Allein wegen des Staraufgebots, hätte "Lawinenexpress" funktionieren müssen. Doch die bedingt gelungene Mischung aus Spionage- und Katastrophenfilm wurde von zwei tragischen Ereignissen überschattet. Der kanadische Regisseur Mark Robson (Erdbeben, Sie fürchten weder noch Teufel) erlitt während der Dreharbeiten einen Herzinfarkt. Für ihn übernahm Monte Hellman (Kampf auf der Todesinsel, Silent Night, Deadly Night 3). Gute zwei Monate traf es Hauptdarsteller Robert Shaw (Liebesgrüße aus Moskau, Die Tiefe), auch er starb an einem Herzinfarkt.
Der russische General Marenkow (Robert Shaw) will in den Westen überlaufen, Colonel Harry Wargrave (Lee Marvin) ist für seinen Schutz verantwortlich. Marenkow will dafür Informationen über ein Aufrüstungsprojekt preisgeben. Hierbei geht es um Atomwaffen, die im Falle eines Krieges gegen die USA zum Einsatz kommen sollen. Harry gelingt es Marenkow in den Schnellzug nach Zürich zu setzen, doch Nikolai Bunin (Maximilian Schell) hat bereits mehrere Anschläge auf Marenkow geplant. Als alle Versuche scheitern, soll es eine Lawine richten, die den ganzen Zug unter sich begraben soll.
Zum Abschied hätte ich Shaw und Robson einen besseren Film gewünscht. Von seiner Leistung als Bond-Bösewicht ist Shaw meilenweit entfernt. Und überhaupt ist "Lawinenexpress" schon stark eingestaubt. Es geht um biologische Waffen, ein geheimes Netzwerk von Agenten, welches aktiviert wird und einen Überläufer, dem es langsam zu heiss wird. Schon jahrelang versorgt er die USA mit Informationen, die per Kassette geschmuggelt werden. Durch Harry und sein Team (Linda Evans, Mike Connors) soll nun Marenkow selbst aus dem Land gebracht werden. So beginnt der Film recht flott mit einer kleinen Klopperei und einer Verfolgungsjagd. Auch vermutet Harry noch einen Verräter in den eigenen Reihen und täuscht seinen eigenen Tod vor. Da dem aber nicht so ist, bremst diese unnötige Eskapade nur den Film aus. Und sobald alle im Zug sitzen, ist sowieso die Luft raus.
Derweil versucht Bunin alles, um Marenkow aufzuhalten, er heuert sogar den Terrorist Geiger (David Hess) und dessen Truppe an. Natürlich bleibt es nicht bei einem Attentat auf Marenkow, so wird der Zug mit Hilfe eines roten Signals ausgebremst und beschossen. Doch Harry und sein Team bleiben stets Herr der Lage, auch wenn man ein paar Verluste hinnehmen muss. Schließlich versucht man es mit einer Lawine. Eigentlich erwartet man hier einen Höhepunkt, stattdessen ist das die lächerlichste Szene des ganzen Films. Schon bei den Aussenaufnahmen des fahrenden Zuges sieht man überdeutlich, dass sich hier eine Modelleisenbahn durch ein nachgebautes Gebirge schlängelt. Fast noch lächerlicher kommt die Lawine daher, die erstmal fünf Minuten braucht, um überhaupt den Zug zu erreichen. Vorher begräbt sie noch ein Dorf und Harry hat genügend Zeit alle Mitreisenden zu evakuieren und die letzten Wagons abzusprengen. Selbst für Ende der 70er Jahre, ist die hier gezeigte Tricktechnik ein absoluter Witz, schon fast erbärmlich.
"Lawinenexpress" sorgt immer mehr für unfreiwillige Komik, vor allem wie ernst sich dieser Streifen nimmt. So etwas wie Humor scheint hier nicht zu existieren, stattdessen bekommen wir eine unnötige Romanze zwischen Harry und Elsa Lang geboten. So will man den Charakteren ein wenig Leben einhauchen und einige Hintergrundinfos bieten, doch das geht nach hinten los. Selbst die Actionszenen bleiben schwach und im Finale dürfte der Zuschauer in schallendes Gelächter ausbrechen, denn bei der finalen Versenkung eines Schiffs zieht man nochmal alle Register in Punkto Tricktechnik.
Wirklich gut in Szene gesetzt, ist das kalte und verschneite Russland, welches in keiner Szene einladend wirkt. Auch die altmodischen Einrichtungen, lassen das Herz eines Nostalgikers höher schlagen, nur warum bleibt der Score so eintönig ?
Bei den Darstellern dürfte der Kenner auch enttäuscht sein, Robert Shaw darf man eigentlich keinen Vorwurf machen, da er vor seinem Ableben schon stark erkrankt war. Aber von einem Lee Marvin (Delta Force, Gorky Park) darf man mehr erwarten, als nur einen verbissenen Gesichtsausdruck. Auch wirkt sein Charakter Harry Wargrave nicht unbedingt sympathisch. Linda Evans (Verflucht sind sie alle, Ich, Tom Horn) kann sich sehen lassen, aber Maximilian Schell (Deep Impact, Steiner - Das Eiserne Kreuz) bleibt als ständig quarzender Intrigant weit hinter seinen Möglichkeiten. Horst Buchholz (Sahara, ... die keine Gnade kennen), Mike Connors (Mannix, Der nackte Wahnsinn) und auch David Hess (Last House on the Left, Der Schlitzer) haben kaum Gelegenheit sich im Rampenlicht zu präsentieren.
Was bleibt ist ein prominent besetzter Misch-Masch aus Spionage- und Katastrophenfilm. Überraschungsarm, mit lahmen Actionszenen und einer Tricktechnik zum Schreien. Höchstens der Nostalgiker dürfte sich wohlfühlen, der Rest schaltet entweder um oder gibt sich dem Schlaf hin.