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Inhalt:

Japan im Jahre 1564 -christlicher Zeitrechnung-. Das Land befindet sich seit fast 100 Jahren in einem Bürgerkrieg, diverse Samurai-Clans kämpfen um die Vorherrschaft und die Einigung Japans. Die mächtigsten Heerführer zu diesem Zeitpunkt sind Takeda Shingen, Nobunaga Oda und Uesugi Kenshin.

Diese mächtigen Warlords übersehen die Provinz Hida, die von Bergen umgeben ist, und in dieses Machtvakuum stoßen kleinere Heerführer.
Diese Provinz könnte einem kleinen Warlord als Aufmarschbasis dienen, um mehr Einfluss auf den Kampf um die Vorherrschaft zu erlangen.

Anders als im mittelalterlichen Europa, wo nur Adlige in den Ritterstand treten durften, kann im feudalen Japan jeder Samurai werden, der in die Dienste eines Heerführer tritt, und dieser Kriegerkaste somit angehören.
Davon träumen einfache, junge Bauern-Männer auf dem Land, um Ruhm, Ehre und Reichtum zu erlangen. Unter ihnen ist auch Kyonosuke Ninomiya (Raizo Ichikawa). Er hofft auf seine Chance, eines Tages Samurai zu werden.

Und er erhält diese Möglichkeit wie er meint, eine vermeintliche Chance, diesem Kriegerstand beizutreten.
Shinomura, ein Gefolgsmann des ehrgeizigen, kleinen Warlords Yasutaka Ikemoto (ebenfalls Raizo Ichikawa), bietet Kyonosuke an, in den Dienst des Warlords zu treten.
Kyonosuke kommt mit Shinomura..., doch wird er nicht zum Samurai.

Kyonosuke wird aufgrund seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit Ikemoto, zu einem seiner Doppelgänger..., zu einem "Schatten" des Warlords.
Neben Ishihara und Kuwano, wird Kyonosuke, der Bauern-Junge, zum "3. Schatten" Ikemotos, zum dritten "Kagemusha".

Eine strenge Ausbildung beginnt, Verhaltensweisen, Mimik und Gestik des überheblichen, machtgierigen Ikemoto, werden in einem harten Training eingeübt. Sowie Kenjutsu und Kyudo, die Kampftechniken der Samurai.
Ja Kyonosuke wird sogar darin eingewiesen, wie er die Mätresse des Warlords, die schöne Kohagi (Masayo Banri) zu lieben hat.

Ikemoto will indes der "König" von Hida werden, er hat  bereits eine kleine Machtbasis, und die Heirat mit Prinzessin Tsuru vom Clan Sadamitsu Miki´s (Shigeru Amachi) soll diese entscheidend erweitern.
Gegenspieler Ikemotos um die entscheidende Festung, die Burg  Mitaya, ist Muneshiro.
Es kommt zu Scharmützeln, bei einem wird Ikemoto am linken Auge schwer verletzt, das er schließlich verliert.

Nunmehr müssen sich die "Schatten"-Doppelgänger ebenfalls durch eine blutige "Operation" das jeweils linke Auge ausstechen lassen.
Bei einem Fluchtversuch wird Ishihara von Shinomura zur Abschreckung der anderen beiden "Schatten" getötet. Kuwano und Kyonosuke müssen sich nunmehr das linke Auge jeweils entfernen lassen.

Bei einem weiteren Scharmützel, wird Ikemoto im Kampf gegen Muneshiro´s Truppen, wieder schwer verletzt.
Ihm gelingt zwar alleine mit Kyonosuke die Flucht, doch sieht Ikemoto nur durch eine Amputation eines seiner Arme eine Überlebens-Chance. Der Warlord zwingt Kyonosuke dazu, ihm den Arm zu amputieren.
Kyonosuke weiß, dass auch er sich später den Arm wird amputieren lassen müssen.
Kyonosuke weigert sich, bei all dem weiter mitzumachen.

Er tötet Ikemoto.

Shinomura zwingt nunmehr Kyonosuke..., selbst die Herrschaft als "Ikemoto" anzunehmen, anderfalls würde er ihn töten! Nicht mehr der "Schatten" zu sein, sondern der Herrscher selbst zu sein, zumal alle anderen die anderes bezeugen könnten, tot sind.

Kyonosuke tritt an die Stelle Ikemotos. Der Bauernjunge wird nicht nur Samurai, er wird zum Warlord.
Die Festung Mitaya wird in einer Schlacht unter der Führung von Kyonosuke -der als "Ikemoto" auftritt- erobert, und Muneshiro getötet.

Kyonosuke trifft wieder auf Kohagi, die ihn liebt. Und er soll Prinzessin Tsuru ehelichen, die jedoch mit Sadamitsu Miki liiert ist.
Sadamitsu Miki, eigentlich ein Verbündeter Ikemotos, weiß um das Geheimnis Kyonosukes.
So nimmt denn ein grausames Schicksal nunmehr seinen Lauf!


Kritik:

Im Jahre 1963 drehte Regisseur Inoue Umetsugo diesen brillant gespielten, atmosphärisch dichten, handlungsorientiert-melodramatischen Jidai Geki (japanischen Historienfilm), den man nicht als Chanbara (japanischen Schwertkampf-Actionfilm) werten kann.
So ist denn "Third Shadow" ("Daisanno Kagemusha") ein auf seine Handlung fokussiertes Melodram im Gewand eine Samurai-Films, das dabei auch auf schauspielerische Leistungen setzte, und nicht auf Action.

Und da ist "Third Shadow" denn als gelungen zu bezeichnen. Die Handlung ist gedehnt, über 100 Minuten Spielzeit, doch spannend und dramatisch.
Das grausame Schicksal eines jungen Mannes, der vom Aufstieg träumt, der vom Bauern-Jungen zum Samurai werden will, sich dabei Ruhm, Anerkennung/Geltung und auch wirtschaftlichen Erfolg erhoffend.
Doch wird er der "Schatten", zu einem der Doppelgänger eines Fürsten, der brutal und überheblich ist, zu einem Spielball dieses despotisch auftretenden Kriegsherrn.

Und das inklusive anstehender Verstümmelungen, die eben dieser Warlord bei seinem Kampf um die Macht in einer kleinen, für die weit mächtigeren Kriegsherren eher unwichtigen Provinz, selbst erleidet.
Eine der Kern-Szenen in diesem Streifen ist denn das operative Ausstechen des linken Auges, bei zweien dieser "Schatten"-Männer. Eine grausam-blutige, ja viehische Prozedur, die soweit möglich gezeigt wird, und bei der dem Betrachter das Blut in den Adern gefriert.
Bei der Arm-Amputition die der Anti-Held ´seinem´ Fürsten zufügen muss, ist es nicht anders, und das Blut fließt nur so.

Raizo Ichikawa spielt diesen "Schatten"-Mann, diesen gebeutelten Charakter, diese "arme Wurst". Von Ruhm träumend, doch einen wahren Albtraum erlebend, dabei dem Wahn immer mehr verfallend.
Denn seine Figur kommt aus diesem irrsinnigen, traumatischen Albtraum nicht raus, verstrickt sich dieser Anti-Held denn immer mehr in einen Strudel aus Wahn und Grausamkeiten.

Das ist von Ichikawa voll überzeugend gespielt, und absolut variabel zudem auch noch.
Denn: Ichikawa übernimmt in einer Doppel-Rolle gleich noch den überheblich-brutalen Fürsten, den Herrn über dem von ihm gespielten Anti-Helden, mit.
Eine ganz andere Rolle, ein ganz anderer Charakter. Und so bietet Ichikawa denn eine so variable wie darstellerisch süperbe Vorstellung, die den Streifen entscheidend prägt und trägt.

Alle anderen im Ensemble bieten ebenso ein gekonntes Spiel, und ergänzen sich.
Masayo Banri übernahm die weibliche Hauptrolle, als verzweifelt agierende "Kohagi", die Mätresse des brutalen Kriegsherrn und Fürsten, die jedoch dem Anti-Helden zugetan ist, wohl erkennend, dass ""er" nicht "er"" ist.

"Third Shadow" besitzt wie viele Jidai Geki einmal mehr eine atmospärische Bildsprache, eine gekonnte Bildführung, das hatten die Japaner in den 1960ern einfach drauf. Auch bildkompositorisch kann "Third Shadow" überzeugen, wie die Kostüme, die Frisuren, die ganze Ausstattung, die eines Samurai-Films würdig ist.
Dies, die dicht inszenierte, melodramatische Handlung, das grausame Schicksal eines Antihelden, und die starken darstellerischen Leistungen hier, darauf kam es dem Film und dessen Regie an.

Weniger auf die Action. Daher ist "Third Shadow" auch kein echter Chanbara, kein Kenjutsu-Actioner.
Bis auf ein paar blutige Tötungen, und einige Scharmützel- und Schlachten-Szenen mit Massen-´Getümmel´, gibt es nichts an "Action", keine richtig auschoreographierten Duell- oder "1vs.5+"-Fights. Eingefleischte Chanbara-Fans kommen bei "Third Shadow" nicht so richtig auf ihre Kosten.

Es kam hier auf andere Dinge an, andere als meine Erwartungshaltung an diesen Film, die mehr einen Chanbara erwartete.
Dennoch, besser als Kurosawa´s Mega-Langweiler "Kagemusha" aus 1980, ist "Third Shadow" aka "Daissano Kagemusha", allemal:

7,5/10.

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