Ich war ein wenig überrascht, denn hinter dem deutschen Titel "Cage Fighter" (original einfach nur Cage) verbirgt sich weit mehr, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Kein stereotyper Kampfsportfilm, sondern mehr ein Actionfilm mit gar nicht mal übler Story, einigen dramatischen Elementen und die Käfigkämpfe sind da eher Nebensache. Dabei stehen die Namen Lou Ferrigno (Hangfire, Desert Warrior) und Reb Brown (Der Kampfgigant II, Flug in die Hölle) nicht unbedingt für Qualität. Regie führte Elliot Lang, der leider das fünf Jahre später entstandene Sequel "Cage 2" ziemlich versiebt hat.
Billy Thomas (Lou Ferrigno) und Scott Monroe (Reb Brown) waren schon zusammen in Vietnam, dort fing sich Billy als er Scott rettete eine Kugel im Kopf ein. Seitdem ist er nicht mehr der Selbe und geistig auf dem Stand eines Kindes. Doch das Kämpfen hat er nicht verlernt, was den kleinen Promoter Tony Baccola (Michael Dante) auf den Plan ruft. Tony hat nicht nur Schulden beim Gangster Costello (Al Ruscio) sondern auch bei Tin Lum Yin (James Shigeta), dem Betreiber der illegalen Käfigkämpfe. So will Tony den ahnungslosen Billy gegen Yins Meister Chang (Tiger Cung Lee) antreten lassen. Dafür fackelt er nicht nur Scotts Bar ab, sondern nimmt Billy einfach mit. Scott macht sich auf die Suche nach seinem Freund, während der gegen einen schier unbesiegbaren Gegner antreten muss.
Der Beginn setzt uns ins Jahr 1969 zurück, wo Billy und Scott sich eine Schießerei mit dem Vietcong liefern. Per Hubschrauber können sie schließlich entkommen, doch besonders Billy zahlt einen hohen Preis. Von nun an ist er geistig nicht mehr ganz auf der Höhe, muss wieder sprechen und laufen lernen. Scott kümmert sich von nun an um Billy, die Beiden leben von einer Bar, die sich Scott gekauft hat. Doch bei "Cage Fighter" stehen nicht nur unsere Hauptcharaktere im Fokus, sondern Lang hat sich um erstaunlich viele Figuren zu kümmern, die er gut unter einen Hut bringt. Da wäre noch der hochverschuldete Tony Baccola und sein Kumpel Mario (Mike Moroff) die bei einer Barschlägerei auf Billy aufmerksam werden. Ungewöhnlicherweise entwickelt sich zwischen Billy und Mario eine echte Freundschaft. Dann wäre da die Reporterin Morgan Garrett (Marilyn Tokuda), welche die illegalen Kämpfe auffliegen lassen will, zudem erleben wir noch eine kleine Überraschung bezüglich der Enttarnung eines Undercover Cops. Daneben spielt die Gang um Diablo (Brainscombe Richmond) noch eine Rolle, die von Baccola bezahöt werden, um Scotts Bar abzufackeln. Erfreulicherweise sind die Figuren nicht nur Abziehbilder, doch der Preis für diese Anhäufung ist die Vernachlässigung der Action.
Die kommt bei "Cage Fighter" tatsächlich zu kurz, bis auf den Auftakt in Vietnam, ein Fight im Käfig und eine kleine Keilerei in der Bar ist in der ersten Halbzeit nichts mehr los. Lang hebt sich die ganze Action für das letzte Drittel auf, wo es dann auch richtig rund geht. Leider muss man dabei auf gut choreographierte Kämpfe größtenteils verzichten, weil es Ferrigno und Brown auch am nötigen Können fehlt. Doch brutal sind die Fights schon. Während Billy sich Yins Meister stellen muss, rechnet Scott noch mit Diablo und seiner Gang ab, um schließlich auch in die Kampfarena zu stoßen. Dort hat auch noch Scott einen Fight im Käfig zu bestehen und muss dabei kräftig einstecken. Der abschließende Shootout dürfte ruhig ein wenig länger sein und wenn Al Leong (Rapid Fire, Lethal Weapon) schon mal einen Guten verkörpert, hätte man ihm auch gleich einen Zweikampf schenken können. Einen Pluspunkt gibt es auch für die fast sleazigen Kulissen, den 80er Jahren entsprechend steht die leuchtende Großstadt bei Nacht im Mittelpunkt, sowie die gelungene Kampfarena, oder schäbiger Hinterhofbars. Lang hat das Flair dieses Jahrzehnts perfekt eingefangen und kombiniert mit einem passenden Score. Reb Brown und Lou Ferrigno ziehen sich hier sauber aus der Affäre, besonders Hüne Ferrigno weiss sich als zurückgebliebener Billy glaubwürdig zu verkaufen. Der Gegenpart punktet mit James Shigeta (Drive, Yakuza) und in Nebenrollen sind Danny Trejo, Brainscombe Richmond, Al Ruscio, Matthias Hues und Mike Moroff vertreten.
Man sollte sich vom reißerischen deutschen Titel nicht täuschen lassen, denn dahinter verbirgt sich ein überdurchschnittlicher Actionfilm, der auch auf dramatischer Ebene recht gut funktioniert. Ein paar Durststrecken hat man zu überwinden, die wenigen Actionszenen dürften spektakulärer sein, trotzdem ist "Cage Fighter" gut inszeniert und ein absolutes Kind der 80er Jahre. Die Story ist für solch einen Film erstaunlich solide und die Charaktere sauber herausgearbeitet.