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Den meisten Freunden von Outback-Terror dürfte der Name John Jarratt mittlerweile ein Begriff sein, denn der verkörperte in "Wolf Creek" den Psychopathen Mick, auch in der Fortsetzung von 2013. Dazwischen spielte der australische Mime augenscheinlich mit dem Gedanken, sich selbst ein Drehbuch als Bösewicht auf den Leib zu schneidern, was er besser einem Profi überlassen hätte.

In einem abgelegenen Roadhouse treffen einige Individuen aufeinander, da der Dauerregen Straßen überschwemmte und unpassierbar machte: Kellnerin Kate, der ortsansässige Cowboy Mory, die Touristinnen Shae und Mickey und schließlich Sue mit ihrem Sohn Damien. Letztgenannte sind auf der Fluch vor Phil (Jarratt), welcher soeben aus der Anstalt entlassen wurde und noch eine Rechnung mit seiner Familie offen hat...

Nicht zuletzt leben die beiden Teile "Wolf Creek" vom Bösewicht und in dieser Rolle ist John Jarratt schlicht genial besetzt. Im vorliegendem Fall wirkt er indes komplett austauschbar, die glatten Haare, der fehlende Bart und das unpassende Overacting lassen den Psychopathen Phil kaum furchterregend wirken.
Der Rest der Figuren bildet einen oberflächlichen Durchschnitt, bei dem niemand wirklich positiv hervorzustechen vermag, denn selbst der vermeintliche Held Mory handelt im Verlauf dermaßen irrational, dass die Chose gegen Ende kaum mehr ernst zu nehmen ist.

Dabei bieten Dauerregen und überschwemmte Straßen einen guten Ausgangspunkt für ein Kammerspiel, welches sich überwiegend in einer geräumigen Raststätte abspielt.
Der isolierte Schauplatz schürt eine unheilvolle Grundstimmung und auch der zurückhaltende Score fügt sich eher dem, was eventuell noch im Verborgenen liegt: Mindestens eine der Figuren könnte eine Leiche im Keller haben und irgendwo sollte da doch noch ein kleiner Twist stecken.

Eine minimale Wendung wird zwar während des Showdowns offenbart, doch bis dahin muss man sich mit spannungsarm inszenierten Schießereien begnügen, welche arg nach Western von gestern riechen. Zudem geht es auffallend blutarm zur Sache, wonach eine FSK16 keineswegs übertrieben scheint, da lediglich eine einzige grafische Gewaltdarstellung auszumachen ist.

Der sparsam inszenierte Thriller benötigt zwischenzeitlich weder uneffektive Zeitlupen, noch Nahaufnahmen wenig talentierter Mimen, da schlichtweg das Gespür für spannende Konfrontationen fehlt und das Geschehen größtenteils uninspiriert vor sich hin dümpelt, was wiederum auf das unausgegorene und von Logiklücken behaftete Skript von Jarratt zurückzuführen ist.

Was bleibt, ist ein kammerspielartiger, schlicht inszenierter Streifen mit Suspense auf deutlicher Sparflamme, bei dem im Endeffekt zu hoffen ist, dass Mick im möglichen "Wolf Creek 3" wieder in gewohnter Manier etwas deftiger zur Sache geht...
3,5 von 10

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