Eines vorweg: "Only Fools and Horses" ist für mich das Lustigste, was je gefilmt wurde. Doch sicherlich nicht nur für mich. In einer 2004 von der BBC durchgeführten Meinungsumfrage wurde die Sendung noch vor anderen Klassikern wie "Fawlty Towers" und "Blackadder" zu "Britain's Best Sitcom" gewählt. Der Grund dafür offenbart sich beim Ansehen recht schnell: John Sullivan, Erfinder der Serie und Autor jeder Episode, holt mehr aus den Gerschichten raus, als drinzustecken scheint. Noch so kleine Details entwickeln sich in vielen Folgen zu unerwarteten, unvergleichlichen Schlusspointen.
Die Serie handelt von einem ungleichen Brüderpaar, Derek - genannt "Del" - und Rodney Trotter, die, anfangs mit ihrem Großvater, später mit ihrem Onkel, in einer Sozialwohnung in Peckham - ein Stadteil im Süden von London - leben. Angetrieben vom energischen Del und seinem grenzenlosen Optimismus ("This time next year, we're gonna be millionaires!") versuchen sie mit teils illegalen Geschäften, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
So gut John Sullivans Drehbücher dabei auch sind, sie wären nur die Hälfte wert, wären da nicht die hervorragenden Darsteller. Allen voran David Jason, dessen schauspielerische Leistung ich noch höher einschätze, als die von John Cleese in "Fawlty Towers". Doch wäre auch Jasons Leistung nicht so viel wert, hätte er nicht so grandiose Mitspieler. Nicholas Lyndhurst, der Dels jüngeren Bruder Rodney spielt, ist so ziemlich der glaubwürdigste - und in der Tat bemitleidenswerteste - Tollpatsch, der je über die britischen Fernsehbildschirme flimmerte. Lennard Pearce, der in den Stallen 1 bis 3 den "Grandad" gibt, und Buster Merryfield, der "Grandad" als "Uncle Albert" beerbt, sind unglaublich viel mehr als einfache Sidekicks. Gerade weil Sullivan beide größtenteils reduziert zeichnet, kommen einige ihrer unerwarteten (Re)Aktionen um so effektiver rüber. Roger Lloyd Pack (in der Rolle des geistig reichlich minderbemittelten Trigger), John Challis (in der Rolle des arroganten Autohändlers Boycie), Paul Barber (in der Rolle des gutgläubigen Liverpoolers Denzil) und andere treten zwar nicht in jeder Folge auf, doch wenn sie dabei sind, sind blaue Flecken verursachende Schenkelklopfer garantiert.
Ein weiterer Punkt, der "Only Fools and Horses" weit über andere Produktionen aus dem humoristischen Genre hebt, ist die Lebensnähe der Serie und die daraus resultierende emotionale Authenzität. So geht es den Trotters keineswegs gut. Oft kratzen sie am Existenzminimum, haben Probleme die Miete zu bezahlen. Auch macht sich Del in der Folge "Sickness & Wealth" (er muss ins Krankenhaus) ernstahfte Sorgen um seinen Gesundheitszustand (sein von Stress, Cocktails und Zigarren geprägter Lebensstil gibt dazu berechtigten Anlass). Jasons Schauspiel ist gerade in dieser Folge völlig herzergreifend und dürfte dem Einen oder Anderen in der Tat mehr Anlass geben, den eigenen Lebensstil in Frage zu stellen, als die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Auch bei der Hochzeit Rodneys (Del ist zu diesem Zeitpunkt noch Single) lässt Jason jeden Zuschauer einerseits seine Freude über das Glück seines Bruders, andererseits die Erkenntnis nun mehr oder weniger alleine dazustehen, bis hin zur Gänsehaut spüren.Die emotionale Krönung der Serie ist jedoch sicherlich die Geburt von Dels Sohn. Brechen hierbei gestandene Männer in Tränen aus, überrascht mich das überhaupt nicht.
Zur Struktur von "Only Fools and Horses" ist zu sagen, dass es in den ersten fünf Staffeln kaum folgenübergreifende Storylines gibt. Dennoch sollte man sich die Serie von Anfang an ansehen, um zu wissen, wie die Charaktere ticken. Ab Staffel 6 wurden die Spielzeit der Episoden von 30 auf 50 Minuten verlängert. Darüber hinaus wurden nun folgenübergreifende Storylines eingeführt. Ganz besondere Highlights sind die so genannten "Christmas Specials", die es meistens auf Spielfilmlänge bringen.
Glücklicherweise wurde nie ein Versuch unternommen, "Only Fools and Horses" ins Deustche zu übersetzen, denn gesprochen wird hauptsächlich Cockney. Die Eigenheiten dieses Arbeiterklassen-Slangs in eine andere Sprache zu transportieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die oft dargestellten Klassenkonflikte würden darüber hinaus fast gänzlich auf der Strecke bleiben.
Doch wer der englischen Sprache mehr als die Schulkenntnisse entnommen hat, vielleicht sogar am Cockney interessiert ist, dem kann ich nur empfehlen, sich dieser brillianten Serie einnehmend zu widmen.