Nach „House on Haunted Hill“ inszenierte der US-amerikanische Regisseur und B-Movie-Gimmick-Spezialist William Castle („Die Zwangsjacke“) im Jahre 1960 mit „13 Ghosts“ einen weiteren Haunted-House-Grusler. Museumsführer Cyrus Zorba (Donald Woods, „Bonanza“) ist pleite, erbt aber überraschend das Anwesen seines Onkels (Roy Jenson, „Westwärts zieht der Wind“). Er zieht mit seiner Familie umgehend ein, muss jedoch feststellen, dass es in dem Haus spukt: Als Resultat von Experimenten des Onkels mit dem Reich der Toten treiben 12 Geister ihr Unwesen im Gebäude und benötigen einen 13. Geist, um ihre Seelen zu befreien. Außerdem wartet ein Reichtum versprechender Schatz in den alten Gemäuern darauf, geborgen zu werden – was nicht nur uneigennützig gesinnte Gestalten auf den Plan ruft…
Für „13 Ghosts“ entwickelte Castle das „Illusion-O“-Gimmick, das mittels einer Spezialbrille die Geistererscheinungen – je nach verwendeter Farbe der Gläser – optisch verstärkte oder, für die Hasenfüße im Publikum, komplett unsichtbar machte. Das war im Kino sicherlich ein großer Spaß, der auf dem eigenen Sofa bei Sichtung einer Heimkinoauswertung, die auf dieses Gimmick verzichtet, nur bedingt funktioniert. Zwar fliegen die einzelnen Geister vielversprechend und neugierig machend durch den wie so oft liebevoll gestalteten Vorspann, die Handlung selbst rückt diese aber in ihrer schemenhaften Darstellung nur selten gruselig in Szene. Dafür greift sie das Gimmick auf, indem eine von Onkel Zorba konstruierte Spezialbrille die einzelnen Charaktere ebenfalls dazu ermöglicht, die Schreckgestalten sichtbar zu machen. Besser weiß da die eigentliche Hauptrolle Buck Zorba zu gefallen, gespielt vom 12-jährigen Charles Herbert („Die Fliege“). Es handelt sich um die augenzwinkernd angelegte Rolle eines Jungen, der vernarrt ist in Horrorliteratur und die Welt des Morbiden, weshalb er den anwesenden Geistern nur wenig ängstlich begegnet – im Gegensatz zu manch Erwachsenem. Ebenso augenzwinkernd agiert Margaret Hamilton als Haushälterin Elaine Zacharides, die gruseliger als jeder Geist ist und eine Reminiszenz an ihre Rolle als Hexe in der „Der Zauberer von Oz“ darstellt.
Ansonsten ist interessant, wie sich in lockerer bis stellenweise gar komödiantischer Familienunterhaltungsstimmung, die kein rechtes Gruselgefühl aufkommen lassen will, Übernatürliches mit weltlichen Phänomenen vermengt. So ist nicht jede Geistererscheinung auf die tatsächlichen friedlosen Seelen zurückzuführen, sondern auf ganz und gar menschliche Eigenschaften wie Verschlagenheit und Gier. Manch Schauspieler kann seine Herkunft aus dem US-Western-Bereich nicht verbergen und wirkt etwas eigenartig in solch einem Grusler, der eine oder andere wortgewandte Dialog kommt eher unbeholfen denn authentisch über die Lippen. Für Freunde des auf zwanglose Event-Kino-Unterhaltung programmierten Castle-Stils ist der clever vermarktete „13 Ghosts“ sicherlich ein schönes nostalgisches Vergnügen – ob nun mit oder ohne „Illusion-O“ –, eine kreative Meisterleistung war er nach „House on Haunted Hill“ indes sicherlich nicht. Lässt sich gut gucken, hat seine Momente und macht durchaus Spaß, William Castle hat jedoch sowohl zuvor als auch hinterher meines Erachtens interessantere Low-Budget-Genrekost gedreht, die auch weitaus besser gealtert ist. Das auf Hommage getrimmte, trotz rastloser Seelen eher seelenlose Remake aus dem Jahre 2001 ist weitaus populärer, konnte mich im Gegensatz zur „House on Haunted Hill“-Neuverfilmung aber nicht überzeugen.