dem lokalen Polizeichef auch noch Ned Trent (James Woods, „Salvador“, „Vampires“), der zufällig Rays Lehrer war und nun sein Erzfeind ist, als Sicherheitschef. Da freut sich natürlich sein Gewissen. Wozu also noch Skrupel?

So ganz ohne Potential ist diese Konstellation allein schon rein von den Namen sicherlich nicht, doch heraus kommt leider nur schwafelnder Murks, denn Ray lehnt den Job zunächst ab, fühlt sich aber von May angezogen. Die ergreift selbst Initiative und lässt sich von Tomas (Roberts) anbaggern, um ihn während der günstigen Gelegenheit kalt zu stellen. Das Elend kann Ray dann wiederum nicht mit ansehen. Dazwischen dann immer wieder viel Geschmachte. Ray schmachtet nach May, May nach Ray, Tomas nach May und Trent nach Geld. Unmengen schwülstiger Telefongespräche und soweit in Ordnung gehender Erotikszenen später, ist der Film immer noch nicht von der Stelle gekommen. Abseits der Rayschen Sprengstoffanschläge, die jeweils Tomas Mannen dezimieren, passiert rein gar nichts. Die Diskotheken, Bars und Prunkanwesen, die während der Schmalspurhandlung besucht werden, sehen zwar alle schwer nach Geld aus, aber irgendwann hat man sich dann auch an der Optik satt gesehen.

Deswegen reicht es Woods wohl irgendwann auch und er explodiert wie ein Vulkan, chargiert wo geht und führt sich auf wie ein Choleriker auf Speed, der gleich mal flugs für feuchte Hosen in der Sprengstoffabteilung sorgt und zur Jagd bläst, damit Ray nicht auch noch seinen Arbeitgeber (weg)bläst. Mit ihm kommt dann auch endlich etwas Schwung in die Sache.
Insgesamt ist das allerdings alles viel zu vollgeklatscht und aufgeweicht mit dem unglücklichen Beziehungsgeschmalze zwischen Sly und Sharon, die ihn dann verrät, obwohl sie das gar nicht will, ihren Tod vortäuscht und dann wieder in Neds Hände gerät.

Sly selbst spult seinen Part solide ab und gibt sich überraschend professionell in den Erotikszenen (Wir wissen ja wie er seine Karriere begann *gg*). Die zu engen Jeans im chlorfrei gebleichten Look waren eigentlich seit den Achtzigern nicht mehr ganz so modern und sein ewiges Schwitzen ist auch etwas over the top, aber dafür darf er wie in alten Zeiten auch mal einer Meute Bus-Rowdys den Ausgang durch die Glasscheibe zeigen und stolz seinen muskulösen, durchtrainierten Oberkörper (Mit 48 net schlecht...) präsentieren. Nur warum dazu die hauchenden Telefonanrufe von May anhören? Seltsame Art der Meditation.

Mitnehmen kann man aus dem Film letztlich nur Optik und Pyrotechnik, denn alles andere ist hier für die Katz’ gewesen. Die Schuld trifft dabei nur in zweiter Instanz Llosa, weil er es nicht ansatzweise schafft, diesem hochlangweiligem Plot um Rache und Liebe einen Schuss Dramaturgie zu spritzen, sondern eine verquaste Sülzorgie loslässt, in der sich jeder nach etwas sehnt, aber dank der Ausdruckslosigkeit der Darsteller gar keine Emotionen keimen. Die Hauptlasten trug aber das Drehbuch, das schon rein von der Idee auf wenig Gegenliebe bei mir stößt, weil es sich weder großartig für seine Figuren interessierte (Paranoia-Sly wohnt in einer zugeminten Lagerhalle!), noch im Stande dazu war, den Einzelschicksalen die nötige Tragik abzuringen Das sollte in Bezug auf Sly später in „Assassins“ beispielsweise wesentlich besser funktionieren.


Fazit:
„The Specialist“ ist geradeso noch so mittelmäßiger ein Thriller, weil ich nun mal bekennender Sly-Fan bin und die Arbeiten der „Blown Away“ – Feuerwerker einiges fürs Auge bieten. Abseits des köstlichen Woods herrscht hier aber schauspielerisches Niemandsland, denn Sharon Stone tut nur das was sie damals stets gut konnte (Verführerisch aussehen, heulen und sich ausziehen), Eric Roberts hat seine Qualitäten anderswo und Stallone selbst ist für solche Rollen nun mal nicht geschaffen. Völliges Versagen muss hingegen dem Drehbuchautor attestiert werden, weil sein statisches Geschreibsel zwischen verzehrender Liebe und Rachepfad wirklich zum Bodensatz Hollywoods gezählt werden darf. Auch die einsilbigen Tonlagen von Ex – Bond – Komponist John Barry („Octopussy“, „A View To Kill“) gehört in den Recyclingpool. Luis Llosa kann einem fast Leid tun – aber eben nur fast.

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