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Wenn man Latinobraut Jennifer Lopez eins lassen muss, dann ihre Fähigkeit sich zu vermarkten. Regelmäßig trällert sie sich in die Charts und ganz nebenher bleibt dann pro Jahr immer noch Zeit, um in ein bis zwei Hauptrollen zu glänzen. In finanziellen Nöten dürfte sie damit nicht stecken. Nun versucht sie sich seit ihren ersten Gehversuchen („Anaconda“, „U Turn“) als Schauspielerin in vermeintlich auf sichere Pferde setzende Weichspülerprojekte Hollywoods, für die dann wohl nur noch die Fanfraktion (Gibt es die?) etwas übrig haben dürfte. „Enough“ ist jedenfalls mehr etwas für den Videoabend militanter Feministinnen, als ein spannender Psychothriller oder gar eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem recht heißen Eisen, das öfter stattfindet, als es der Ottonormalbürger sich vorstellen kann – freilich nicht in den hier gezeigten Zügen.

Ausgerechnet Michael Apted, der den wohl besten Brosnan-Bond „The World Is Not Enough“ ablieferte, ließ sich darauf ein, diesen reichlich durchsichtigen, unglaubwürdigen und nie fesselnden Stoff umzusetzen. Wahrlich keine Werbung für den britischen Filmemacher.

Jennifer Lopez gibt im Rahmen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten beziehungsweise ihres Sexappeals die bezüglich ihrer Zukunft reichlich unentschlossene Kellnerin Slim (Nur nicht am Hintern...). Ihr mangelt es jedoch nicht nur an Entschlusskraft, sondern auch an einem Mann fürs Leben – bis ER in ihr Leben tritt. Er heißt Mitch Hiller (unterirdisch: Bill Campbell, „Dracula“, „Max Q“), bewahrt sie im Restaurant vor einer Enttäuschung und scheint sich als DER Traummann schlechthin zu entpuppen. Denkste was...

Apted strukturiert den Film etwas unmotiviert und hilflos in Kapitel durch. Das hilft einerseits, weil man so sich nicht weiter um langweilige Passagen zu kümmern hat, kostet dem Film leider komplett seine Glaubwürdigkeit. Nach so zirka fünf Jahren Ehe und einer gemeinsamen Tochter bekommt Slim nämlich mit, dass ihr Mitch nicht nur fremd geht, sonder ein gar hässliches, herrschsüchtiges und selbstfixiertes Wesen in sich trägt, das nun zum ersten Mal zu Tage tritt, als sie den Umstand nur als Beischlafmatratze und Küchenhobel zu funktionieren, einfach satt hat. Nach deftigen Schlägen und Tritten beschließt sie zusammen mit ihrer Tochter zu flüchten. Doch Mitch ist mächtiger als erwartet. Was seit der Heirat so passierte, weiß nur die Katz’.

Ist der Film zu Beginn noch ein soweit passables Drama, gibt er sich ab der Flucht der Lächerlichkeit preis. Denn Mitch scheint so etwas wie der Chef des FBI zu sein, kann sie aus (hier nie geklärten) Gründen überall aufspüren, observieren und abhören lassen. Sich fix eine neue Identität verschaffend (Wenn das wirklich so einfach geht, dürfte die USA für Terroristen dort wirklich ein Schlaraffenland sein), brennt sie mit ihrer Tochter durch und zaubert mir nichts dir nichts ihren leiblichen Vater (köstlich: Fred Ward mit dick Asche auf der Tasche), der sie nie anerkannt hat, aus der Tasche. Der unterstützt sie dann nach anfänglicher Ablehnung auch finanziell, weil ihm drei von Mitchs Schlägern gedroht haben, ihn umzubringen...

Hier und da auch mal die Logik außer Acht lassend, entwickelt sich „Enough“ zu einer, wenigstens von ein paar soliden Autoverfolgungsjagden veredelten Dauerflucht vor dem eigentlichen Ex, der gern seinen Nachwuchs wieder hätte. Dabei häufen sich Fragen auf Fragen. Wer sind diese Schläger, warum hat Mitch so geniale Verbindungen und wer sind diese wiederum überhaupt? Uns so weiter und so fort...

Enough hat der Zuschauer bis dahin schon lange, weil er in seiner Intelligenz schwer beleidigt wird und von der angekündigten Selbstjustiznummer, eigentlich nur zum Schluss etwas zu sehen ist. Nun ja, es gibt das schwitzige Aufbautraining mit allem drum und dran (Jeder Rat findet praktischerweise im Finale dann auch Anwendung), damit man den Ex auch tüchtig vermöbeln kann, weil man den Glauben in die Justiz sowieso schon verloren hat. Aber warum eigentlich, wenn es nicht mal versucht hat? Genau, der Mann ist einfach zu mächtig (*hüstel*)

Nebenher darf dann „ER“-Doc Noah Wyle als Cop (?) in die Handlung mit ein- und aussteigen und bleibt dabei ein Phänomen, weil er sich jetzt wohl wie einst der „Akte X“ müde David Duchovny immer öfter gegen sein Image casten lässt, hier aber höllisch ins Klo griff, weil er permanent unsympathisch sein will, was trotz Bart nicht hinhaut und nebenher noch über schwammige Hintergründe verfügt. Welche Tour hat bisher noch immer funktioniert? Und warum kennt er als Cop solche undurchsichtigen Individuen?

Zumindest die gepeinigte Frauenfraktion aber dürfte sich mit „Enough“ so richtig verstanden fühlen. Slim (ihre fünfjährige Blindheit ist ja schon peinlich...) wandelt sich von einer naiven Unschuld über eine verängstigte und malträtierte Ehefrau zu einer kessen Kampfsportlerin, die ihrem Peiniger dann mal so richtig die Leviten liest – ohne das dann auch konsequent durchzuziehen. Was wohl ihre Tochter dazu sagen würde? Gute Frage eigentlich, aber die nimmt diese ganze Angelegenheit eigentlich reichlich gelassen hin. Nie glaubwürdig, aber wohl für das Zielpublikum wie geschaffen.

Eine reife Auseinandersetzung mit dem Thema findet nie statt, will „Enough“ auch nie stattfinden lassen. Er belässt es bei einer Aneinanderreihung von Klischees, befürwortet dann auch noch ernsthaft (!!) Selbstjustiz (Ein Weckruf etwa?) und foltert mit leeren Phrasen und hohlen Dialogfetzen. Allein Slims Anruf bei Mitch, um der die Lage sichtlich gut verarbeitenden Gracie (Tessa Allen) sind schon ein Grund zum Ausschalten.

Warum sollte man sich „Enough“ nun dennoch ansehen?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Fred Ward ist in seiner Nebenrolle als Jupiter (!!) mit Deus Ex Machina-Allüren der einzige Lichtblick, denn Juliette Lewis („From Dusk Till Dawn“, „The 4th Floor“) darf nur als einschwörende Freundin ran und Bill Cobbs weise Ratschläge begrenzen sich auf ein paar Sekündchen.

Fazit:
Oberflächlich, unglaubwürdig, einfach lächerlich. „Enough“ dürfte auf jedem Häkelabend eine Bereicherung darstellen, doch wer Qualität bevorzugt, wird sich hier mit Grausen abwenden. Auch wenn Michael Apted den Stoff soweit solide inszeniert und es eine Handvoll spannender Momente gibt, gegen die kaum Tiefe gewinnenden Charaktere, das oftmalige Aussetzen von Logik und Realismus, sowie weitestgehend in den Hauptrollen unterdurchschnittliche Darstellerleistungen, ist er nicht gefeit.

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