Review

SuperPlus statt E10


Während mittlerweile kein Comic mehr zu abgedreht, episch oder weird erscheint für eine filmische oder serielle Umsetzung, es ein „Unmöglich“ nicht mehr gibt, kommt „Tank Girl“ mitten aus den 90ern, einer Zeit, in der man es durchaus gewagt bis überambitioniert finden konnte, einen quietschbunten, überdreht feministischen und wilden Erwachsenencomic mit einer panzerfahrenden Punkerin in einer Postapokalypse in die Lichtspielhäuser zu bringen. Rachel Talalay tat es mit „Tank Girl“ dennoch - und fiel dabei zumindest finanziell ziemlich auf die Schnüss. Kreativ, qualitativ und unterhaltungstechnisch war dieses rebellische „Panzermädchen“ aus heutiger Sicht ihrer Zeit aber definitiv voraus und weitaus besser, als sie oft im Rückspiegel gesehen und in Kritiken geschrieben wird…

„Tank Girl“ ist ein bizarrer (Molotow-)Cocktail. Musicalszenen reihen sich an harte Shootouts, Fantasywesen treffen auf geballte Frauenpower, animierte Ausschnitte aus den Comics schaffen Atmosphäre, wirken manchmal aber auch wie Lückenfüller und Budgetsparer. Der Soundtrack mit Björk, Portishead und Ice-T ist ebenfalls ein bunter Haufen zwischen Genie und Wahnsinn. 90er-Vibes durchströmen das chaotische Werk wie Wassereis oder Pokémon auf dem GameBoy Color. Zu Naomi Watts sage ich auch mit dunklen Haaren nicht nein. Malcolm McDowell saugt als Bösewicht wunderbar over the top den Leuten das Wasser aus dem Leib. Und Lori Petty als titelgebende Heldin macht ihren Job durchaus mit Esprit, Power und Begeisterung. Die Story und das Script sind mit heisser Nadel gestrickt und oft höchst löchrig, was noch nett gesagt ist. Ganz zu einer Stimmung, einer Härte, einer Zielgruppe bekennt sich dieser Querschläger nicht. Und natürlich stößt CGI aus dieser Zeit heute wie so oft übel auf. Aber langweilig wird es hier jedenfalls nie! 

Fazit: rebellisch, bunt, trashig und spaßig - „Tank Girl“ ist eine punkige Comicverfilmung mit viel 90er-Kolorit und zackiger Attitüde. Für mich näher an den Comics oder sowas wie „Waterworld“ als an „Super Mario Bros.“. Ein fehlerhafter, aber sympathischer Zweite-bis-Dritte-Reihe-Kultfilm. 

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