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Es scheint ein neuer Trend in den USA zu sein, sich die Harley unter den Hintern zu klemmen, entlang der Route 66 zu fahren und in einigen Kaffs eine Pokerrunde abzuhalten, - am Ende der Reise bekommt der Gewinner den Pott, logisch.
Wenn allerdings ein typischer Redneck und ein zwielichtiger Kerl mit morbiden Absichten mitmischen, kann die Reise auch schon mal woanders enden…

Die beiden Bösewichte Billy (Redneck) und sein Wortführer Ray sind sofort ausgemacht.
Während Billy völlig stoned Cartoons im TV begackert, hat Ray im Hinterraum eine nackte Lady hart am Wickel, die ein wenig mit Blut überströmt ist, am Rande der Kulisse liegt ein blutender Kerl, der im Begriff ist, seinen Löffel abzugeben. Diese beiden verticken geklaute Motorräder an die Anwälte Allan und Robert, die beim Poker Trip ihre jeweiligen Frauen mitnehmen und schon sind auch die potentiellen Opfer im Spiel.

Glücklicherweise bietet der Vorlauf demnach nicht die üblichen Teens mit ihrem dummen Gequatsche, denn das Flair erinnert nicht ganz ohne Augenzwinkern an „Easy Rider“.
Sex, Drugs, die Kulisse der Wüstenpiste und eine kleine Prügelei bieten eine gefällige Atmosphäre, auch wenn die Figurenzeichnungen beider Parteien da nicht so ganz mithalten können.
Denn auf Anhieb wirken die beiden Anwälte zu austauschbar, während ihre Girls lediglich die Klischees der Bitch und der Überbesorgten abdecken.

Als man nach einer halben Stunde Road-Movie im siffigen Motel eincheckt, wendet sich endlich das Blatt und die beiden Frauen werden entführt und an einen geheimen Ort verschleppt. Nachfolgend unterliegen Allan und Robert einer Art Schnitzeljagd mit Zetteln und Mitteilungen, wonach sie einige Hürden nehmen müssen, um ihren verschleppten Damen eventuell ein Stück näher zu kommen.

Bei Betrachtern der deutschen (nicht österreichischen) Fassung wird sich da rasch eine große Enttäuschung breit machen, denn außer einem Kopfschuss bleibt rein gar nichts Explizites, selbst das Abtrennen eines Fingers wird uns vorenthalten.
Die Schere setzt leider so unbarmherzig unkontrolliert ein, dass man am Ende nicht einmal weiß, was aus einem potentiellen Opfer wird. Eingefleischte Gorefreunde sollten ergo diese Fassung meiden.

Ansonsten bietet „Poker Run“ eine recht unterhaltsame Mixtur, die mit einem charismatischen Bösewicht aufwartet, dessen finstere Pläne minimale Twists zum Vorschein bringen, auch wenn diese sich gegen Ende mehren und einer allgemeinen Vorhersehbarkeit weichen. Das Erzähltempo ist angenehm hoch, Besetzung und Ausstattung sind ordentlich und auch handwerklich gibt es keine Aussetzer. Der gut abgestimmte Soundtrack schafft darüber hinaus diese leicht dreckig-rockige Stimmung, die über die komplette Dauer anhält.

Kein üblicher Redneck-Terror, in der geschnittenen Fassung auch nicht sonderlich garstig, aber trotz einiger unlogischer Verhaltensweisen und nicht ganz durchschaubaren Beweggründen der Bösen, ein netter Zeitvertreib für Fans zwischen „Easy Rider“, „Motel“ und sonstigen Katz-und-Maus-Spielchen, die unter der Sonne zwischen Illinois und Kalifornien stattfinden.
6 von 10

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