Harter und ungeschönter Thriller der leider der Realität entspricht
Es beginnt mit Bildern wie sie auch einem Serienkiller-Horrorfilm entnommen sein könnten. Hart, rau, ungeschönt, brutal – so wie die Wirklichkeit in der Stadt Ciudad Juárez. DAS PARADIES DER MÖRDER präsentiert sich als gnadenloser Thriller, ohne humoristische Auflockerung, ernst bis ins Mark und ohne jeden optischen Schnörkel. Der Film ist kein Beitrag für einen mal eben unterhaltsamen Abend in der gewohnten feinsinnigen Auflösung eines normalen Kriminalfalles. Er ist ein politisches Statement der menschenverachtenden Zustände im mexikanischen Grenzgebiet und vieler ähnlicher Städte im Umfeld, welches aufgrund der grausamen Realität noch nachwirkt und wirklich alles andere als Mainstream ist.
Fast im Kontrast dazu gibt es sehr stimmungsvolle Bilder des trockenen Umlands, der riesigen slumartigen Vorstädte und fast surrealer Landschaften. Schauspielerisch steht Blanca (Ana de la Reguera) in der Mitte der Geschichte um aberdutzende nicht aufgeklärter Morde an jugendlichen Frauen. Als Cop muss sie versuchen das beste daraus zu machen, trotz Differenzen mit Ihren höheren Vorgesetzen, den Anforderungen der Politik und ihrer Stellung als Frau welche – als eines der Grundübel der dortigen Gesellschaft – noch weniger wert ist als es schon ein Menschenleben im Überlebenskampf sowieso schon ist.
Dazu kommen noch die ausbeutenden Zustände der ausländischen Unternehmen im Kampf um die Vorherrschaft im Billiglohnsektor. Blanca stellt sich mutig gegen all diese Herausforderung und agiert in dieser Hauptrolle jederzeit authentisch ohne übertriebenen heldenhaften Pathos wie man ihn sonst in ähnlichen (US-) Werken mitgeliefert bekommt. Sie ist quasi eine mexikanische Ausgabe von Julia Roberts, eben nur nicht so vordergründig attraktiv und auf Äußerliches bedacht, sondern glaubhaft und in der Realität der sozialen Umstände des Landes angepasst.
DAS PARADIES DER MÖRDER steht damit angenehm diametral zu den sonstigen US-Hochglanzthrillern oder der europäischen Eleganz entsprechender Beiträge. Somit kann ich DAS PARADIES DER MÖRDER nur für Freunde des unentdeckten Films empfehlen, die sich auch abseits von eingetretenen Filmpfaden wohlfühlen. Der unausweichliche Schrecken des Films wird dadurch potenziert, dass es keine Lösung der realen Situation gibt, sämtliche auch im Film besprochenen Ansätze einer Milderung der Situation scheitern in der Umsetzung und sind nur Lippenbekenntnisse einer machtlosen Politik.
Entscheidend könnten langfristig nur Faktoren wie nachhaltig erhöhte Bildung und die versuchte Zurückdrängung des kulturell vorherrschenden pervertierten Machotums für eine Verbesserung der Situation sorgen. Dieser wahrlich aussichtslose Zustand der Situation verleiht DAS PARADIES DER MÖRDER den bedrückenden depressiven Charakter und macht ihn zum absoluten Gegenteil eines Feelgood-Movies. Dies wird nach apokalyptischen Schlussbildern im Abspann auch noch mal in erschreckender Weise durch Texttafeln mit den stark steigenden realen Opferzahlen ähnlicher Morde dokumentiert.
7,5/10 Punkten