Nachdem man nun schon einen Ferrigno-Herkules mit Todesverachtung und leisem Amusement ertragen hat, kann man sich doch eigentlich auch gleich noch die Resteverwertung des zweiten Teils geben.
1985 war der Hulk nämlich schon gänzlich in Vergessenheit geraten und so langsam mußten neue Gehaltsschecks her und daher flugs noch mal ein, zwei Wochen in Italien gedreht, den Rest stoppeln wir aus Archivaufnahmen aus Teil 1 zusammen.
Wobei ich das erschütternde Geständnis machen muß, daß mir eine Weile der zweite Teil sogar besser gefallen hat als Teil 1, denn die massive Augapfelattacke mittels dreistester Kamera- und Farbtricks entfällt hier zugunsten stringenteren Barbarenfilmfeelings, während Herkules (seine Ische Kassiopeia ist offenbar gerade im Urlaub, denn er wird von den Sternen zurückgerufen...) die sieben Donnerkeile des Zeus wieder einsammeln muß, die selbstmurmelnd in irgendwelchen Bestien versteckt worden sind. Die gibts dann auch in der ersten Dreiviertelstunde im Fünfminutentakt, als Erstes (in einem deutlich nichtgriechischen Forst) mal ein Rasta-Zotti, den man so richtig durchnudeln kann. Wie überhaupt alle Bösen hier immer nur deutlich auf die Fresse bekommen, vom Tantalus im Imkeroutfit mit Gliederpuppenlichtung (sieht knorke aus) bis zu den Schlammmenschen, die rund um den Gorgonentempel Attacke reiten.
Bei Letzerem muß ich ja fast zweimal loben, denn die Gorgone bietet uns erstmal einen beinahe soliden Stop-Motion-Trik und die Szenen mit den glibbrigen Flossenköpfen ist in einem wirklich malerischen italienischen Landschaftspark Marke Barok gedreht worden, wirklich 1A-Bilder!
Doch damit nicht genug des Plots, denn Herkules hilft auch noch zwei holden Jungfrauen mit prallen Äpfeln, die auf die lustigen Namen Urania und Glaucia (was, wie ich glaube, ein römischer Name ist) hören. Urania talkt ohne Unterbrechung mit den Moiren, die ihr unentwegt Tipps und Hilfsmittel geben, damit der Plot nicht gänzlich einfriert, die andere hat Schiß, demnächst dem Feuerdämon geopfert zu werden.
Der wiederum ist ein geradezu filmhistorisch bedeutsam, denn für sein in den Film gezeichnetes Auftreten, bediente man sich nicht nur der Technik, sondern auch des Stils und sämtlicher Vorlagen des Energiemonsters aus "Forbidden Planet", was den Einsatz schon fast wieder reizvoll macht.
Meanwhile geht aber auch im Olymp der Olump um und zwar gleich vierfach, denn Hera, Aphrodite, Poseidon und Flora (!!!) haben ein göttliches A-Team aufgemacht (die Gründe werden übrigens nie so ganz klar) und sind wie Kimble auf der Flucht. Aus nicht näher einleuchtenden Gründen erwecken sie König Minos wieder, der auch sofort universelle Welteroberungspläne in die Wege leitet (u.a. trifft er sich wieder mit Frau Daedalus, die aber in der deutschen Synchro (denkt da einer mit?) diesmal eine männliche Stimme hat(!!!!!!). Die hat in ihrem lustigen Reiseköfferchen ja so manches, am besten ist aber das Eisschwert des Chronos, das sogar die übrigen Götter platt machen kann.
In einem Anfall erzählerischer Raffitücke (oder wilden Kapriolenschlagens) entpuppen sich die Jungfrauen dann zweimal nicht als das was sie zu sein scheinen (bombige Idee) und so bleibt es an Herkules, die Welt erneut zu retten - denn der Mond rotiert seit Minute 2 auf die Erde zu und dürfte bei dieser Geschwindigkeit schon dreißigmal eingeschlagen sein.
Doch harhar, nur ein Problem, denn Onkel Berger stand als Minos nun für den Endfight kaum noch zur Verfügung - wie also nach gut 70 Minuten da einen draufsetzen? Vor allem bei einem Kampf mit kosmischen Ausmaßen?
Prompt erinnerte sich wohl ein wackerer Tricktechniker an filmische Meilensteine wie Tron oder Xanadu und erschuf den finalen Fight einfach im Computer, in Form leuchtenden Videoumrissen im beliebten Disco-Style, doch da griechische Kriegerumrisse ja nun auch so niemand wegreißen, verwandelt sich Minos (jetzt kömmts) einfach in einen T-Rex und Herkules (ich halts nicht aus) in King Kong und die beiden stellen den berühmten Dschungelfight von 33 (Rumble in the Jungle!) nach.
Wem jetzt noch die Plomben drin blieben, der darf dann noch die Szene bewundern, die sogar das Teilen der Kontinente aus Teil 1 niederringt: Zeus vergrößert mal schnelle Herkules ins Atlasformat und der hält mit seinen Pranken sowohl Erde wie Mond auf und schiebt sie voneinander weg...da bleibt kein Auge trocken.
Also letztendlich auch hier wieder der Wahnwitz auf Stelzen, aber etwas abwechslungsreicher und wirklich mit kruden Einfällen, die das fehlende Budget und den stock footage-Einsatz ausgleichen. Lou Ferrigno ist übrigens wie immer zum Knuddeln und Claudio Cassinelli, der hier wieder seinen Götterdaddy gibt, hat tatsächlich im Fundus einen neuen Bart gefunden, jetzt sieht er aus wie Dumbledore.
Dafür geht der Jokus aber auch nur 76 Minuten und hat somit mehr Beats per minute, so daß man nicht zu sehr im Sessel rumrutscht.
Mein Tipp: die beiden Filme unbedingt als Doppelwhopper genießen... (2/10)