Ach ja, „Draculas erotische Abenteuer“ – über den Titel bin ich damals im seligen „Lexikon des Horrorfilms“ auch gestolpert, ohne ernsthaft anzunehmen, den je zu Gesicht zu bekommen.
Inzwischen habe ich ihn zu Gesicht bekommen, wenn auch unwissentlich, denn dieser fast vergessene Fangzahn hat fast ein Dutzend lustiger Titelkombinationen am Start und unter „Nocturna – Draculas Granddaughter“ ist er mir dann hinten reingefahren.
Zweckdienlich schicke ich aber gleiche vorweg, dass niemand sich die Mühe machen sollte, diesen Auffahrunfall von Film irgendwo im Internet zu suchen, denn es läuft im Wesentlichen auf Lebenszeitverschwendung hinaus. Die knapp 79 Minuten ziehen sich wie Kaugummi und sind nur sehr rudimentär mit so etwas wie einem Plot ausgestattet, der den Film irgendwo in die Nähe einer arg gewollten Romantik-Musikkomödie mit Vampiren rückt. Das muss jetzt selbst im Discozeitalter nicht das Schlimmste sein, aber wer etwa „Disco Godfather“ aka „Helden der Nacht“ (z.b. auf Schlefaz) durchgehalten hat, weiß was es bedeutet, wenn Filmemacher ihre Lauflänge mit Discoeinlagen strecken wollen. Nur dass die Szenen dort ans Absurd-Übertriebene grenzten und daher fast schon Unterhaltungswert hatten, während in „Nocturna“ eine waschechte Discotruppe von 4-5 schwarzen Stramplertypen so richtig auf der Bühne die Nacht zum Tag macht und das minimum 40 Prozent der eh nicht üppigen Lauflänge füllt.
Was an Plot übrig bleibt, ist dann Folgendes: Nocturna führt in good old transilvany einen heißen Club im Stammschloß derer von Dracula. Während Dad (ein greiser, aber agiler John Carradine) mit seinem Gebiss im Glas neben dem Sarg im Keller residiert, ist seine Nachkomme eine heiße Schickse mit langen Beinen, die sie sehr hoch und weit werfen kann, weswegen der Schuppen auch poppt wie Seuche. Bis eben besagte Discotruppe samt Band dort aufschlägt und sich Nocturna doch sapperlot in den blonden Gitarrero der Truppe verguckt. Als Blondiebär wieder nach New York abfliegt, hetzt Vampirella hinterher, wo sie bei Tante Yvonne de Carlo unterkommt, die in der Brooklyn-Bridge residiert…rumsteht..naja, Staub gewischt werden müsste auch mal. Dracula reist schließlich tiefenempört hinterher, schickt aber seinen überambitionierten Renfield-Ersatz vorneweg, damit der die Love Story durch etwas Grimassenslapstick noch aufhält. Klappt natürlich nicht, am Ende erträgt Uschi sogar noch das Sonnenlicht, der Liebe wegen.
Ja, das war es dann auch schon: abseits der Disco-Szenen gibt es noch eine Vampir-Aristokraten-Diskussion zum Stand der Dinge und ein Nebenrollenzuhälter führt uns durch die irre giggernden Damenwelt der käuflichen Liebe, wie sie auch John Waters gut gefallen hätte – nämlich grell überschminkt. Das wäre dann auch der Erotikfaktor gewesen, denn wer glaubt, dass die aus Vietnam gebürtige Nai Bonet als Nocturna hier offensiv mal ihren Disco-Dress fallen lässt, sucht hier vermutlich immer noch nach wenigstens einem guten Joke. Die Gute war herzlich untalentiert und ihre Filmkarriere nach diesem Flop dann auch bald zuende.
Allenfalls ein paar Straßenszenen aus den späten 70ern sorgen hier ggf noch für zeitgeschichtliches Interesse, aber sonst bewegt sich alles zwischen bemüht infantil und totlangweilig, insofern kann man dieses Stück Zelluloid nicht mal als "bad movie" so richtig abfeiern. Die in den Film gemalten Tricks, wie die Verwandlung in eine Fledermaus, sind trotzdem süß. (1/10)