Neues Blut brauchte die Kinoleinwand und deshalb sollte die „alte“ Crew um James T. Kirk (William Shatner) endgültig ausgedient haben und Platz für die „Next Generation“ machen. Anstatt den einfachsten Weg zu gehen und der Nachfolgeserie ein eigenständiges Abenteuer zu spendieren, rief man ein Teil der altgedienten Charaktere zurück, um einen Abschied mit Tränen zu zelebrieren.
So ist die Anfangsviertelstunde auch noch ganz der Vergangenheit gewidmet. Nach Absagen von Spock (Leonard Nimoy) und Pille (DeForest Kelley) war es an Chekov (Walter Koenig), Scotty (James Doohan) und natürlich Kirk (William Shatner) nochmal die Enterprise zu betreten – selbstverständlich nur als Ehrengäste, denn das Trio ist längst in Rente. Ein letztes Mal darf Kirk, nachdem der neue Captain der Enterprise nach einem Notruf schon nicht mehr weiß wo hinten und vorn ist und seinen Vorgänger um Rat fragt, Befehle auf der Brücke geben und schließlich einen mysteriösen Heldenabgang feiern. Dieser erste Abschied in „Star Trek: Generations“ ist eindeutig der Bessere und hätte wohl auch der Ultimative sein können, hätte man ihn nicht so prophylaktisch abgehandelt . Gäbe es für Kirk einen besseren Abgang, als beim heroischen Versuch die Enterprise zu retten sein Leben zu geben?
Wir ahnen, das war noch nicht alles und trotzdem darf die neue Generation erst mal ihre ersten Gehversuche unternehmen. Das Ergebnis wirkt wie ein aus Versatzstücken der Serie zusammengeklebtes Abenteuer, dass sich redlich müht, bloß keinen Fehler zu begehen und allen Charakteren ihren Platz zu lassen. „Star Trek: Generations“ hat in Folge mit dem Problem zu kämpfen sich auch Nichtkennern der Serie anbieten zu müssen und deshalb müssen die ganzen Figuren zumindest in ihren Grundzügen erläutert werden. Leider versteift man sich hier zu fix auf Picard, denn der hat mit einem persönlichen Schicksal zu hadern und ist in seinem ersten Leinwandabenteuer der Enterprise noch längst nicht die unumstößliche Konstante.
Während Ryker, Worf, Troi, Dr. Crusher und Geordi kaum über Kurzauftritte oder bessere Cameos hinauskommen, ist es an Data das Publikum zu unterhalten. Ihm wird sein lang gehüteter Emotionschip eingesetzt, was später dann für einige pointierte Lacher sorgen soll. Doch die Zeit drängt, zwar will die Crew vorgestellt werden, doch nebenher muss auch noch ein Abenteuer bestritten werden. Das ist jede Menge Stoff, der da unter einen Hut gebracht werden will. Serien-Regisseur David Carson ist damit zwar nicht hoffnungslos überfordert, muss aber schnell einsehen, dass er allen Ansprüchen kaum gerecht werden kann.
So wird die Enterprise-Crew auf einer verwüsteten Raumstation mit dem besessenen Wissenschaftler Dr. Zoran (Malcolm McDowell ) konfrontiert. Der will den Nexus, ein quer durch die Galaxie waberndes Energieband, per Planetenverschiebung lenken und sich so in ihn befördern. Dort soll ewiges Glück herrschen. Zwar waren die „Star Trek“ – Skripte nie sehr einfallsreich, so tolldreisten, unlogischen Kram hat sich bisher aber noch kein Autor einfallen lassen.
Während Guinan (Whoopy Goldberg) Picard und Co. noch über Soran und den Nexus aufklärt, macht der schon gemeinsame Sache mit den Klingonen und verspricht ihnen eine Wahnsinnswaffe. Geradlinig (die Laufzeit drängt!) auf das Finale zulaufend, wird dann, als der schrottige, klingonische Bird of Prey listig der Enterprise Saures gibt, ohne dass die zu kontern vermag, mit Bombast geklotzt. Neben einer Abtrennung der Untertassensektion (Warum stößt man den Kern nicht einfach aus?), gibt es noch eine schick getrickste Bruchlandung auf dem nächsten Planeten.
So hübsch das auch alles aussieht, storytechnisch enttäuscht der Film von Minute zu Minute mehr. Picards Argumente gegenüber den Klingonenschwestern sind überkonstruiert und unlogisch, sein Eintritt in den Nexus und vor allem sein Treffen mit Kirk gar nicht mehr nachvollziehbar. Wie geht das? Gleiches gilt für Zorans Raketenplan auf dem Planeten, der turbomäßig plötzlich von statten geht und unerklärt flott durchgeführt wird.
So episch das Zusammentreffen von Picard und Kirk, auch sein könnte, es enttäuscht leider auf ganzer Linie. Auch weil Patrick Stewart neben William Shatner auf einmal völlig steif und verkniffen zu argumentieren anfängt. Trotz netter Naturaufnahmen ist der Ausritt und die damit verbundene Weitergabe an Weisheiten zu langwierig. Die Zeit hätte man hier anderswo dringend nötiger gehabt. Sei es drum, das Duo zieht, nachdem Kirk urplötzlich seine Meinung ändert, aus dem Nexus und tritt (*gähn*, in einer Schlägerei...) gegen Zoran an, so dass der altgediente Charakter ein ihm völlig unwürdigen Filmtod stirbt.
Fazit:
Als Fan der Reihe kann ich „Star Trek: Generations“ trotz seiner offensichtlichen Schwächen immer noch viel abgewinnen – da sind mir die beiden Crews doch zu sehr ans Herz gewachsen. Das Hauptproblem des Films ist die Überfrachtung des Plots, denn Zepterübergabe, Vorstellung der neuen Crew und nebenher noch Kampf gegen eine Bösewicht, sind einfach zuviel Materialen für einen normallangen Kinofilm. Regisseur David Carson muss deshalb hinsichtlich der Charaktere viele Abstriche machen, die Logik verbiegen, dass es quietscht und von Ort zu Ort hetzen, um den Stoff irgendwie unterzubekommen. Zu allem Überfluss enttäuscht dann auch noch der groß angekündigte Abschied Kirks. Gut, dass Frakes danach zweimal die Regie übernahm und mit „First Contact“ das wohl beste „Next Generation“ - Abenteuer ablieferte.