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Nach dem Hund sind sie die besten Freunden des Menschens, zumindest aus der Sicht ihrer Liebhaber: Die Katzen. Die schmussigen, verspielten Vierbeiner, die des Nachts nach Mäusen jagen und am Tage schlafen, sind für alle Hundehasser das ideale Haustier. Aber auch Katzen können bösartige Triebe haben und wenn man sie ärgert können sie einem Buchstäblich die Augen auskratzen. Katzenliebhaber Akif Pirinçci allerdings wurde durch die Schnurrer reich. Genauer gesagt durch seine Kriminalromane, in der die Katzen, genauer gesagt eine Katze, nämlich Francis, spannende Fälle zu lösen haben. Was sich auf den ersten Blick wie eine naive Kindergeschichte anhört, entpuppt sich beim Lesen allerdings als eine der spannendsten und fantasiereichsten Kriminalreihen aller Zeiten. Selbst ich, als bekennender Buchhasser, habe mich bis jetzt durch alle Felidae-Romane genussvoll durchgelesen. Und auch Zeichentrick-Regisseur Michael Schaack muss wohl ein großer Freund dieser Bücher sein, ansonsten wäre seine Verfilmung des ersten Romans wohl nicht so grandios ausgefallen wie hier. Denn "Felidae" gehört definitiv mit zu den besten Animationsfilmen für Erwachsene überhaupt.

Schon die Story dürfte jedem Fan der Bücher mit Freuden auffallen, denn Schaacks Film hält sich wirklich unglaublich nah an die Buchvorlage. Wie im Buch, so geht es auch im Film um Kater Francis, der mit seinem Herrchen in eine neue Stadt zieht. Dort angekommen freundet er sich mit dem zwielichtigen Blaubart an, der ihn in das düstere Großstadtleben einführt, in der sich in letzter Zeit die Morde an Katzen häufen. Nachdem man sich Anfangs natürlich im klaren ist, dass daran nur ein "Dosenöffner" (Die Bezeichnung der Katzen für Menschen) schuld sein kann, fängt Francis daran zu zweifeln, als er eine mysteriöse Katzensekte entdeckt. Seine stupsige Spürnase ist aktiviert... Wunderbar, nicht anders kann man das Drehbuch von Martin Kluger und Akif Pirinçci selbst zu "Felidae" bezeichnen. Wirklich nahezu jedes Detail, des nicht allzu dicken Buches, wurde übernommen, nur wenig musste der Schere zum Opfer fallen. Sowohl die Kriminalkomponenten, als auch die sozialkritischen Töne wurden fein säuberlich eingebaut und verfehlen ihre Wirkung beim Zuschauer nicht. Dazu ein sympathischer Aufbau der Charaktere und vieles mehr. "Felidae" ist in Sachen Buch zu Drehbuch-Umsetzung wirklich so gut wie nur irgend möglich gelungen.

Aber auch was die Zeichentrickqualität angeht wurde saubere Arbeit geleistet. Zu Zeiten in denen der Computer noch maximal eine Hilfestellung darbot und nicht das einzige Instrument zum Animationsfilmen erstellen war, haben Schaack und seine "Maler" wirklich exzellentes und visuell mitunter atemberaubendes geleistet. Egal ob man die "normalen" Animationen nimmt, in denen Francis seine Spuren verfolgt, oder Francis Alptraumsequenzen, in denen die genauso absurde wie packende und überzeugende Umsetzung seiner Alpträume wirklich auf ideale Weise aufs Zelluloid gezaubert wurde, man kommt manchmal nicht umher, um sich vor erstaunen die Augen zu reiben. Vor allem die mitunter sehr dreck wirkende Atmosphäre des Romans kommt unglaublich gut rüber. Triste Straßen, marode Häuser, wolkenbehangener Himmel und dazwischen immer wieder einige haarsträubende, vor Blut nur so triefende Bilder, die die ab 12-Freigabe zu einem schlechten Scherz der FSK machen. Kinder sollte man mit diesem Werk jedenfalls nicht unbeaufsichtigt vor der Glotze sitzen lassen.

Abgerundet wird das Ganze dann noch durch seine gelungene Synchronisation, die ebenfalls durchgehend überzeugt und mitunter schon Disney-Qualitäten erreicht. Egal ob man nun Ulrich Tukur, Mario Adorf, Klaus Maria Brandauer oder Uwe Ochsenknecht nimmt, jeder haucht seiner entsprechenden Figur aufs glaubwürdigste das Leben ein. Und selbst Helge Schneider, der schon beim "kleinen Arschloch" für Erstaunen hinter dem Synchro-Mikro sorgte, legt eine exzellente Leistung als Jesaja hin. Kurz gesagt, auch in diesem Punkt ist diese Romanumsetzung schier perfekt.

Fazit: Wohl eine der gelungensten Romanverfilmungen aller Zeiten. "Felidae" überzeugt eigentlich in allen Punkten und gibt keinerlei Anlass zur Kritik. Egal ob es das Drehbuch ist, welches dem Roman wirklich unheimlich nahe kommt, die sauberen und mehr als atmosphärisch ausgefallenen Animationen oder die wunderbare Synchronisation, "Felidae" legt in allen Punkten sauberste Arbeit ab, die sowohl bei den Romankennern, als auch bei Unkundigen super ankommen müsste. Spannend, schweißtreibend, tiefgründig und dabei aber mitunter auch sehr blutig, stellt dieser Zeichentrickfilm wirklich beste Unterhaltung für den erwachsenen Zuschauer dar. Kinder, selbst 12-Jährige, sollte man aber lieber davon fern halten.

Wertung: 9/10 Punkte

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