Ein netter kleiner Film aus Schweden, den da alle beinahe übersehen hätten. "Zusammen" ist der Name einer Kommune anno 1975, in der sich Alternative, Späthippies, Freigeister und Kommunistisch-Angehauchte zusammengefunden haben. Und genau dort spielt auch der ganze Streifen, direkt vor Ort, wo uns endlich mal Leben life in der WG vorgeführt wird, sogar noch historisch angehaucht.
Aufgemacht als eine Art Homevideo, wirkt der Film tatsächlich wie mit ältlichem Material und Kamera aufgenommen, ohne technische Tricks und Griffe, sondern mit reichlich Schwenks, auch wenn das Hand-Wackeln dankbar vermieden wurde.
Der Plot ist relativ einfach und beschreibt das Eindringen einer Familie (Mutter, Tochter, Sohn) aus bürgerlichem Haus, die den überaus unzufriedenen und trinkenden Vater verlassen haben, wenn auch unfreiwillig, in dieser Kommune. Über die ganze Laufzeit widmet sich die Handlung dem Umgang untereinander, den Schwierigkeiten beim Einleben, den Anpassungen, der Annäherung an den Vater und ganz allgemein dem Veränderungsprozess, den alle Beteiligten mitmachen.
Fakt ist, daß sich die ursprüngliche Kommune bald auflöst. Das sogenannte "Zusammen" existiert nämlich gar nicht, da viele hier nebeneinander mit völlig unterschiedlichen Ansichten leben. Bald lösen sich aus der Nicht-Gemeinschaft mit dem Alternativen-Kodex die ersten Abwanderer, wiederum andere beweisen, daß es auch im Land der freien Liebe und Nicht-Regeln Grenzen gibt, die man nicht überschreiten sollte.
Erst mit der Eingliederung der ungewollten Familie des Kommunenmitgründers erwächst im Laufe des Films ein munteres "Miteinander", wenn nach und nach nur noch Leute zusammenleben, die auch zusammenleben wollen, die "richtige" Kommune halt.
Der Film ist erfrischend leicht und heiter, nimmt auch seine ernsten Trennungstendenzen mit einem weinenden und lachenden Auge wahr und wahrt sich stets den Sinn für zwerchfellerschütternde Absurditäten aus einer Zeit, in der man Hippies immer belächelt hat. Vor allem WG-Regeln, Partnertausch und die Akzeptanz aller Dinge sind Gegenstand von reichlich witzigen Aktionen, da auch die Neuankömmlinge eigentlich gar nicht in zu den Hippies wollen, dem Vater nachtrauern. Ebenso eingeflochten wird eine Nachbarsfamilie, deren Sohn sich mit der Tochter anfreundet und die ebenfalls auf der Kippe steht.
"Zusammen" macht tatsächlich gute Laune, auch wenn man vielleicht heilfroh ist, daß die 70er inzwischen Geschichte sind, allein was Kleidungsauswahl betrifft. Der Film hält rundum den zeitgenössischen Ton und die entsprechende Optik durch. Natürlich erfordert die Themenwahl ein ganz klein bißchen Bereitschaft, sich auf ein neues Seherlebnis einzulassen, aber es lohnt sich, denn hinter jeder Ecke lauert hier eine neue Überraschung, dezent und einfühlsam gespielt, absurd und herzlich zugleich. Eingefaßt in zwei ABBA-Songs wünscht man sich am Ende, man könnte noch mehr erfahren.
Ein großer Spaß für Aufgeweckte und Biedermänner zugleich, aber eben nicht hochglanzverpackt. Vielleicht mal nachhaken in der Großraumvideothek... (8/10)