Bereits Ende der Achtziger hatte Captain Picard auf den TV-Schirmen die Kapitänskajüte der Enterprise bezogen. Auf der großen Leinwand hingegen dürfte der gute, alte Kirk samt Konsorten noch für ein paar Filme durch die Galaxien kreuzen. Doch Neunzehnhundertvierundneunzig war die Rentnertruppe um William Shatner bereits derart bedenklich nah am Verfallsdatum, dass auch Hollywood sich schließlich genötigt sah, langsam auf die jüngeren Pferde umzusatteln. Doch in "Gedenken" an die altgedienten Kämpfen und Tribut an die Fangemeinde wollte man das wohl nicht als brachiale Hauruckaktion absolvieren. Eine Überleitung, in der der alte Hase Kirk dem... äh... nun, genau genommen dem anderen alten Hasen, nämlich Picard, symbolisch das "Zepter zu übergeben" konnte sollte her. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist der anno ''94 entstandene Film Star Trek - Generations.
Und es war wahrlich keine leichte Aufgabe, der sich die Drehbuchschreiber gegenübersahen. Denn man muß schon einen rechten Spagat hinlegen um die beiden Kapitäne (die sich laut Geschichte ca. zweihundert Jahre voneinander weg bewegen) gleichzeitig in's Bild zu setzen. Diesen vollführten die Macher schließlich, in dem sie (wie so oft) übersinnliche bzw, nicht begreifbare Mächte in's Spiel bringen. Bei diesem Werk ist das der sogenannte "Nexus", eine Art mystischer, durch's All rasender Welle in deren Rahmen Zeit und Wirklichkeit keine Bedeutung haben. Der alte Admiral Kirk wird mit diesem Phänomen konfrontiert, als er als Mitglied einer Ehrendelegation die Einweihung eines neuen Föderationsschiff begleitet. Und als dass Schiff den Kurs der gefährlichen Erscheinung kreuzt, ist es natürlich einmal mehr der entschlussfreudige Ex-Captain, der Schiff und Mannschaft schließlich vor der Vernichtung bewahrt. Mit einem Haken: Der legendäre Sternenfahrer wird dabei vom Nexus verschluckt. Jahrhunderte später widerfährt ein Gleiches auch seinem Nachfolger. Auch die neue Enterprise wird mit dem Nexus unter wenig erfreulichen Umständen konfrontiert, denn der wahnsinnige Wissenschaftler Zoran setzt bedingungslos alles daran, wieder in die heile Scheinwelt zu gelangen, die einem der Nexus vorgaukelt. Dass er dabei potentiell ein ganzes Sonnensystem in Schutt und Asche legt, ist ihm dabei herzlich wurscht. Für Picard gilt natürlich Entgegengesetztes, und so macht er sich heroisch zur Außenmission auf, um den durchgeknallten Doc zu stoppen. Ganz auf sich gestellt gelingt ihm dies allerdings nicht und -schwupps- schon wird auch der smarte Glatzkopp vom Nexus gekascht. Dort durchläuft er eine Reihe von Phantasiewelten, bis er schließlich vor einer Holzhütte im amerikanischen Süden landet. Und vor der hackt, save, sound und bei bester Gesundheit, der legendäre Captain Kirk fröhlich Brennholz. Nachdem Picard dem Alt-Kollegen die verfahrene Situation geschildert hat, tun sich die beiden Kapitäne zusammen und schmieden Pläne für ihre Rückkehr in die Realität und wie Zoran beizukommen ist. Denn immerhin hängen Gedeih und Verderb eines ganzen Sonnensystem von ihnen ab...
Erstaunlich, wie gut und relativ problemfrei es Hollywood gelang, die beiden Captains storytechnisch stimmig auf eine Bühne zu dirigieren. Kompliment! Das hätte wirklich weit schlimmer ausgehen können. - Und nachdem diese schwerste Hürde genommen war, war alles andere fast ein Kinderspiel. Und so darf sich der Fan hier über einen recht gelungenen Star Trek-Streifen freuen, der zwar nicht ganz an die Qualitäten einiger Vorgänger (Teil II, IV und VI seien an dieser Stelle angeführt) heranreichen kann, seine "Brückenrolle" aber bestens meistert. Und das ohne dabei langweilig zu werden oder sonstwie großartig zu entgleisen. Lediglich die Passage mit Data's Emotionschip will mir nicht so recht gefallen. Der Android als lachender Geck? Nicht unbedingt die Idee vor dem Herrn... - Schön aber auf alle Fälle, den alten Kirk noch ein letztes Mal in Aktion zu sehen, er hatte sich diese Hommage wirklich verdient. Und wie es einer solchen Legende gebührt, darf er sich natürlich letzten Endes auch heldenhaft aufopfern und den Tag (bzw. das Sonnensystem) retten. Sehr schön. Sehr gut gelöst. Denn überleben dürfte er schließlich nicht. Wie hätte das auch ausgesehen? Zwei Captains auf der Brücke..... Hm.....
Kirk: "Mr. Data. Steady as she goes..."
Picard: "But the federation's protocoll insists, that in this kind of situation we..."
Kirk: "For Pete's sake! Lighten up, you british son of a..."
Nein, das wäre auf Dauer wohl nicht gut gegangen. Auch wenn es das wohl gewesen wäre, was sich Shatner insgeheim gewünscht hätte. Schließlich streitet er ja mit den Machern des neuesten Star Trek-Films dieser Tage darum, wie Kollege Nimoy auch eine Rolle in dem Werk abzubekommen. Wird aber nix, da sind die eisern. - Doch zurück zum vorliegenden Film: Obwohl nun schon über ein Jahrzehnt alt, weiß auch die Tricktechnik zu überzeugen. Vierundneunzig war die CG-Technik bereits locker soweit gediehen, dass Objekte wie Weltall-Backgrounds, Nexus und NCC-1701 keine weiteren Probleme in der Darstellung machten. Auch in punkto Bildregie und Sound wird solides Handwerk geboten.
F A Z I T :
Star Trek - Generations meistert seine Aufgabe, die Staffelstab-Übergabe an die "neue Generation", zur allgemeinen Zufriedenheit. Trotz des weiten Spagats der von Nöten war um die zeitlich weit auseinander agierenden Kapitäne hier auf's Parkett zu bringen fühlt man sich als Fan und/oder Zuschauer zu keinem Zeitpunkt veralbert, das Ganze funktioniert storytechnisch in sich weitgehend stimmig. Man darf sich mit diesem Film also über ein gelungenes Medley der beiden Generationen freuen, mit dem Legenden wie Kirk und Scott ihre letzten Auftritte in ihren Paraderollen feiern. Und auch wenn der Streifen rein qualitativ und für sich genommen nicht ganz an die Klasse einiger Vorgänger anknüpfen kann: Als Star Trek-Fan sollte man ihn definitiv zumindest einmal gesehen haben. Aber auch "normale Sterbliche" werden an dem Film ihren Spaß haben, wenngleich sie eventuell mit den diversen Charakteren mangels Insiderwissens nicht ganz so viel anfangen können werden. Aber genau genommen: Wer ist schon nicht Star Trek-Fan...