Dies ist eine Eurocine-Produktion - und die meisten wissen, was das bedeutet, ich brauche mich also über die üblichen Qualitätsstandards der Billigstfilmschmiede nicht auslassen. Eurocine wollte eine gute Tat begehen und uns darüber aufklären, daß Vergewaltigung kein Kavaliersdelikt ist. Zu diesem Zweck zeigt man(n) uns sieben Vergewaltigungsszenen. Diese sind zwar phantasielos, aber einigermaßen realistisch abgefilmt. Vergewaltigt wird durch 1, 2 und 3 Männer, primär allerdings von Autofahrern mitgenommene Mädchen. Eine Szene spielt allerdings in einem chilenischen Gefängnis und das Mädchen begeht danach Selbstmord. Eine weitere Szene fällt völlig aus dem Rahmen: eine Vergewaltigung mit anschließender Ermordung durch zwei US-Soldaten in Vietnam. In dieser Szene wird authentisches Material aus dem Vietnamkrieg eingeschnitten, was sie besonders fragwürdig macht. Eine andere Vergewaltigung, die einer von Brigitte Lahaie dargestellten Medizinstudentin, ist ebenfalls bemerkenswert, wenn auch leider nicht viel daraus gemacht wird. Um die beiden Truckfahrer, die sie im Frachtraum vergewaltigt haben, wieder in ihre Hände zu bekommen, gibt sie vor, es hätte ihr doch Spaß gemacht und lädt sie ein, sie anzurufen. Als sie dies tatsächlich tun, werden sie von ihr betäubt und kastriert. Nicht einfach so, wie in D´Amato-Filmen oder in "Babe behind bars": einfach abgeschnitten, sondern von der Medizinstudentin fachfrauisch wegoperiert. Leider sieht man davon aber nicht viel, und überhaupt ist diese Episode besonders wenig mitreißend inszeniert.
Aber die Vergewaltigungen sind noch das gelungenste - auch wenn sieben Vergewaltigungen nicht unbedingt einen guten Spielfilm ergeben... -, dazwischen ist die "Rahmenhandlung", wenn man sie so bezeichnen kann. Eine Zeitung, nein nicht "Bild", startet eine Kampagne zur Auflagensteigerung, pardon: zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Vergewaltigung. Die Journalistentypen, die Redaktion und die Dialoge sind dermaßen daneben, daß es fast schon wieder lustig wäre, wenn es nicht das Thema Vergewaltigung wäre, das für unfreiwilligen Humor nicht wirklich dafür geeignet ist. Außerdem sieht man Anfang eine Gerichtsszene, in der das Opfer gleichsam zur Angeklagten wird, diese Szene ist auch nicht wesentlich realistischer geraten, auch wenn das Dargestellte sicher in abgemildeter Form Realität sein dürfte und in den Siebziger Jahren sicher noch mehr als heute. Den Vogel schießen dann die "Straßenbefragungen" ab: "Was ist ihre Meinung zu Vergewaltigung?" All das ist genauso armselig wie ich es mir von Eurocine erwartet habe, die Darstellung der Vergewaltigungen hingegen zumindest vom Faktor Realismus eigentlich um Häuser besser. Die Opfer sind fast ausnahmslos extrem wohlgebaut (Lahaie sticht da nicht einmal besonders heraus), aber besonders sleazige Präsentation wird vermieden.
Zumindest mal ein Film der hält, was er im Titel verspricht, ist ja auch schon was....