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Ein Mann sieht rot. Um seinem totkranken Sohn die rettende Herztransplatation zu ermöglichen, nimmt Stahlarbeiter John Archibald (Denzel Washington) in seiner Verzweifelung Geiseln. Neben der Polizei treten alsbald auch eine gewaltige, unterstützende Menschenmenge und die sensationslüsternden Medien am Ort des mehr improvisierten als professionell durchgezogenen Geschehens auf. John jedenfalls ist bereit, bis zum Äußersten zu gehen: Ist kein Spenderherz aufzutreiben, so will er sich selbst zwecks Organspende töten...

Unter der Regie von Nick Cassavetes entstand mit "John Q" ein ziemlich packender Thriller, der in Grundzügen grob an Samuel L. Jacksons "Verhandlungssache" erinnert. Im Gegensatz zu letztgenanntem stehen bei "Verzweifelte Wut" jedoch weit weniger Actionelemente im Vordergrund als vielmehr die rein dramatischen Aspekte der Handlung bzw des Charakter John Archibalds. Auch in Sachen technischem Aufwand gibt sich Cassavetes merklich bescheidener: Es dominiert eine nüchterne Optik ohne inszenatorische Highlights. Folglich lässt sich "John Q" auch recht viel Zeit mit der sorgsamen Einführung seiner Charaktere, widmet sich recht ausführlich dem Familienleben und dem späteren, immer aussichtsloser erscheinenden Bemühen um versicherungsseitige Finanzierung der extrem teuren Herz-OP. Die eigentliche Geiselnahme nimmt schließlich garnicht so enorm viel Zeit in Anspruch und gibt sich wie bereits gesagt recht actionarm und unspektakulär. Trotzdem funktioniert der Erzählrhythmus und es gelingt, die Spannung aufrecht zu erhalten, was letztlich in erster Linie dem sympathischen Hauptcharakter und der emotionalen, zum Finale immer dramatischer werdenden Story zu verdanken ist.

Neben der unauffälligen aber grundsoliden Inszeneirung und der mitreißenden Story sticht aber auch noch die schauspielerische Leistung Denzel Washingtons deutlich heraus. Einfach große Klasse, mit welcher Glaubwürdigkeit er den verzweifelten Familienvater interpretiert! Die Polizeiseite hingegen, prominent dargestellt durch Robert Duvall und Ray Liotta, hat da kaum eine Chance und wird von Washington gnadenlos in den Hintergrund gespielt. Schlecht sind deren Leistungen damit aber natürlich noch lange nicht - aber ihre jeweiligen Rollen besitzen drehbuchbedingt nunmal zu wenig Gewicht um echte Aktzente setzen können. Ähnliches kann man auch über die im wesentlichen aus James Woods und Anne Heche bestehende Chefärzte-Fraktion feststellen.

Was mich letztlich an "John Q" doch etwas störte, war der zuweilen recht penetrante Blickwinkel auf sensationsgierige Medien und das John anfeuernde Publikum. Abgesehen von der Tatsache, daß die Absperrungsmaßnahmen der Polizei in diesem Zusammenhang wenig realistisch ausfallen, hätte sich Cassavetes hier vielleicht noch intensiver auf die spannungsgeladene Situation der eigentlichen Geiselnahme konzentrieren und womöglich diese noch weiter ausbauen sollen, beispielsweise in Form eines weiteren Zugriffsversuchs seitens der Polizei. Andererseits kann man natürlich auch argumentieren, daß das intendierte Aufmerksam-machen auf das marode und ungerechte amerikanische Gesundheitssystem eben genau auf solch publikumsorientierte Blickwinkel baut.
Hier wurde es zwar meiner Ansicht nach propagandistisch etwas übertrieben und auch die finale Botschaft ist hinsichtlich der unzweifelhaft vorliegenden Straftatsbestände doch etwas arg milde geraten aber nungut: It's just a movie!

"John Q" ist perfekte Abendunterhaltung: Spannend, emotional und gut gespielt wie inszeniert. Für Actionfreunde und Fans spektakulärer Bilder a la "Verhandlungssache" allerdings weniger geeignet...

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