„Jemand musste Joseph K. verleumdet haben.“
- Erster Satz aus Franz Kafkas „Der Proceß“ -
Über Franz Kafka kann man streiten, keine Frage.
Für die einen ist Kafka einer der größten Schriftsteller überhaupt, der wie kaum einer in die Psyche des Menschen blicken konnte und surreale Vorgänge in vermeintliche Realitäten projizierte; für die anderen ist Kafka ein Spinner mit Vaterkomplex, der mit sich und seinem Leben niemals richtig zufrieden war und versuchte, die Nutzlosigkeit seiner Existenz durch verquere literarische Werke zu kompensieren.
Auch wenn es blöd klingt, die Wahrheit liegt sicherlich irgendwo dazwischen. Ich persönlich messe klassische Literatur immer an Goethe, mit dem „Faust“ als vielleicht wichtigstem und ausgereiftestem poetischen Werk überhaupt, und konnte der kafka’schen Erzählweise auch nie sonderlich viel abgewinnen. Dennoch sollte man trotz aller Antipathie gegen Autor und Werke nicht gänzlich die Bedeutung seiner Schriften und Entwürfe absurder, subtil – bedrohlicher Realitäten (...?) vergessen. Nicht umsonst werden doch heutzutage noch viele Vorgänge einerseits und auch Inszenierungsansätze andererseits als „kafkaesk“ bezeichnet...
Nach diesem kurzen literaturtheoretischen Exkurs jetzt zur Verfilmung:
Diese filmische Adaption von Franz Kafkas „Der Proceß“ kann in keinem Fall als gelungen bezeichnet werden. Was im Buch, um es möglichst kurz zu halten, als ambivalent erzählter innerer Prozeß der Hauptfigur Joseph K. etabliert wird, welcher immer nur reagiert, nie aktiv agiert, und dadurch immer tiefer in die Argumentation um den Zweck seines „Seins“, den Sinn seiner Existenz abseits der bloßen Funktionalität, gezogen wird, verkommt in der Verfilmung, der es nur an wenigen gut inszenierten Stellen gelingt, das Flair der Vorlage einzufangen, zum absurden Kampf gegen ungreifbare Autoritäten. Der Film schneidet Teilaspekte des Kafka’schen Konzepts an, ohne die gesamte Interpretationsweite des Werkes zu erkennen / eröffnen.
Ob dies geschah, um den unvorbereiteten Zuschauer, der das Buch nie gelesen hat, nicht zu überfordern, sei dahingestellt.
Die Darsteller, in der Hauptrolle des Joseph K. Drittklasse – Darsteller Kyle MacLachlan, dessen Spiel ich eigentlich noch nie viel abgewinnen konnte und u.a., weiterhin erwähnenswert, kein geringerer als Sir Anthony Hopkins in einer gut gemeinten Nebenrolle, geben sich größte Mühe, den Vorgängen filmisches Volumen zu geben, es bleibt aber beim netten Versuch.
Vorlage hin oder her, „Der Prozeß“ wird als Verfilmung der Vorlage kaum, wenn überhaupt nur in einigen inszenatorischen Ansätzen bedingt, gerecht, und als Stand-Alone-Film selbst kann er auch nicht wirklich überzeugen, da dem Zuschauer ohne Vorlagenkenntnis eine wichtige Prämisse fehlt:
Worum es überhaupt geht.