Review

"Lawinenexpress" ist ein typischer Fall von Filmwrack. Ursprünglich als Mischung aus Spionagethriller und Katastrophenfilm konzipiert, leidet der Film in seiner Gesamtheit am Tod von Hauptdarsteller und Regisseur während der Dreharbeiten. Doch auch wenn der Film fertiggestellt wurde und mit zahlreichen namhaften Darstellern glänzt, fällt doch vor allem eine gehörige Mißkonzeption auf, die kaum eine Fußnote in der Filmgeschichte der 70er wäre, hätte sich Robert Shaw nicht mit diesem Film aus dem Leben verabschiedet.

Die Ausgangsposition mag noch ganz ansehnlich sein, wenn Shaw als russischer Militär, der einen Spion verfolgt, dann selbst als dieser zu den Amis überläuft und ist auch schön flott inszeniert. Aber dann nimmt der Film die Wendung zum Irrationalen, wenn zum Zwecke der Decouvirierung eines wahrlich bösen Russen (den dann auch noch ein ketterauchender Maximilian Schell spielt) ein öffentlicher Zug zum Geheimtransport quer durch Europa mißbraucht wird, auf daß wir die Anschläge auf uns zukommen lassen können.
Die Attacken auf den Zug, bei dem das Leben von reichlich Zivilbevölkerung einfach so aufs Spiel gesetzt wird, füllen dann auch den Rest des Films, erst eine lahme MG-Attacke, dann der Versuch, alle unter einer Lawine zu begraben.

Diese titelgebende Sequenz füllt die Mitte des Films und ist bisweilen in bester Katastrophenfilmtradition zum Schreien komisch. Denn erstens braucht diese liebe Lawine diverse Minütchen, bis sie endlich im Tal (und beim Zug ankommt), so daß unsere Helden in aller Ruhe Gegenmaßnahmen ergreifen können, zweitens ist die Tat unglaublich dämlich konzipiert (und macht gleich noch ein im Weg stehendes Dörfchen platt) und drittens ist die Lawine extraschlecht gemacht, was daran liegt, daß man sie auf ein noch viel schlechteres Modell loslies, in dem unser schöööner Modelleisenbahnzug so richtig nett über den Spieltisch rumpelt. Dürftiger hat man das selten gesehen.

Wer jetzt noch auf eine spannende interne Nebenhandlung von Gegenspionage und Verrätern in den eigenen Reihen hofft, wird enttäuscht. Das Thema wird noch vor der Lawine abgehandelt und ist dann kein Thema mehr, bis als letztes Mittel ein geistloser Angriff einer Terroristengruppe erfolgt, die wir mal eben bei der RAF abgeguckt haben. Da wird zwar munter gestorben, aber irgendwie werden die Punkte nur abgehakt, bis der Showdown dann zum Modelltorpedoschiffsbeschuß einläd, gleichfalls schlecht gemacht natürlich.

Beeindruckend (auch für uns Deutsche) das Staraufgebot. Robert Shaw war todkrank und wirkt hier oft ineffektiv und neben der Spur, während Lee Marvin gewohnt knurrig Dienst nach Vorschrift leistet. Linda Evans war also schon vor "Denver-Clan" wenig mehr als ein Kleiderständer und Maxi Schell scheint das alles gar nicht ernst zu nehmen. Ex-Mannix Mike Connors hält sich fein zurück, während Football-Star Joe Namath als CIA-Agent wie ein Football-Star wirkt. "Last House on the Left"-Star David Hess gibt den Terroristen Geiger, während, Hotte Buchholz unvermittelt für fünf Minuten am Schluß vorbeischaut. Bis dahin haben wir aber schon reichlich von Günter Meisner und Art Brauss gesehen.

Das ist natürlich alles ungemein brutal gemacht, flach und dementsprechend albern, wenn auch nicht trashig. Man kann kaum sagen, ob das Projekt schon vorher so zum Untergang verurteilt war, oder durch Shaws und Robsons Tod abstürzte. Auf jeden Fall kann man sich schön davon berieseln lassen und dann einschlafen oder fröhlich vor sich hingniggern, weil alles so schlecht
gemacht ist. Aber was für ein Aufwand... (4/10)

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