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Mit „Inferno in diretta“ hat Ruggero Deodato einen italienischen Abenteuerfilm fabriziert, der aber nicht mehr viel mit seinem Erfolgsfilm „Cannibal Holocaust“ gemeinsam hat.


Irgendwo in Kolumbien. Weit weg von der Zivilisation und insbesondere von der Polizei können Drogenhändler ihrer Arbeit nachgehen. Doch plötzlich taucht eine Gruppe von Kannibalen auf, angeführt von einem glatzköpfigen Mann, die die Gruppe umbringt.
Zur selben Zeit in New York berichtet die Reporterin Fran (Lisa Blount) mit ihrem Kameramann Mark (Leonard Mann) über ein kleines Massaker in einer Wohnung.
Fasziniert von der Story, machen sich Fran und Mark auf den Weg nach Südamerika. Sie wollen mehr erfahren und insbesondere ein Interview mit dem todgeglaubten Col. Brain Horne (Richard Lynch) führen. Da sie auf einem Foto auch noch den Sohn ihres Bosses entdecken, steht der Reise in den Urwald nichts im Wege. Es dauert nicht lange, da werden die beiden auch gejagt...


Nun ja, so sieht er halt aus, der inoffizielle Nachfolger von Deodatos Machtwerk „Cannibal Holocaust“. Zunächst sollte gesagt werden, dass Deodato nie geplant hatte, einen zweiten „Cannibal Holocaust“ zu drehen. Dies merkt man „Inferno in diretta“ auch an. Sicherlich, hier gibt es Buschmänner oder Kannibalen, wie immer man sie bezeichnen will, aber sie spielen keine tragende Rolle mehr wie noch in „Cannibal Holocaust“. Auch verzichtete Deodato auf irgendwelche Tiertötungsszenen, die man aus dem Vorgänger kennt und hasst.
Ähnlichkeiten sind aber auch vorhanden, denn wieder machen sich zwei Menschen auf den Weg, um live aus dem Urwald zu berichten. Doch erreichen diese Berichte nie den Realismus des Vorgängers, so was war auch nicht zu toppen.

Schauspielerisch ist „Inferno in diretta“ jedenfalls gelungen. Sicherlich hat man hier nicht die creme de là creme der amerikanischen Schauspielkunst, aber auch nicht zu der untersten Klasse. Namen wie Lisa Blount, Karen Black, Richard Lynch oder Michael Berryman sagen dem etwas interessiertem Zuschauer schon was. Von der Seite her ein gutes Casting von Deodato.
Wunderschön sind auch die Bildaufnahmen von Deodato. Ab und zu gibt es immer wieder Einstellungen , die die wunderbare Welt Südamerikas zeigen. Hier zeigt Deodato auch sein Gespür für schöne Bilder.

Die Musik stammt von Claudio Simonetti, einer von der Goblin-Gruppe, die uns schon so manchen wundervollen Score für einen italienischen Film geliefert haben. Auch der Soundtrack von „Inferno in diretta“ überzeugt. Simonetti hatte versucht, auch etwas südamerikanischen Schwung in den Score zu bringen, was ihm auch gelungen ist.

„Inferno in diretta“ wurde in zwei Versionen gedreht. Einmal gab es eine softere Fassung mit anderen Einstellungen und fehlenden Gewaltszenen. Daneben noch die italienische Hartfassung, welche um einiges mehr an Gewalt liefert. Jedoch liefert Deodato hier keinen Splatterfilm ab, die Effekte werden da eingesetzt, wo sie eben benötigt werden und wirken nicht selbstzweckhaft. Hier wird also nicht rund um die Uhr gemetzelt. Die Trick kann man als sehr gelungen bezeichnen, sie wirken in keinster Art und Weise billig.


Fazit: „Inferno in diretta“ ist ein gelungener Abenteuerfilm mit harten Szenen. Sicherlich kann der Film „Cannibal Holocaust“ nicht das Wasser reichen, doch wer den italienischen Film kennt und weiß was ihr erwartet, wird auf jeden Fall zufrieden sein. Wer die Kannibalenfilme immer verabscheute, sollte vielleicht mal einen Blick auf diesen Film riskieren. Greultaten wie in den Kannibalenfilmen gibt es hier nicht.

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